Waiblingen

Rettichkreisel: Marode Straße ist Unfallschwerpunkt

Tödlicher Unfall
Bei diesem Unfall zwischen dem Rettichkreisel und Stöckenhof ist ein 26-Jähriger im Mai dieses Jahres gestorben. © Benjamin Büttner

Waiblingen. Zwei schwere Unfälle sind am Dienstag nahe dem Rettichkreisel passiert (die Artikel hierzu finden Sie hier und hier). Im Mai ist dort ein 26-Jähriger nach einem Zusammenstoß gestorben. Das Land muss handeln und Streckenabschnitte entschärfen, fordern Anrainerkommunen schon lange. Passiert ist nichts. Bei der Polizei gilt die Strecke zwischen Stöckenhof und Rettichkreisel nun als „Unfallhäufungsstelle“.

„Wir sehen ganz dringenden Handlungsbedarf“, sagt Maximilian Friedrich, Bürgermeister in Berglen. Als – subjektiv betrachtet – schlimmsten Streckenabschnitt stuft er die Straße zwischen Stöckenhof und Kallenberg ein, dort vor allem jene Strecken, die an Wald angrenzen. Der Bürgermeister hält unter anderem eine Sanierung des Belags für dringend notwendig, zudem einen Ausbau der zum Teil nur 5,5 bis sechs Meter breiten Fahrbahn. Als „extrem schadhaft“ hatte Friedrich den Abschnitt Stöckenhof-Kallenberg bereits im Mai nach dem tödlichen Unfall dort bezeichnet. Die Gemeinden Althütte, Rudersberg, Berglen und Allmersbach hatten sich gemeinsam ans baden-württembergische Verkehrsministerium gewandt, das für die Landesstraßen rund um den Rettichkreisel verantwortlich zeichnet. Getan habe sich nichts, sagt Friedrich. Eine Sanierung der L 1120 zwischen Rettichkreuzung und Stöckenhof rangiere nach wie vor unter „ferner liefen“ in der Dringlichkeitsliste.

Nachrangige Priorität für Sanierungsarbeiten

Das Verkehrsministerium räumt den Sanierungsarbeiten „nachrangige Priorität“ ein, bestätigte die Behörde am Mittwoch auf Anfrage: „Angesichts zahlreicher Sanierungsprojekte mit höherer Dringlichkeit erfolgte daher auch noch keine Detailplanung für die Sanierungsarbeiten“, teilt eine Ministeriumssprecherin mit. Der Zustand der Landesstraßen in Baden-Württemberg ist dieses Jahr überprüft worden. Doch steht die Auswertung noch an; laut Ministerium ist noch unklar, ob die L 1120 in der Rangliste nach vorne rückt. „Wenn die Unfälle auf den Zustand der Straße zurückzuführen sind, erwarte ich vom Verkehrsministerium, dass die Sanierung sehr rasch in Angriff genommen wird“, so Siegried Lorek, CDU-Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Waiblingen.

Nächstes Jahr ist eine Verkehrsschau vorgesehen

Dass die Polizei nun die Strecke als „Unfallhäufungsstelle“ einstuft, könnte Auswirkungen auf die Rangliste haben – muss es aber nicht. Die Polizei erklärt Strecken unter anderem dann zu „Unfallhäufungsstellen“, wenn dort innerhalb von drei Jahren fünf Unfälle mit Verletzten zu verzeichnen sind. Die Strecke zwischen Rettichkreisel und Stöckenhof erfüllt nun laut Polizeisprecher Holger Bienert die Kriterien. Deshalb werde dort nächstes Jahr eine Verkehrsschau stattfinden. Vertreter verschiedener Behörden prüfen nach, ob Veränderungen an den Straßen nötig sind, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Eine von vielen denkbaren Maßnahmen in solchen Fällen ist, eine Geschwindigkeitsbegrenzung einzuführen.

Nur zwischen Stöckenhof und Rettichkreisel passiert auffällig viel

Nur auf der Strecke Stöckenhof-Rettichkreisel passiert auffällig viel. Die Landesstraße Richtung Allmersbach und die Strecken Richtung Althütte und Rudersberg fallen laut Polizei nicht als besonders unfallträchtig auf.

Auf den Strecken wird ganz gern geheizt

Es wäre realitätsfern, allein die Straßenverhältnisse für Unfallzahlen verantwortlich machen zu wollen. Auf den Strecken rund um den Kreisel wird ganz gern geheizt. Der 22-Jährige, der am Dienstagmorgen zwischen Rettichkreuzung und Stöckenhof verunglückt und mit seinem Wagen im Wald zum Stehen gekommen ist, war laut Polizei zu schnell unterwegs. Dazu kam Reifglätte. Der Golf des jungen Mannes streifte ein entgegenkommendes Fahrzeug und prallte gegen zwei Bäume. Die Feuerwehr musste den Verletzten aus seinem Auto befreien. Lebensgefährliche Verletzungen erlitt eine 29-Jährige, die am frühen Dienstagabend etwa 500 Meter vom Kreisel entfernt Richtung Allmersbach auf glatter Straße ins Schleudern geraten war. Ihr Wagen stieß mit einem VW zusammen, dessen Fahrer schwer verletzt wurde. Noch an der Unfallstelle ist ein 26-Jähriger im Mai dieses Jahres seinen Verletzungen erlegen. Der junge Mann war vom Stöckenhof kommend kurz vor dem Rettichkreisel in einer Rechtskurve mit seinem Wagen auf die Gegenfahrbahn geraten. Sein Corsa prallte gegen einen Laster.

In Waldgebieten ist besondere Vorsicht geboten

Ohnehin schon gefährliche Straßenabschnitte bergen zurzeit wegen Reif- oder Eisglätte noch mehr Risiken. Die Polizei meldete dieser Tage mehrere Glatteisunfälle. In Nellmersbach sind am Mittwochmorgen innerhalb kurzer Zeit gleich drei Glätte-Unfälle passiert. Die Straßenmeistereien Backnang und Weinstadt streuen laut Landratsamt je nach Bedarf. Polizeisprecher Holger Bienert weist darauf hin, dass in Waldgebieten wegen plötzlich auftretender Nässe und eisglatten Stellen besondere Vorsicht geboten ist: „Grundsätzlich rät die Polizei, immer defensiv und vorausschauend zu fahren.“