Welzheim

"Digitales Ruftaxi" in Welzheim, Alfdorf und Kaisersbach ab dem Sommer 2023

Ausgangssperre
„On Demand“ kommt: Es handelt sich dabei um eine Art Ruftaxiangebot mit flexiblerer Ausgestaltung als die eingestellten Ruftaxis. © ALEXANDRA PALMIZI

Auf dem Welzheimer Wald wird es in Welzheim, Kaisersbach und Alfdorf bald einen sogenannten „On-Demand-Verkehr“ geben. Alle drei Kommunen beziehungsweise deren Gemeinderäte stimmten nun zu.

„On Demand“ bedeutet „nach Bedarf“. Es handelt sich dabei um eine Art Ruftaxiangebot mit flexiblerer und besserer Ausgestaltung als die eingestellten Ruftaxis. Das Angebot kann insbesondere die Erreichbarkeit von kleinen Ortsteilen auch nach 18 Uhr und dabei vor allem als Buszubringer verbessern. Auch alle Quell-Ziel-Verbindungen innerhalb des Gebietes der drei Gemeinden ohne Umsteigen sind möglich. Dies betrifft etwa die Heimfahrt von einem gemeinsamen Veranstaltungs- oder Restaurantbesuch in Welzheim, die Fahrt oder Heimfahrt vom Ebnisee und vieles mehr. „Perspektivisch und in einem zweiten Schritt zu wünschen wäre eine direkte Erreichbarkeit benachbarter Zentren/Schienenhalte, zum Beispiel Schorndorf oder Schwäbisch Gmünd. Dies ist jedoch mit dem zunächst eingeplanten Mitteleinsatz nicht möglich“, heißt es seitens der Welzheimer Stadtverwaltung.

Der On-Demand-Verkehr kann dann eingerichtet werden, wenn alle Kommunen, die in der Pilotphase infrage kommen, zustimmen. Dies sind neben Welzheim, Kaisersbach und Alfdorf auch die Kommunen eines zweiten Pilotgebiets, nämlich Winnenden, Remshalden, Leutenbach sowie Berglen. Bislang fehlt nur noch die Zusage von Remshalden.

Zuletzt wurde in Kaisersbach im Gemeinderat über das Projekt gesprochen. Bürgermeister Michael Clauss stellte den Mitarbeitern des Landratsamts Rems-Murr folgende Frage: Sind Sie heute Abend mit dem Bus nach Kaisersbach gekommen?“ Die Antwort lautete „Nein“, und Clauss sagte: „Dann ist es umso wichtiger, dass wir uns über eine Verbesserung des ÖPNV im Schwäbischen Wald in Form des On-Demand-Verkehrs unterhalten.“

On Demand ist ein digitales Ruftaxi, das aber auch telefonisch erreichbar ist

Der Hintergrund: VVS und Landkreis sind auf Welzheim, Alfdorf und Kaisersbach zugegangen, um einen möglichen On-Demand-Verkehr auf dem Welzheimer Wald zu installieren („VVS Flex Schwäbischer Wald“). Ziel ist es, zu Zeiten und an Orten, an denen regelmäßig wenige oder keine Busse fahren (insbesondere Abendstunden, Wochenenden, Ferienzeiten), einen Rufbus-Verkehr einzurichten. Die Passagiere sollen mit dem Rufbus zu den Anschlussbussen gebracht werden, die im regulären Betrieb die Fahrgäste dann weiter transportieren.

Es ist also im Unterschied zu einem Ruftaxi nicht daran gedacht, die komplette Fahrt, zum Beispiel vom Bahnhof Schorndorf nach Welzheim, abzuwickeln.

Die Fahrgäste sollen vielmehr beispielsweise von Eckartsweiler an den Bahnhof Welzheim transportiert werden, wo sie wiederum Anschluss an den regulären Busverkehr haben. Die Zeiten, in denen der On-Demand-Verkehr stattfindet, sind deshalb auch auf mögliche Anschlusszeiten nach Fahrplan abgestimmt (18 bis 24 Uhr). Insgesamt dient das Angebot also der besseren ÖPNV-Auslastung bzw. -Anbindung im ländlichen Raum. Profitieren werden davon im besonderen Maße die Ortsteile von Welzheim, Alfdorf und Kaisersbach, die außerhalb der Verkehrsachsen liegen oder zu ungünstigen Zeiten nicht mehr angefahren werden.

Ein On-Demand-Verkehr hat keine festgelegten Linien oder fixen Fahrplan. Innerhalb eines definierten Verkehrsraums und Bedienungszeitraums kann der Fahrgast eine Route über eine spezielle Buchungsplattform buchen. Der klassische Bucher ist der Spontanbucher, Fahrtwünsche können aber bis zu drei Tage vor der Fahrt angemeldet werden.

Ziel ist es, den Anschluss an den Linienbusverkehr sicherzustellen

Die Buchungsplattform (SSB Flex) bündelt die Fahrwünsche und steuert den Fahrzeugeinsatz. Das System stellt auch sicher, dass redundante Fahrten verhindert werden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn ein Linienbusverkehr in einem gewissen Zeitraum bereits vorhanden ist. Das System teilt dies dem Nutzer mit und gibt Fahrtzeiten und Haltestellen an ihn weiter.

Der On-Demand-Verkehr dient im Pilotprojekt primär dazu, den Anschluss an den bestehenden Linienbusverkehr sicherzustellen. Allerdings ist der Abholort frei wählbar. Nach der Pilotphase wäre es Wunsch der Stadtverwaltung, den On- Demand-Verkehr insofern auszuweiten, dass die Städte mit Bahnanschluss zu Zeiten, in denen der Linienbusverkehr schlecht aufgestellt ist, angefahren werden können. Dies kann aber erst in einem zweiten Schritt angegangen werden, wenn eine entsprechende Nachfrage besteht.

Kaisersbachs Bürgermeister Michael Clauss erklärte, nachdem Alfdorf und Welzheim bereits vorab in ihren Gemeinderatssitzungen dem Pilotprojekt zustimmten: „Statt ,On Demand' könnte man auch ,Bus à la carte' sagen, da man ja unabhängig von Fahrplänen und Linienverbindungen eine Verbindung bestellen kann. Ich hoffe, dass wir in Kaisersbach alle davon profitieren.“ Auch der Kaisersbacher Gemeinderat stimmte zu, so dass nun ab Sommer 2023 das „neue Ruftaxi in digitaler Form“, so Alfdorfs Bürgermeister Ronald Krötz, starten kann. Krötz war auch in Kaisersbach vor Ort, um zu erfahren, ob auch Kaisersbach mitmacht.

Zwei Kaisersbacher Busunternehmer waren ebenfalls aufgrund der Tagesordnungspunkt als Zuhörer bei der Sitzung. Michael Clauss erklärte noch: „Bitte sorgen Sie dafür, dass regionale Busunternehmen möglichst in die Dienstleistung des On-Demand-Verkehrs eingebunden werden.“ Auf die Frage, wie bei der Buchung mit Funklöchern umgegangen werden kann, wurde vom VVS geantwortet, dass auch eine telefonische Buchung möglich sei, was aber natürlich im totalen Funkloch dem Anrufer auch nichts bringt. Daher wollen alle Bürgermeister im Welzheimer Wald weiter daran arbeiten, dass es immer weniger Funklöcher gibt.

In die Analyse sollen Kritikpunkte mit einfließen

Die Gemeinderäte aus Welzheim, Alfdorf, Kaisersbach hatten auch einige Kritikpunkte angebracht. Unisono war zu hören, dass man sich dem On-Demand-Verkehr nicht verschließen möchte, aber die Uhrzeiten von 18 bis 24 Uhr vor allem für die Jugendlichen nicht optimal seien. Und: „Was ist mit den Jugendlichen, die nach 24 Uhr heimfahren möchten? Und warum sind Schorndorf und Schwäbisch Gmünd nicht angeschlossen? – Diese Fragen sollen dann nach dem Pilotprojekt in die Analyse mit einfließen.

Das Pilotprojekt soll im Sommer 2023 starten und zunächst bis Ende 2024 betrieben werden. Nach der Pilotphase sollen die Nutzerzahlen evaluiert werden, um zu beurteilen, ob der On-Demand-Verkehr über den Projektzeitraum hinaus fortgeführt oder erweitert wird. Hierzu wird die Landkreisverwaltung bei einem positiven Verlauf der ersten Pilotphase mit den betroffenen Kommunen Gespräche über eine mögliche Einführung und Finanzierung entsprechender Angebote aufnehmen.

Auf dem Welzheimer Wald wird es in Welzheim, Kaisersbach und Alfdorf bald einen sogenannten „On-Demand-Verkehr“ geben. Alle drei Kommunen beziehungsweise deren Gemeinderäte stimmten nun zu.

„On Demand“ bedeutet „nach Bedarf“. Es handelt sich dabei um eine Art Ruftaxiangebot mit flexiblerer und besserer Ausgestaltung als die eingestellten Ruftaxis. Das Angebot kann insbesondere die Erreichbarkeit von kleinen Ortsteilen auch nach 18 Uhr und dabei vor allem als Buszubringer verbessern.

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