Welzheim

Ein Bild der Verwüstung: Welzheimer und Alfdorfer helfen Opfern der Flutkatastrophe im Ahrtal

Fluthilfe 1
Es gibt keine Straßen mehr. Der Müll türmt sich auf fast zwei Meter Höhe. Ein Leben in ihren Häusern ist für die Kreuzberger nicht möglich. Welzheimer und Alfdorfer helfen vor Ort. © Privat

Zwei Lkw, ein Radlader, zwei Bagger und neun Männer aus Alfdorf und dem benachbarten Ostalbkreis sowie drei Helfer aus Welzheim mit Motorsägen waren im überfluteten Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz, in diesem Fall in Kreuzberg im Ahrtal, vor Ort, um den Menschen, die alles verloren haben, zu helfen.

Die Truppe aus Alfdorf mit Gemeinderat Kai Strobel, der im Alfdorfer Bauhof tätig ist, wurde von Christian Bergmann (Chef der Firma Bergmann Elektroservice in Alfdorf) organisiert, die Welzheimer Truppe kam durch einen Facebook-Aufruf von Alexander Heinrich (Landschaftspflege und Forstarbeiten Heinrich) zustande. Das Kuriose, beide Helfertruppen kamen in Kreuzberg zum Einsatz, obwohl die Alfdorfer den Kontakt zum dortigen Krisenstab über die Stuttgarter Feuerwehr erhielten und Alexander Heinrich über gute Bekannte in Calw. Ohne eine vorherige Anmeldung kommt man aber auch nicht hinein ins Krisengebiet.

„Es wird genau darauf geachtet, wer wo am besten helfen kann“, berichtet Kai Strobel, der von Bürgermeister Ronald Krötz trotz des personellen Engpasses im Alfdorfer Bauhofteam sofort Urlaub bekam. Die Bilder, die alle vor Ort in Kreuzberg sahen, werden sie nie vergessen.

„Das ist kaum zu beschreiben. Es gibt nichts mehr. Keine Straßen, keine Häuser oder nur noch kaputte Häuser, kein Strom, kein Wasser. Die Menschen haben hier alles verloren, und oft auch noch Mitmenschen, die gestorben sind“, erklärt Alexander Heinrich aus Welzheim. Und dennoch war es für Kai Strobel und Alexander Heinrich schnell klar, dass man helfen möchte.

Die gelebte Solidarität und die Dankbarkeit sind sehr groß

„Wir wollten ein Zeichen der Solidarität setzen. Denn eines wurde schnell klar, jede Hilfe wird hier benötigt, und die Gemeinschaft ist so groß, dass auch die Menschen aus Rheinland-Pfalz oder NRW zu uns kommen würden, wenn wir mit so einer Überschwemmungskatastrophe umgehen müssten“, sagt Kai Strobel. Zwei Tage waren die neun Männer aus Alfdorf vor Ort, um hier das Feuerwehrhaus und die Schule wieder zugänglich zu machen. „Mit unserer Hilfe konnte im Feuerwehrhaus dann ein Krisenzentrum eingerichtet werden. Am dritten Tag wollten wir auch noch mit anpacken, aber es drohte ein erneutes Unwetter, und Kreuzberg wurde evakuiert. Daher mussten wir wieder nach Hause fahren. Aber wir sind uns alle einig, dass wir wieder hochfahren nach Kreuzberg. Denn hier wird noch viele Monate jede helfende Hand gebraucht beim Wiederaufbau“, äußert sich Strobel, der auch dankbar ist, dass ihn die Gemeinde Alfdorf so schnell entbehren konnte, obwohl es in Alfdorf für den Bauhof gerade auch sehr viel zu tun gibt.

Unter anderem die Arbeiten an den unterspülten Straßen von Alfdorf zum Leinecksee oder in die andere Richtung nach Pfahlbronn.

Fast zwei Meter hohe Berge an Schutt und Müll über mehrere Kilometer müssen aufgeräumt werden, damit viele Menschen wieder auf ihre Grundstücke gelangen. „Man wird auch von der Feuerwehr oder der Bundeswehr vor dem Einsatz darauf hingewiesen, dass es hier noch tote Menschen geben kann, die bisher nicht gefunden wurden“, berichtet Alexander Heinrich. Die Dankbarkeit der Menschen vor Ort sei riesig, so hätten zum Beispiel die Gastronomen, die seit Corona selbst kein Geld verdienen konnten, für die Helfer gekocht, und keiner musste für die Verpflegung etwas bezahlen, berichtet Kai Strobel.

„In der Nachkriegszeit sah es nicht so schlimm aus“

Und Alexander Heinrich hat einen älteren Mann getroffen, der zu ihm sagte: „In der Nachkriegszeit sah es nicht so schlimm aus. Da waren zumindest noch Straßen da, jetzt gibt es nicht einmal mehr eine Straße.“ Heinrich und seine beiden Helfer waren drei Tage in Kreuzberg, unter anderem sägten sie Stromtrassen von umgefallenen Bäumen frei. „Wir hatten dann schnell Anschluss an eine andere Hilfsgruppe gefunden, und mit einem Zehn-Mann-Trupp waren wir aktiv. Aber ich bin hier noch nicht fertig. Wir werden noch einmal oder auch noch ein paarmal in dieses Katastrophengebiet reisen, denn wenn es darum geht, Häuser und Straßen wieder aufzubauen, wird jede Hand benötigt“, erzählt Heinrich. Vergessen werde er auch nicht, dass Kinder, die als Dauercamper hier lebten, aus einem völlig zerstörten Campingplatz ihre letzten Dosen zum Essen aus dem Schutt herausholten, um für die Helfer zu kochen.

Eine besondere Aktion war die Welzheimer Sachspendenaktion von Alexander Heinrich, der über Facebook einen Aufruf startete. „Es war großartig, was wir an Sachspenden bekamen. Einen großen Hänger konnte ich an den Nürburgring fahren, um die Spenden dort abzugeben. Dann wurde ich angesprochen, ich soll bitte noch 30 Kilometer weiter fahren, um mit meinem Hänger Holzpaletten abzuholen.“ Sachspenden seien nun genügend da, aber Helfer, die kräftig anpacken können, werden gesucht. „Es wird auch alles super organisiert, und man bekommt sein Einsatzgebiet zugewiesen“, sagt Heinrich.

Die Stadt Welzheim unterstütze die Fahrt der Welzheimer sogar mit Benzingeld. „Dafür sind wir sehr dankbar, dass uns die Stadt den Hin- und Rückweg bezahlte“, so Alexander Heinrich.

Wer den Welzheimern oder Alfdorfern bei der nächsten Fahrt helfen möchte, kann sich bei Kai Strobel oder Alexander Heinrich melden (Telefon Strobel: 01 74/3 27 04 41, Telefon Heinrich: 01 73/4 76 23 53).

Zwei Lkw, ein Radlader, zwei Bagger und neun Männer aus Alfdorf und dem benachbarten Ostalbkreis sowie drei Helfer aus Welzheim mit Motorsägen waren im überfluteten Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz, in diesem Fall in Kreuzberg im Ahrtal, vor Ort, um den Menschen, die alles verloren haben, zu helfen.

Die Truppe aus Alfdorf mit Gemeinderat Kai Strobel, der im Alfdorfer Bauhof tätig ist, wurde von Christian Bergmann (Chef der Firma Bergmann Elektroservice in Alfdorf) organisiert,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper