Welzheim

Es gibt bereits 24 Antennen für den Mobilfunk in Welzheim

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Dieser Funkturm steht beim Kreisverkehr am Ebnisee. Ein neuer Funkturm wird in Breitenfürst gebaut, sollte das Landratsamt zustimmen. © Büttner

„Es geht nur um die baurechtliche Abstimmung, also ob wir einem Bau eines Funkturms aus städtebaulicher Sicht zustimmen können oder nicht. Alles andere haben wir als Stadt und der Gemeinderat nicht zu entscheiden. Wir dürfen keine Aussagen über die Gesundheit der Bürger machen“, erklärte Welzheims Bürgermeister Thomas Bernlöhr. So machte er in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend schnell klar, um was es bei der Thematik besseres Mobilfunknetz in Breitenfürst geht.

Und dennoch gab es einige Diskussionen und Wortmeldungen innerhalb des Gemeinderatsgremiums. „Es ist wichtig, dass wir über das Thema Mobilfunk diskutieren, auch über mögliche gesundheitliche Schäden oder den Standort des Funkturms. Leider wollen wir Deutschen oft manche Dinge nicht haben, wenn es im eigenen Vorgarten gemacht wird. Davon darf sich Breitenfürst nicht blenden lassen und ich stimme dem Antrag der Stadtverwaltung zu, aus meiner Sicht kann der Funkturm gebaut werden. Wir wollen nicht abgehängt werden von anderen Städten beim Thema Digitalisierung“, äußerte sich Alexandra Veit, SPD-Fraktion.

Die Standortfrage wurde nur kurz diskutiert, da in einigen vorangegangen Sitzungen, auch in zwei Online-Videokonferenzen, über diese Frage ausführlich berichtet wurde. „Wenn es keinen besseren Standort gibt und die optimale Lösung gefunden wurde, ist das in Ordnung“, so Linda Stütz vom Welzheimer Bürgerforum.

„Besseres Mobilfunknetz kann auch Leben retten“

Zahlreiche Argumente für und gegen den Ausbau des Mobilfunknetzes wurden ausgetauscht. „Ein Aspekt wurde aber noch nicht genannt, nämlich dass ein besseres Mobilfunknetz Leben retten kann. Dann nämlich wenn man zum Beispiel im Wald unterwegs ist und durch den neuen Mast Netzempfang hat, kann man schneller den Notarzt oder die Feuerwehr rufen“, so Markus Österle vom Welzheimer Bürgerforum.

Am Ende zeigte bei einer Enthaltung der fast einstimmige Beschluss des Gemeinderats, dass man sich besserem Mobilfunk nicht verschließen möchte. Warum es ausgerechnet in der Zeit der Corona-Krise so viele Gegner des Mobilfunks gibt, darüber kann man nur spekulieren. Denn es gibt bereits 24 Antennen auf fünf Standorten in Welzheim und seinen Teilorten. „Vielleicht hat der unsichtbare Gegner namens Corona dazu geführt, dass sich die Menschen nun gegen den unsichtbaren Gegner Mobilfunkstrahlen wehren. Es ist aber gut, sich weiter kritisch mit diesem Thema auseinanderzusetzen“, vermutete Alexandra Veit.

„Die vorherrschende Corona-Pandemie hat uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig die Digitalisierung ist und welche riesigen Chancen sie uns bringt. Ein Teil dieses großen Ganzen der Digitalisierung ist der Mobilfunk. Er ermöglicht es uns, nicht nur in den eignen vier Wänden auf die Ressourcen im Internet zuzugreifen, sondern auch unterwegs und an fremden Orten. Es ist wichtig, dass Mobilfunk flächendeckend vorhanden ist. Egal ob man sich verfahren hat, schnell etwas nachschlagen möchte, der Breitbandanschluss ausfällt oder gar ein Notfall entsteht“, äußerte sich Philip Köngeter von den Piraten und ergänzte: „Mobilfunk ist weitestgehend unbedenklich für Menschen, Tiere und Pflanzen. Es gibt keinen mehrheitlichen Nachweis über die Schädlichkeit der Strahlen, wir würden hier wohl sogar weit unter den geltenden Grenzwerten bleiben. Wenn man sich hinsetzt und anhand der Formeln rechnet oder man die zur Verfügung stehende digitale Feldsimulation verwendet, scheint beim Kindergarten nur ein Bruchteil, im günstigsten Fall also vermutlich maximal 0,5 Prozent des Grenzwertes, anzukommen. Wollen wir eine Gegend abhängen, weil das letzte bisschen Restrisiko nicht ausgeräumt werden kann? Wir werden immer in einer Gesellschaft leben, die ein gewisses Restrisiko auf sich nimmt, das tun wir beim Essen, beim Autofahren und einfach, weil wir eben leben. Schlussendlich möchte ich noch anmerken, dass der Mast bereits um einiges weiter weg von Kindergarten und Wohnbebauung entsteht, als ursprünglich von der Mobilfunkindustrie gewünscht, das scheinen viele zu vergessen. Wir haben also bereits Vorsorge betrieben, bei gleichzeitigem und vor allem gutem Empfang.“

Ist die Bürgerinitiative nun zu spät dran, um zu trommeln?

Auch eine Bürgerinitiative hat sich gebildet, die nun nicht mehr anonym bleiben möchte. Thomas Bernlöhr sagte: „Die Stadträte und die Stadtverwaltung haben in den letzten Tagen und Wochen eine Vielzahl von Fragen, Appellen, Aufforderungen und Anregungen erhalten. Zwei Punkte der Bürgerinitiative möchte ich inhaltlich noch ergänzen. Es hieß, ein 30 Meter hoher Mast sei überdimensioniert. Diese Höhe ist aber schlicht notwendig, um die Ausleuchtung der Topographie in Richtung Ropbach zu erreichen. Und die Stadt Welzheim würde ein Mobilfunkvorsorgekonzept benötigen. Das sehe ich nicht so, da wir uns ja nicht gegen einen Netzanbieter juristisch wehren müssen. Ein solches Konzept macht für uns keinen Sinn. Wir wollen uns ja nicht mit einem Netzanbieter anlegen, sondern erhoffen uns ein besseres Mobilfunknetz durch den neuen Mast in Breitenfürst.“

Aus den Kreisen der Bürgerinitiative heißt es, unter anderem von Silke Müller aus Breitenfürst: „Wir wussten nicht, dass man bei der Bürgerfragestunde seine Meinung äußern darf. Außerdem ist Dienstag um 17 Uhr für berufstätige Menschen keine gute Zeit, um zu einer Gemeinderatssitzung zu gehen. Wir wünschen uns einen anderen Termin mit der Welzheimer Stadtverwaltung, um unsere Sicht noch einmal zu verdeutlichen. Es gibt einige Punkte, die gegen den Bau eines Funkturms in Breitenfürst sprechen.“ Mehr zur Bürgerinitiative gibt es in der Freitagsausgabe der Welzheimer Zeitung. Thomas Bernlöhr erklärte: „Der Stadtverwaltung Welzheim ist es wichtig, dass jeder zu Wort kommen darf. Bisher wollte die Bürgerinitiative aber anonym bleiben, was direkte Gespräche erschwert. Unsere Tür stand auch in den letzten Wochen und Monaten immer offen, es kam nur fast niemand direkt auf uns zu, lediglich anonym. Nun hat der Gemeinderat seinen Beschluss gefasst und wenn das Landratsamt zustimmt, wird der Funkturm gebaut. Wir lassen derzeit aber noch juristisch prüfen, ob ein Bürgerbegehren in dieser Sache rechtlich möglich ist und werden erneut auf die Bürgerinitiative zugehen.“

„Besteht durch den Neubau ein zusätzliches Gesundheitsrisiko?“

Niko Kappel las am Dienstagabend das Statement der CDU-Fraktion vor: „Wir finden es absolut richtig, einen solchen Neubau zu prüfen. Der wichtigste Diskussionspunkt ist: Entsteht durch den Neubau des Masts ein zusätzliches Gesundheitsrisiko? Bewiesen ist bei diesem Thema nichts. Die große Mehrheit der Forscher sieht jedoch keine Bedenken. Wir werden weiterhin alles im Blick behalten und stimmen den vorgeschlagenen Befreiungen der Verwaltung zum Bau des Funkturms zu.“

Zwei Alfdorfer Gemeinderäte besuchen die Welzheimer Kollegen

Interessant zu beobachten war auch, dass mit Klaus Hinderer und Manfred Fitz zwei Alfdorfer Gemeinderäte die Sitzung der Welzheimer Kollegen besuchten. Da auch in Alfdorf das Thema Mobilfunk in den Teilorten wichtig ist, haben sich beide Gemeinderäte einen Eindruck von den Diskussionen in Welzheim verschafft. Eine geplante Funkantenne auf dem Schulhaus in Hellershof sorgte bereits für große Aufregung, so dass nun ein neuer Standort für eine Mobilfunkantenne im Sandland gefunden werden muss. Auch in anderen Alfdorfer Teilorten wünscht man sich eine bessere Netzabdeckung und Erreichbarkeit. In den nächsten Gemeinderatssitzungen in Alfdorf wird das Thema Mobilfunk, zusammen mit dem Breitbandausbau, sicher wieder auf der Tagesordnung stehen.