Welzheim

Sirenen in Welzheim ohne Funktion, ist das richtig?

Sirene Rathaus
Die Sirenen in Welzheim, wie hier auf dem Rathaus, werden zwar erhalten bleiben, aber bis auf weiteres ohne eine Funktion. © Gabriel Habermann

Am 16. September 2020 wurden im Nachgang zum ersten bundesweiten Warntag am 10. September 2020 die vier vorhandenen Welzheimer Sirenen getestet. Der Test hat gezeigt, dass alle vier Sirenen manuell einzeln auslösbar sind und laut vernehmbar funktionieren. Eine zentrale Steuerung, zum Beispiel über eine Leitstelle, ist aber nicht gegeben. „Des Weiteren wurden die vier Sirenen nicht überall auf der Gemarkung Welzheim akustisch wahrgenommen. Ursprünglich gab es mehr Sirenen, und das bebaute Gebiet war kleiner. Bereits seit den sechziger Jahren wird die Feuerwehr nicht mehr über die Sirenen alarmiert“, berichtete Thomas Bernlöhr, Bürgermeister in Welzheim. Für kommunale Aufgaben (Brandschutz) hätten die Sirenen mithin schon lange keine Funktion mehr. In den vergangenen Jahrzehnten wurden immer wieder vorhandene Sirenen im Zuge der Gebäudesanierungsmaßnahmen (auch auf privaten Häusern) abgebaut.

„Für eine flächendeckende Wahrnehmung der Sirenen müssten zu den bestehenden Sirenen Rathaus Welzheim, Langenberg, Breitenfürst, Eberhardsweiler und Aichstrut wohl um die sechs weitere Sirenen installiert werden. Die genauen Standorte würden durch ein entsprechendes Konzept ermittelt. Angesichts der sehr eingeschränkten Nutzung von stationären Sirenen wird vorgeschlagen, auf die weitere Verfolgung eines solchen Konzepts zu verzichten – jedenfalls solange dies nicht auch von Katastrophenschutzseite befürwortet oder auch finanziert wird“, äußerte sich Bernlöhr. Dem Vorschlag konnte der Gemeinderat folgen und beschloss: 1. Ein flächendeckendes stationäres Sirenennetz wird bis auf weiteres nicht aufgebaut. 2. Die bestehenden Sirenen werden, solange es baulich möglich ist, auf den Dächern belassen und werden betriebsfähig gehalten. 3. Um mobil und inhaltlich aussagekräftig vor lokalen Gefahren zu warnen, werden drei städtische Fahrzeuge mit Lautsprechersystemen nachgerüstet.

Die Piraten-Fraktion widerspricht aber der Stadtverwaltung

Aufgrund des unbefriedigenden Ergebnisses des bundesweiten Warntags hat die Piratenfraktion vergangenes Jahr angeregt, das mangelhafte Sirenennetz in Welzheim zu überprüfen und zu reaktivieren. Die Stadt Welzheim hat daraufhin untersucht, wie viele Sirenen neu gekauft werden müssten und was es kostet. Der Stadtrat hat aufgrund der Kosten von 154 000 Euro für zehn neue Warnsirenen nun einen Aufbau des Netzes vorerst abgelehnt. Die Piratenfraktion kündigte einen erneuten Versuch an, wenn das versprochene Bundesprogramm steht, und kritisierte Kreis-, Land- und Bundesbehörden für die Uneinigkeit beim Bevölkerungsschutz. „Mit keinem anderen System lässt sich die Bevölkerung so schnell, umfassend und flächendeckend warnen wie mit Sirenen, und dies ist auf dem Land besonders wichtig“, macht der Fraktionsvorsitzende der Piraten, Philip Köngeter, deutlich. „So sehr wir für die Digitalisierung stehen und diese auch vorantreiben möchten, muss ich leider sagen, dass die vom Bund und den Ländern alternativ ausprobierten Warn-Apps bisher kein adäquater Ersatz sind, sie erreichen einfach nicht alle Menschen. Die Nutzung von Sirenen ist für uns keine Entweder-oder-Entscheidung, sondern ein Sowohl-als-auch im Rahmen des sogenannten Warnmix. Denn die Warnung der Bevölkerung setzt sich zusammen aus dem sogenannten Weckeffekt, der die Menschen auf eine Gefahrenlage aufmerksam machen soll, also über ein schnelles Sirenennetz, und konkreten Warninformationen zur Gefahrenlage mit entsprechenden Handlungsempfehlungen, was wiederum die von der Stadt angesprochenen Lautsprecherwagen wären.“

Weiter sagt Kai Dorra (Piraten): „Gerade die älteren Mitbürger lassen sich auf diesem Weg vermutlich nicht erreichen. Viele besitzen schlichtweg bisher kein Smartphone, und die Bevölkerung installiert die Warn-Apps einfach noch nicht flächendeckend.“ Man müsse auch weitere Probleme bedenken. „Die Smartphones werden nicht immer rund um die Uhr mitgeführt. Manche Leute schalten die Geräte nachts beispielsweise komplett aus, die Handys sind stumm oder der Akku geht auch mal leer. Außerdem gibt es immer noch Bereiche im Welzheimer Wald, in denen die Mobilfunksignale gar nicht oder nur schlecht empfangen werden können. Als alleiniges Warnmittel der Bevölkerung sind die Apps daher ungeeignet“, so Köngeter.

Köngeter: „Wir werden das Förderprogramm anschauen“

„Für unsere Fraktion ist klar, uns wäre dieser Aufbau von Sicherheitsinfrastruktur bereits das Geld wert. Da das Bundesinnenministerium und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz aber erkannt haben, dass Sirenen doch wichtig sind, bereiten diese gerade ein Förderprogramm vor, bei dem Kommunen über die Länder Mittel zum Ausbau ihres Sirenennetzes bereitgestellt werden. Dies soll nach ersten Informationen bis September geschehen. Wir werden uns dieses Förderprogramm anschauen und das Sirenennetz dann neu einbringen. Einziger Trost ist, dass die alten Sirenen uns noch erhalten bleiben.“

Am 16. September 2020 wurden im Nachgang zum ersten bundesweiten Warntag am 10. September 2020 die vier vorhandenen Welzheimer Sirenen getestet. Der Test hat gezeigt, dass alle vier Sirenen manuell einzeln auslösbar sind und laut vernehmbar funktionieren. Eine zentrale Steuerung, zum Beispiel über eine Leitstelle, ist aber nicht gegeben. „Des Weiteren wurden die vier Sirenen nicht überall auf der Gemarkung Welzheim akustisch wahrgenommen. Ursprünglich gab es mehr Sirenen, und das bebaute

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