Welzheim

Steffi rennt: So geht es ihr am Tag danach

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39 Stunden unterwegs – aber nie allein: Feuerwehrfrau und Extremsportlerin Steffi Saul. © Laura Edenberger

Welzheim. 24 Stunden nach ihrem Zieleinlauf sitzt Stefanie Saul am Montagmorgen schon wieder in ihrem Büro. Ihre durchgelaufenen Stiefel hat sie nach ihrem wohl erfolgreichen Rekordversuch gegen Verband, Blasenpflaster und Schuhe, die drei Nummern zu groß sind, eingetauscht. Die Schmerzen sind groß. Die Freude ist größer.

Stefanie Saul ist mit dem Auto zur Arbeit gefahren. Was klingt wie eine Banalität, ist in diesem Fall eine Nachricht wert. Denn eigentlich läuft sie zur Arbeit. Da sie aber von Freitag, 17 Uhr, bis Sonntagmorgen um 8 Uhr 150 Kilometer in kompletter Feuerwehrausrüstung gelaufen ist, sind ihre Füße in einem erbärmlichen Zustand. Schon nach 50 Kilometern wusste sie, dass die Fußsohlen blutig sind. Doch da standen ihr noch 100 Kilometer bevor.

Unterlagen beim Deutschen Rekordinstitut einreichen

„Der Schmerz hört nicht auf“, sagt sie sie am Montagmittag, geschafft, aber auch glücklich, es geschafft zu haben. In dieser Woche will sie beim Deutschen Rekordinstitut die Unterlagen, unter anderem einen kompletten Mitschnitt ihres Rekordversuchs, die längste Strecke in voller Einsatzmontur zurückzulegen, einreichen. Es sieht danach aus, dass sie den Rekord gebrochen hat. Der amtierende Rekordhalter, ein Mann, hat bereits gratuliert. Wir gratulieren auch: Respekt vor dieser Leistung!

"Die Feuerwehrstiefel hatten am Ende kein Profil mehr"

Ihr Bruder hat es unterwegs mal versucht, ist eine Runde mit Atemschutzgerät gelaufen, schildert Stefanie Saul, vielen noch als Steffi Praher bekannt. Die eine Runde hat ihm dann gereicht. Steffi ist 14 Runden mit insgesamt 28 Kilogramm Ausrüstung gelaufen, insgesamt 150,6 Kilometer. „Die Feuerwehrstiefel hatten am Ende kein Profil mehr“, sagt die junge Feuerwehrfrau, die einiges zu berichten hat.

Pensionierter Berufsfeuerwehrmann jetzt auch überzeugt

Da war unter anderem ein pensionierter Berufsfeuerwehrmann aus dem Stuttgarter Raum. Der war extra angereist, schildert die 34-Jährige. Er habe ihr auf einer ihrer Runden von der Feuerwehrwache Richtung Aichstrutsee und zurück gesagt, dass er von Frauen bei der Feuerwehr wenig halte, von wegen schwaches Geschlecht und so. Tja. Nun habe der Mann seine Meinung geändert. „Er war total begeistert!“

Jede Runde lief jemand mit ihr mit

Steffi Saul bedankt sich bei allen Helfern und Zuschauern, die sie unterstützt haben. Da waren die Feuerwehrleute, die 39 Stunden an ihrer Seite waren. Mindestens eine Person war jede Runde mit dabei. Das helfe enorm, sagt sie. Ohne Unterstützung, ohne Motivation, verbale Tritte in den Hintern könne man derlei nicht leisten, sagt sie. Man brauche gute Wünsche, Unterhaltung, Unterstützung und gute Gedanken, die einen den Schmerz mal wieder für ein paar Minuten vergessen ließen. Mitleid helfe nicht, sondern Anfeuerungsrufe und Ablenkung. Auch um 3 Uhr hätten Leute aus Aichstrut sie angefeuert.

Kraftaufwand unterschätzt 

Zwar hat sie den Rekord, danach sieht alles aus, gebrochen. Doch sei sie die ersten 50 Kilometer zu schnell angegangen. Die letzten beiden Runden seien sehr hart gewesen. 20 Minuten auf dem Boden geschlafen habe sie davor. Pro Stunde durfte sie fünf Minuten Pause machen. Da sie einige Stunden durchgelaufen war, konnte sie sich ein Nickerchen, ein Powernap, erlauben. Das musste sein. Sie hätte es langsamer angehen sollen. Sie habe den Kraftaufwand etwas unterschätzt. Doch den Kampf gegen ihren Körper hat sie gewonnen – erneut. Das gebe ihr Kraft, gebe ihr die Gewissheit, jede Herausforderung meistern zu können, sagt sie. Auch darum stellt sie sich diesen – auch aus ihrer Sicht – übertriebenen Aufgaben.

Man muss sich auf die Schmerzen einstellen

Sie freut sich über Zuschauer, Fußgänger, Mitläufer und Autofahrer, die gehupt, gerufen oder gebrüllt haben. Das half alles gegen die Schmerzen. Lohnt sich der Aufwand denn im Nachhinein? Mit derlei Aktionen beweise sie sich und anderen, was sie leisten kann. Und sie sammelt Geld für ihre vielen Spendenprojekte. Als Extremsportlerin wisse sie, dass sie sich auf Schmerzen einstellen müsse. Diese gelte es dann auszutricksen. Wenn dann noch der Fanfarenzug extra für sie spielt, dann wurde dem Schweinehund wieder ein Schnippchen geschlagen. Steffi Saul hat es geschafft!


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