Welzheim

Welzheimer Bürgerinitiative fordert andere Lösung als den Funkturmbau

Mobilfunk-Streit
Hätte der Welzheimer Gemeinderat anders entschieden, wenn die Bürgerinitiative ihre Standpunkte klarer kommuniziert hätte? Foto: Alexandra Palmizi © ALEXANDRA PALMIZI

Seit Ende April beziehungsweise Anfang Mai gab es zunächst die ersten Stimmen in Breitenfürst, die sich gegen den Bau des Mobilfunkturms aussprachen. Schnell entwickelte sich eine Bürgerinitiative im Teilort von Welzheim, die jedoch zu lange anonym blieb.

Denn der Standpunkt der Bürgerinitiative aus Breitenfürst – insgesamt 269 Einwohner von 809 aus Breitenfürst wünschen sich eine andere Lösung als den Bau eines 30 Meter hohen Funkturms für ein besseres Mobilfunknetz – wurde vor dem Beschluss des Welzheimer Gemeinderats nicht rechtzeitig kommuniziert. „Diesen Fehler müssen wir uns ankreiden. Wir sind keine Profis, sondern Bürger aus Breitenfürst, die vor den gesundheitlichen Risiken eines großen Funkturms warnen. Wir sind nicht gegen den Mobilfunk oder gegen ein besseres Mobilfunknetz, aber es gibt bessere und gesündere Möglichkeiten für ein gutes Mobilfunknetz als einen 30 Meter hohen Funkturm“, erklärt Silke Müller aus Breitenfürst stellvertretend für die Bürgerinitiative.

Kleinere Funktürme oder Kabel als andere Lösungen

Eine Möglichkeit wäre laut Ute Rimmele, die in dem Gewerbegebiet arbeitet, eine Kabellösung. „Wir sind im Gewerbegebiet bestens mit Glasfaser und Breitband versorgt. Hier muss niemand online mit dem Handy gehen, um große Datenmengen auszutauschen. Außerdem funktioniert das Vodafone-Netz bestens. Aber statt eines 30 Meter hohen Funkturms, der mit seinen Strahlen viele Menschen einem gesundheitsschädigenden Risiko aussetzt, könnten mehrere kleine Funktürme, deren Strahlenwerte viel geringer sind, oder eine Kabellösung ähnlich dem Beispiel von St. Gallen in der Schweiz, eine bessere Lösung sein“, so Ute Rimmele aus Breitenfürst. Mit kleineren Funktürmen oder der Kabellösung wäre allen geholfen, nämlich das Mobilfunknetz wäre besser, jedoch das Risiko elektrosensibel zu werden oder gar Krebs zu bekommen, geringer.

In Breitenfürst lebt laut der Bürgerinitiative eine Person, die elektrosensibel sei und zum Beispiel nicht mehr in die Innenstadt nach Welzheim gehen könne, ohne gesundheitliche Probleme zu bekommen. „Wohin muss dieser Einwohner von Breitenfürst ziehen, wenn der Funkturm gebaut wird“, fragt sich Silke Müller.

Mobilfunk nicht nur als separates Risiko sehen

Auch die Diskussion um den Grenzwert werde nicht richtig geführt. „Wenn man den Grenzwert an einem leblosen Körper 30 Minuten lang testet, statt an einem Menschen, der 24 Stunden am Tag lebt, dann können die Ergebnisse nicht stimmen“, so die Bürgerinitiative.

Albert Heinrich aus Breitenfürst sieht das Problem der Strahlen, die mit dem Mobilfunk zusammenhängen, als gesamtes Problem: „Wir sind Starkstrom ausgesetzt sowie Ölleitungen im Boden und Mobilfunkstrahlen. Alles zusammen kann unserer Gesundheit nicht guttun. Es wäre wünschenswert, wenn die Menschen ein anderes Bewusstsein bekommen und sich über die Gefahren informieren. Nur wenn jedem bewusst ist, dass auch Mobilfunkstrahlung krebserregend sein kann, kann sich etwas ändern.“

In der „Naila-Studie“ (1999 - 2004) haben die Forscher herausgefunden, dass die Strahlung von Mobilfunktürmen Krebs schneller wachsen lasse. Auch die Initiative „Diagnose Funk“ beschäftigt sich seit Jahren mit Aufklärungsveranstaltungen. „Unsere Forderungen sind, ein Netz für alle Anbieter, Breitband für jeden Haushalt, Trennung der Innen- und Außenversorgung und keine Durchstrahlung von Häusern“, so die Bürgerinitiative aus Breitenfürst.

Zwar sei nun allen klar, dass nach dem Beschluss des Welzheimer Gemeinderats der Funkturm in Breitenfürst gebaut würde. „Wir werden dennoch auf die Welzheimer Stadtverwaltung und den Landkreis Rems-Murr zugehen, damit bei den nächsten Bauvorhaben die Bürger mit ihren Meinungen gehört werden. Es geht uns um die Zukunft unserer Kinder. Es gibt bessere Lösungen als Funktürme, doch dafür müsste mehr Geld investiert werden. Da der Staat in Deutschland 50 Milliarden Euro pro Jahr an dem bestehenden Mobilfunkkonzept verdient, müsste auf der großen politischen Bühne ein Umdenken stattfinden“, sagen Müller, Rimmele und Heinrich unisono. Das Ziel sei, eine Infoveranstaltung in Breitenfürst auf die Beine zu stellen, sobald es die Corona-Verordnung zulässt.

„Wir wollen alle Bürger in Breitenfürst informieren, welche Gefahr auf die Bewohner in der Nähe des Funkturms zukommt“, so Silke Müller. Und man möchte ein anderes Bewusstsein erzeugen.

Info

In einem Schreiben vom 10. Juni, damals jedoch noch anonym, an die Welzheimer Stadtverwaltung hieß es von Seiten der Bürgerinitiative: „Dem Gemeinderat und der Stadt Welzheim liegt seit dem 10. Juni unsere abgeschlossene Petition vor: 416 Unterschriften gegen den Standort, die Masthöhe und die zukünftige Strahlenintensität! Alleine 269 handschriftliche Unterschriften aus Breitenfürst. Kritisch beurteilen wir den Brief von Marcel Bonn, welcher auch in der Zeitung zu lesen war. Er benutzte unsere Begrifflichkeiten, stellte diese als Behauptungen dar, obwohl es klare Fakten sind. Er schrieb, jeder könne sich selber schützen, indem er einfach das Handy abschalte. Dabei vergisst er wohl, dass sich die Basisstation, die täglich 24 h strahlt, nicht abschalten lässt. Nun ja, Herr Bonn wohnt auch nicht in Breitenfürst. Seine digitale Feldsimulation zur Berechnung irgendwelcher Prozente ist falsch und fahrlässig bezüglich des Kindergartens. oder ist Herr Bonn ein professioneller Gutachter? Philip Köngeter (Piratenpartei) hat, seiner Auffassung nach, einen stichhaltigen Test zum Mobilfunkempfang in Breitenfürst durchgeführt. Leider zeigt dieser Test nur die mangelnde physikalische und funktechnische Fachkenntnis des Testers und gibt keineswegs einen treffenden Aufschluss über den Empfang wieder. Wir brauchen eine professionelle Messung von einem unabhängigen Institut, welches für verschiedene Standorte Simulationen durchführt und Lösungen für eine gute Mobilfunkversorgung aufzeigt, dabei aber die Gesundheit von Mensch, Tier und Natur berücksichtigt. Gratulation an die Stadt Schorndorf. Hier hat der Gemeinderat für seine Bürger/-innen ein Mobilfunk-Vorsorgekonzept beschlossen. Das braucht Welzheim auch! Bei einer Masthöhe von 30 m (zulässig max. 8,5 m) ist damit zu rechnen, dass zukünftig deutlich mehr Sendemodule von 4G und 5G mit einer intensiveren Sendeleistung verbaut werden. Bemerkt wurde dies ebenfalls von Frau Dr. Ziegelberger vom BfS. Dass Mobilfunkstrahlung krank macht, bezeugt ein Breitenfürster, der es am eigenen Leib erfahren musste. Das lässt sich nicht wegdiskutieren und ist bei weitem kein Einzellfall! Er sagt: Es geht hier um meine Heimat, meine Familie, Freunde und Nachbarn - da kann ich nicht schweigen. Für ihn, für uns und unsere Kinder wünschen wir ein gesundes, fortschrittliches Welzheim. Deshalb ja zum Mobilfunk-Vorsorgekonzept!“

Seit Ende April beziehungsweise Anfang Mai gab es zunächst die ersten Stimmen in Breitenfürst, die sich gegen den Bau des Mobilfunkturms aussprachen. Schnell entwickelte sich eine Bürgerinitiative im Teilort von Welzheim, die jedoch zu lange anonym blieb.

Denn der Standpunkt der Bürgerinitiative aus Breitenfürst – insgesamt 269 Einwohner von 809 aus Breitenfürst wünschen sich eine andere Lösung als den Bau eines 30 Meter hohen Funkturms für ein besseres Mobilfunknetz – wurde vor dem

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper