Rems-Murr-Kreis

Corona als Chance sehen – Als Tontechniker und Produzent ohne Live-Veranstaltungen

Konzert Veranstaltung Live
Symbolbild. © pixabay.com

Für die Eventbranche bedeutet Corona, dass sämtliche Veranstaltungen abgesagt, verschoben, gestrichen oder Einrichtungen geschlossen werden mussten. Konzerte und Festivals fanden gar nicht mehr statt. Mittlerweile hat sich die Lage in Baden-Württemberg erneut geändert. Clubs und Diskotheken beispielsweise dürfen wieder öffnen, Festivals und Konzerte finden nur unter bestimmten Auflagen statt.

Der Alltag vor und nach Corona

Dass Veranstaltungen dieser Art jetzt wieder möglich sind, ist noch schwer vorstellbar. Daran war lange Zeit nicht zu denken. Die einen mussten sich in Verzicht üben, andere erst einmal umdenken, weil sie in dieser Branche ihren Lebensunterhalt verdienen. So auch Mario Simic, 28 Jahre alt, aus Stuttgart. Er arbeitet als Produzent und Tontechniker, Live-Veranstaltungen gehören zu seiner hauptsächlichen Arbeit – zumindest vor Corona. Seit der Pandemie arbeitet er mehr denn je im Ton-Studio.

Vor der Krise hat Mario zwar auch mit Künstlern im Ton-Studio aufgenommen und Musik gemischt beziehungsweise gemixt, wie man das in der Fachsprache nennt, aber die Live-Veranstaltungen haben deutlich überwogen. Der Rest lief halt so nebenher mit, erzählt er. „Ich mache das schon sehr lange, grundsätzlich erst einmal hobbymäßig, dann habe ich es studiert und jetzt bin ich seit 2016 selbstständig und verdiene mein Geld damit.“ Der Alltag des 28-Jährigen vor Corona sah ungefähr so aus: „Ich bin aufgestanden und innerhalb Deutschlands oder Europas irgendwohin gefahren und war dort bei einer Show.“ Natürlich gab es zwischendrin auch freie Tage. Insgesamt war sein Alltag aber durch das viele Unterwegs-Sein geprägt. 

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Vorsicht ist besser als Nachsicht

Das hat sich dann auf einen Schlag geändert: Mario ist froh darüber, dass er regelmäßig und wann immer er möchte im Tonstudio „dropD“ in Waiblingen aufnehmen kann. „Den Besitzern habe ich auf jeden Fall viel zu verdanken“. Die Arbeit im Studio habe sich seit Corona aber nicht groß verändert. Natürlich gebe es auch Bands, die vorsichtiger sind. Und bei einer Aufnahme kann es auch mal vorkommen, dass fünf Personen gleichzeitig im Studio seien. „Coronamäßig ist das gar nicht so schlimm, weil jede Person in einem anderen Raum sitzt. Am Ende vom Tag trifft man sich aber doch zusammen mit der Regie und muss die Corona-Maßnahmen beachten, was natürlich selbstverständlich ist.“

Über den Winter gab es dann doch eine lange Pause. Vielen war ein Treffen zu riskant, obwohl es sogar erlaubt gewesen wäre: „Die Tonstudios waren zu keiner Zeit geschlossen“, erzählt Mario. Viel lüften gehört aber zum Beispiel bei der Arbeit im Tonstudio sowieso dazu, deswegen ist dahingehend auch alles beim Alten geblieben: „Das hat man davor auch gemacht, weil die Geräte hier schnell warm werden.“

„Mit einem Anruf waren alle Termine abgesagt“

Die ersten drei Wochen von Corona hat Mario gar nicht gearbeitet: „Das lag daran, dass ich mich erst einmal umorientieren musste.“ Der Produzent und Tontechniker war für das Jahr 2020 schon ausgebucht. Mit einem Anruf waren alle Termine für das ganze Jahr abgesagt. Es standen noch Touren für November und Dezember 2020 an, die erst einmal bestehen blieben. Man sei davon ausgegangen, dass bis dahin wieder alles gut ist und Konzerte ganz normal stattfinden können.

Laut einer Studie des Online-Portals Statista von März 2021 erlebte der Markt speziell für Live-Musik einen Einbruch der Umsatzzahlen. Die Umsatzerlöse durch Ticketverkäufe fielen dieses Jahr auf 566 Millionen. Zum Vergleich: 2019 lag dieser Wert bei über 1,61 Milliarden Euro.

Jede Sekunde effizient nutzen

„Kurz war es ein komisches Gefühl, dass durch Corona alles abgesagt wurde. Aber das hat sich bei mir recht schnell gelegt“, erzählt der 28-Jährige. Während der Pandemie hatte er nie mit Existenzängsten zu kämpfen und kann auch viel Positives aus der Zeit ziehen: „Die Künstler und Künstlerinnen waren heiß aufs Studio und hatten plötzlich viel Zeit, um aufzunehmen. Außerdem wollte ich schon sehr lange in der ganzen Studiogeschichte vorankommen und mehr Platten produzieren.“ Eine Produktion braucht sehr viel Aufmerksamkeit und Ausdauer. Wenn man nur zwei Tage in der Woche Zeit habe, dann könne man nicht an einem Album arbeiten, klärt Mario auf. „Das habe ich auch als Chance gesehen und jede Sekunde ausgenutzt. Das war sehr cool.“

Mittlerweile ist er wieder auf Tour und hat innerhalb einer kurzen Zeit bereits 30 Shows betreut. "Das läuft alles gleichzeitig mit den Studioprojekten, die natürlich noch fertiggestellt wurden. Es ging aber alles etwas schnell und es wurde doch unerwartet viel." Konzerte seien noch etwas seltsam, meint er. Woran es liegt, kann er nicht genau sagen. Ob an der Angst, Tickets zu kaufen, der geringen Lust während eines Konzerts, eine Maske tragen zu müssen oder den Abend sitzend zu verbringen. "Spannend, was sich da noch entwickeln wird."