Rems-Murr-Kreis

Keinesfalls anpusten: Was Wespen aggressiv macht und wie man sie vertreibt

Wespe Wespen
Symbolfoto. © pixabay.com/congerdesign

Isst man im Sommer draußen, sind auch Wespen nicht weit. Die Stiche der Insekten schmerzen nicht nur. Für Allergiker können sie sogar gefährlich werden. Doch wie kann man Kinder vor Wespenstichen schützen? Wir haben einen Exerten gefragt.

Wie verhindert man Wespenstiche?

"Gelassenheit ist im Umgang mit Wespen das Allerwichtigste", sagt Bruno Lorinser, der seit fast 40 Jahren als Erster Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) in Waiblingen tätig ist. Anstatt sich über die vielen Wespen zu beschweren, sollte man lieber dankbar sein, so seine Devise. "Das Insektensterben findet in weitaus größerem Ausmaß statt, als es die Öffentlichkeit wahrnimmt. Wespen sind wichtig für die Natur. Wenn sie nicht mehr sind, hätten wir dramatische Probleme." Ein Stich sei zwar unangenehm, aber in der Regel harmlos und durch einige Vorsichtsmaßnahmen zu umgehen. "Wespen stechen nicht einfach so, sondern ausschließlich dann, wenn sie sich bedroht fühlen", so Lorinser.

Wie geht man mit Wespen richtig um?

Gelassen im Umgang mit Wespen bedeutet vor allem: ruhig bleiben, nicht nach den Wespen schlagen und sie keinesfalls anpusten. "Das Kohlendioxid in der Atemluft mögen Wespen überhaupt nicht", sagt Lorinser. Das macht sie aggressiv. Der Mensch müsse sich klarmachen: Die Wespen seien im Sommer einige wenige Monate aktiv und "sie interessierten sich nicht für den Menschen", sondern für seine Nahrung. "Da geht es um Gelassenheit und friedliches Zusammenleben." Das könne man auch Kindern vermitteln.

Wespen lieben Süßes. Während Grillfleisch zur Aufzucht der Brut genutzt wird, dienen Kuchen, Eis und Saft der eigenen Versorgung. Deshalb Nahrungsmittel im Freien konsequent abdecken. Reste sofort wegräumen. Nach dem Essen den Kindern den Mund gründlich abwischen. Obst rechtzeitig abernten und aufsammeln, am besten an Regentagen oder in den Abendstunden.

Von Wespennestern sollte man sich wirklich fernhalten. "Die werden verteidigt", sagt Lorinser. "Ich stand jüngst versehentlich auf dem Einflugloch eines Wespennestes und wurde etwa 15-mal gestochen." Unangenehm, aber mehr auch nicht, so sein Fazit. Alarm schlagen sollte man aber, wenn ein Mensch, besonders ein Kind, in den Mund gestochen wird. "Das ist brenzlig", so Lorinser.

Wie gefährlich sind Wespenstiche in Mund und Rachen?

Wespen- oder Bienenstiche im Mund oder Rachen können auch für Nicht-Allergiker lebensgefährlich sein, weil die Schwellung so stark werden kann, dass sie die Atmung behindert. Auch in diesem Fall ist sofort ein Notarzt zu verständigen. Bis zu seinem Eintreffen sollte der Hals mit kühlen Umschlägen versorgt werden. Ebenso hilft das Lutschen von Eiswürfeln, um die Schwellung zu reduzieren. Insektenstiche in der Augengegend sollten vorsichtshalber ebenfalls von einer Ärztin oder einem Arzt untersucht werden.

Gibt es 2022 besonders viele Wespen? Wann sind die Wespen aktiv?

Der Eindruck, dass es im Sommer 2022 besonders viele Wespen gäbe - verschiedene Medien berichteten unter anderem vom sogenannten "Wespensommer" - ist aus Lorinsers Sicht irreführend. "Das ist eher der subjektive Eindruck. Gerade ist eben die Wespen-Hochsaison. Die Tiere haben ihre Populationsgröße erreicht und fliegen aus. "Wespen sind wechselwarme Tiere, wenn es warm wird, sind sie aktiv", erklärt er. Das Klima sei in diesem Jahr für Wespen und andere Insekten aber günstig. Durch das warme und trockene Frühjahr konnten sich nach Angaben von Tierschützern viele junge Königinnen mit ihren Nestern ausbreiten.

Was haben Wespen für einen Nutzen?

"Wenn es keine Wespen mehr gäbe, wäre für uns Menschen Großalarm angesagt", sagt Lorinser. Die gelb-schwarzen Tiere seien unverzichtbar für das ökologische Gleichgewicht. Unter anderem leisteten sie einen Beitrag zur Bestäubung und damit auch zu unserer Obsternte und zudem wertvolle Dienste als Gesundheitspolizei - da sie kleinere Insekten fräßen und deren Leichen abtransportierten. Lorinser: "Wer ein Wespennest vor dem Fenster hat, kann sich einerseits ärgern, andererseits aber auch freuen, weil er dann vielleicht nicht so viele Stechmücken in seiner Wohnung hat."

Wespen stehen zudem unter Naturschutz. Es ist weder erlaubt, sie ohne besonderen Grund zu töten, noch darf man ein Wespennest einfach so entfernen. "Mich rufen derzeit immer wieder Bürger an, um sich wegen der Entfernung eines Wespennests beraten zu lassen", berichtet Lorinser. Dann suche er mit dem Gesprächspartner nach Lösungen. "Eine Frau störte sich daran, dass die Wespen durch einen undichten Rollladenkasten in die Wohnung krabbelten. Ein Klebeband war eine ganz einfache Lösung." Zudem: "Wespen sterben im Herbst und beziehen ihre Nester meistens keine zweite Saison. Meistens muss man nur ein paar Monate Geduld aufbringen. Spätestens Anfang November hat man ohnehin seine Ruhe."

Bevor man das Nest beseitigen lässt, muss man nach Angaben des Nabu Baden-Württemberg immer eine naturschutzorientierte Fachperson, etwa eine ehrenamtliche Fachberatung, fragen, wie ein Miteinander von Mensch und Wespenstaat möglich ist. Eine Umsiedlung kann erfolgen, wenn dringende Gründe vorliegen, etwa eine allergische Person im Haus wohnt. Dafür ist eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt erforderlich. Bei Nestern im Rollladenkasten gilt: einen Einflugschutz, etwa ein Fliegengitter, an Fenstern anbringen.

Was hilft, wenn die Wespen zu aufdringlich werden?

"Regen mögen Wespen nicht", erklärt Lorinser. Daher könne es durchaus hilfreich sein, eine sich nähernde Wespe mit einer mit Wasser gefüllten Sprühflasche einzunebeln.

Dann denken sie, es regnet, und fliegen zurück in ihr Nest. Allerdings sollte man nicht zu stark sprühen. Sonst müssen die Tiere erst einmal landen, um ihre Flügel zu trocknen, und können nicht sofort wegfliegen. "Außerdem könnte es natürlich sein, dass sich die Wespe bedroht fühlt und sticht."

Von Ratschlägen wie einem zusammengeknüllten Papier, das Wespen als Nestattrappe verscheuchen soll, hält er indes wenig: "Das ist Humbug und hilft wirklich nicht."
Man könne Wespen aber durchaus einen alternativen Futterplatz mit Weintrauben oder anderen Leckereien anbieten und hoffen, dass sie diesen anfliegen anstatt des eigenen Kaffeetisches. "Wichtig ist, dass diese Futterstelle dann aber immer bestückt ist, dann sind die Chancen auch gut, dass sie angenommen wird." Also nicht erst füttern, wenn der Grill angeworfen wurde oder der Kaffeetisch gedeckt ist.
Wer den Wespen ansonsten etwas Gutes tun möchte, kann ihnen eine Wasserstelle aufbauen. Denn "Wespen benötigen viel Wasser, nicht nur zum Trinken, sondern um ihre Nester durch die Verdunstung zu kühlen".

Darf man Wespen töten?

Wespen und ihre Nester sind durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Hornissen gelten sogar als besonders geschützt. Wespen am Haus sind Gäste auf Zeit. Im August erreicht das Volk seine volle Größe, die meisten Wespenvölker sterben aber zum Ende des Monats, nur die jungen Königinnen überwintern an geschützter Stelle und gründen im Frühjahr ein neues Volk. So lange sollte man die Tiere und ihr Nest möglichst dulden. Das Töten ohne Grund ist nicht erlaubt. In Baden-Württemberg drohen laut Bußgeld-Katalog sogar Strafen von bis zu 15.000 Euro.

Isst man im Sommer draußen, sind auch Wespen nicht weit. Die Stiche der Insekten schmerzen nicht nur. Für Allergiker können sie sogar gefährlich werden. Doch wie kann man Kinder vor Wespenstichen schützen? Wir haben einen Exerten gefragt.

Wie verhindert man Wespenstiche?

"Gelassenheit ist im Umgang mit Wespen das Allerwichtigste", sagt Bruno Lorinser, der seit fast 40 Jahren als Erster Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) in Waiblingen tätig ist. Anstatt sich über die

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