Rems-Murr-Kreis

Manuel Hagel oder Cem Özdemir? Run auf Tickets fürs ZVW-Fernduell zur MP-Frage

Cem Özdemir: Montag, 19. Januar, 19 Uhr, Schorndorf.
Cem Özdemir: Montag, 19. Januar, 19 Uhr, Schorndorf. © Gabriel Habermann

Rems-Murr-Kreis. Manuel Hagel oder Cem Özdemir, wer wird unser nächster Ministerpräsident? Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es nach dem 8. März entweder eine schwarz-grüne oder eine grün-schwarze Regierung geben. Deshalb widmet der Zeitungsverlag Waiblingen im Januar beiden Kandidaten einen großen öffentlichen Abend. Aber Achtung: Es gibt nur noch wenige Restkarten.

Manuel Hagel: Mittwoch, 21. Januar, 19 Uhr, Waiblingen.
Manuel Hagel: Mittwoch, 21. Januar, 19 Uhr, Waiblingen. © Alexandra Palmizi

Hagel oder Özdemir? Das Format

„Das ZVW-Fernduell“: So heißt das Format, in dem wir die beiden Bewerber, jeden für sich in einer Großveranstaltung, präsentieren: Cem Özdemir am Montag, 19. Januar, um 19 Uhr in der Barbara-Künkelin-Halle Schorndorf; Manuel Hagel am Mittwoch, 21. Januar, um 19 Uhr im Bürgerzentrum Waiblingen. An beiden Abenden stellt ZVW-Chefredakteur Frank Nipkau die Fragen, Comedian Christoph Sonntag liefert ein kabarettistisches Intro.

Hagel und Özdemir: Die Tickets

Der Eintritt ist an beiden Abenden frei, aber Zugang gibt es nur mit Ticket:

  • Die Schorndorfer Veranstaltung am 19. Januar mit Cem Özdemir ist im Prinzip bereits ausgebucht. Wer bislang kein Ticket hat, kann versuchen, via www.zvw-shop.de/wahlforum noch eines zu ergattern; da bereits gebuchte Karten bisweilen wieder zurückgegeben werden, tut sich kurzfristig wohl noch die eine oder andere Möglichkeit auf. Riesige Hoffnungen können wir ehrlicherweise allerdings nicht machen.
  • Die eigentlich vorgesehenen 750 Plätze sind auch im Fall des Waiblinger Termins mit Manuel Hagel am 21. Januar bereits vergeben. Allerdings gibt es im Bürgerzentrum die Möglichkeit einer Saalerweiterung, sodass wir ein Zusatzkontingent anbieten können. Via www.zvw-shop.de/wahlforum können Sie noch bis Donnerstag, 15. Januar, 15 Uhr eine Karte bestellen.

Hagel oder Özdemir? Die Chancen

„Mein Name ist Cem Özdemir. Sie kennen mich.“ So eröffnete der Kandidat sein Vorwort zum grünen Landtagswahlprogramm. „Sie kennen mich!“ Mit diesem Satz bestritt Angela Merkel 2013 ihren Bundestagswahlkampf. „Sie kennen mich“: Das war ein Plakat-Slogan Winfried Kretschmanns 2021. Özdemir setzt auf den Personality-Faktor, er ist den Leuten seit Jahrzehnten vertraut. Bei den persönlichen Beliebtheitswerten liegt er Umfragen zufolge klar vor Hagel. Eine Landtagswahl ist aber keine Persönlichkeitswahl. Den Ministerpräsidenten wird nach dem 8. März die stärkere Partei stellen. Und in Sonntagsfragen zur BW-Wahl landete die CDU von Februar bis Oktober 2025 zuverlässig zwischen 29 und 31 Prozent, während die Grünen nie über 20 hinauskamen. Insofern: Hagel ist der Favorit.

Hagel, Özdemir und die Heimat

Für mich bedeutet Heimat vor allem Geborgenheit, die Aussicht auf ein gutes Leben. Baden-Württemberg wird von seinen Menschen geprägt. Von Ihnen allen. Nirgendwo sonst in Deutschland sind Schaffigkeit, Erfindergeist und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, so gegenwärtig und selbstverständlich wie bei uns.“ Hagel oder Özdemir - wer hat’s gesagt beziehungsweise geschrieben? Falls Sie zaudern, hätten wir noch eine Frage. „Hallo Heimat! Ich glaub‘ an dich! Zusammen können wir viel erreichen. Lasst uns gemeinsam unser tolles Land nach vorn bringen. In einer Bewegung, die das Beste für die Menschen schafft. Denn wir können alles. Vor allem Zukunft!“ Von wem ist das?

Zitat 1 stammt von Özdemir, Zitat 2 von Hagel, aber es könnte genauso gut umgekehrt sein. Beide versuchen, mit ähnlichen Stilmitteln zu punkten: Heimatverbundenheit und Zupackermut. Dramatische inhaltliche Unterschiede haben sie bislang nicht herausgearbeitet.

Was fällt bei Cem Özdemir auf?

Cem Özdemir, 60, fährt bislang keinesfalls einen prononciert grünen Kurs. Beispiele gefällig? „ Sprech- und Denkverbote gibt es für mich nicht“: So nimmt er Leuten, die ihm einen Kulturkampf um Political Correctness ans Bein binden wollen, den Wind aus den Segeln. Und in der E-Mobilität sieht er zwar die Zukunft, aber als glühender Verteidiger des Verbots neuer Verbrenner ab 2035 hat er sich bislang nicht hervorgetan. Stattdessen betont er: „Ich werde alles dafür tun, damit das Auto der Zukunft in Untertürkheim, Zuffenhausen, Rastatt und Neckarsulm vom Band läuft.“ Die Mobilitätswende verkauft er nicht als klima-ethische Verpflichtung, sondern als wirtschaftlichen Imperativ: „Wir müssen den Wettbewerb um das emissionsfreie, digitale Auto von morgen gewinnen. In diesem Wettbewerb wird uns nichts geschenkt.“ Botschaft: Ich bin kein Ideologe, ich bin Pragmatiker.

Was fällt bei Manuel Hagel auf?

Auch Manuel Hagel, 37, macht nicht auf Polarisierer. Neulich im Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit erklärte er: „Wir brauchen keine enge CDU. Wir sind eine freundliche und den Menschen zugewandte bürgerliche Volkspartei“, eine „Kraft der Mitte, die in all der lauten Hektik beruhigend wirkt“, und „Kompromissfähigkeit müssen wir als Stärke begreifen, sie gehört schon immer zum Wesenskern der CDU.“ Im Zeit-Gespräch teilte Hagel nur en passant ein bisschen - fast mag man sagen: pflichtschuldig - gegen die Grünen aus: „Der ewig erhobene moralische Zeigefinger, das Belehrende, dieser ständige Drang, den Menschen vorzuschreiben, wie sie zu reden, zu heizen, zu fahren, zu leben haben - das hat zu einem enormen Überdruss in der Gesellschaft geführt.“ Diesen Vorwurf aber adressierte er explizit an die „Berliner Grünen“; womit er implizit die Kretschmann-Ökos verschonte.

Özdemir oder Hagel - wer dreht auf?

Absehbar wird weder Özdemir in Schorndorf noch Hagel in Waiblingen plötzlich sein Heil in Krawumms-Rhetorik  suchen; spannend könnte es bei den Zwischentönen werden. Wird Özdemir, der ja einen Rückstand aufzuholen hat, weiterhin das „Sie kennen mich“ ausbuchstabieren oder doch auch programmatisch stärker aufdrehen? Wird Hagel - im Wissen, dass er vorne liegt - weiterhin vor allem versuchen, Fehler zu vermeiden, um nicht versehentlich eine unkontrollierbare Dynamik zu entfachen? Oder deutlicher als bisher herauspräparieren, was ihn von Özdemir unterscheidet?

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