Rems-Murr-Kreis

Sind gebrauchte Kinderschuhe okay? Ein Kinder-Orthopäde aus Weinstadt gibt Tipps

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Symbolfoto. © pixabay.com/distelAPPArath

Wenn Kinderfüße nach oben gebogen sind oder einen Knick machen, muss das nichts Schlimmes bedeuten. Auch X- oder O-Beine in den ersten Lebensjahren sind meistens normal. Dr. Klaus Schatton war jahrzehntelang der einzige Kinderorthopäde im Rems-Murr-Kreis und praktizierte in Weinstadt. Er warnt vor vorschnellen Eingriffen und rät Eltern zu Gelassenheit.

Herr Dr. Schatton, was sollten Eltern von Kleinkindern besonders beachten, wenn es um die Füße ihres kleinen Nachwuchses geht?

Wichtig ist mir vor allem, dass nicht zu viel gemacht wird. Kinderfüße sollten sich frei entwickeln können, damit die Knochen, Sehnen und Muskeln stark werden. In den ersten Lebensjahren muss sich das Skelett noch verfestigen. Barfuß laufen und toben sind da unterstützend. Es ist oft nicht hilfreich, gleich Einlagen zu verschreiben. Auch übertriebene Gymnastikverordnungen sind kontraproduktiv, weil das Kind dann im Zweifel keine Lust mehr auf Gymnastik hat, wenn es wirklich einmal nötig sein sollte. Eltern sollten gelassen bleiben und im Zweifel einen Kinderorthopäden um Rat fragen, wenn sie Zweifel an einer Verordnung haben oder unsicher sind.

Wie viele Babys haben schon bei ihrer Geburt eine Fehlstellung?

Die meisten Säuglinge kommen mit gesunden, funktionstüchtigen Füßen und Beinen auf die Welt. Doch die Optik der Füße muss nicht immer der Normvorstellung entsprechen. Auch die Lage des Embryos im Mutterleib kann zu Verformungen führen, die sich nach der Geburt schnell selbst auswachsen. Etwa bei sogenannten Hackenfüßen, bei denen der Fuß nach oben abgeknickt und die Fußsohle nach außen gerichtet ist. Zudem kamen viele Eltern in die Praxis, weil sie vermuteten, ihr Kind habe einen Knickfuß, dabei verdeckte nur der Babyspeck den Blick auf das eigentliche Knochengerüst. 

Wenn Kinder krabbeln und laufen lernen, sieht das ja oft sehr merkwürdig aus. Was ist normal und was nicht?

Nahezu alle Babys kommen mit O-Beinen auf die Welt. Mit zwei Jahren laufen dann wiederum viele Kinder x-beinig, weil sie erst ihr Gleichgewicht finden müssen und die Beine sich ja erst gestreckt haben. Das kann man sich vorstellen wie beim Ski-Anfängerkurs. Da sucht man anfangs verzweifelt nach Halt und erst wenn man sich sicher ist, hält man auch die Beine wieder gerade und die Knie locker.

Ab welchem Alter benötigen Kleinkinder Schuhe?

Sobald ein Kind laufen lernt, also in der Regel zwischen einem Alter von neun Monaten und zwei Jahren, ist es Zeit für das erste Paar Schuhe. Zumindest sobald das Kind außerhalb der Wohnung unterwegs ist. Drinnen sind auch Stoppersocken in Ordnung.

Worauf müssen Eltern beim Schuhkauf achten?

Der Fuß des Kindes entwickelt sich noch und darf in seinem Wachstum nicht behindert werden. Daher ist es wichtig, den Kindern keine bereits abgetragenen Schuhe zu vererben. Denn jeder Fuß wächst anders und sollte nicht durch einen abgelaufenen Schuh in eine bestimmte Richtung geformt werden. Schuhe für Kinder sollten vor dem Kauf immer anprobiert werden und aus einem leichten, biegsamen und weichen Material bestehen. Zu starre Sohlen sind nicht empfehlenswert - auch bei älteren Kindern nicht. Wichtig ist die sogenannte „Drei-Weiten-Regel“, also genug Platz in der Höhe, Breite und Länge. Die Zehen dürfen vorne nicht eingeengt werden und brauchen etwa 1,5 Zentimeter Platz. Das Material sollte nachgeben, damit es sich dem Fuß optimal anpassen kann. Dabei sollte aber der Rückfuß stabil geführt werden. Am besten den Kinderfuß zum Abgleich an die Schuhsohle halten. Zu groß darf der Schuh auch nicht sein, sonst finden die Kleinkinder keinen Halt und werden beim Laufenlernen zusätzlich behindert. 

Wasserdichte Winterstiefel kosten im Schuhladen inzwischen über 100 Euro - müssen Schuhe immer neu gekauft werden? 

Je kleiner das Kind, desto eher sind auch gebrauchte Schuhe in Ordnung. Das liegt auch daran, dass Kleinkinder sich noch nicht so viel bewegen wie beispielsweise ein sechsjähriges Kind und die Füße noch schnell wachsen, so dass die ersten Schuhe in der Regel nur über einen Zeitraum von höchstens drei Monaten getragen werden. Gebrauchte Schuhe in einem akzeptablen Zustand, die ein gutes Profil haben und den Kinderfuß nicht in eine falsche Richtung formen, sind in Ordnung. 

Wann sind Einlagen für Kinder sinnvoll?

Ich habe Kindern nur Einlagen verschrieben, wenn sie über Schmerzen klagten und ich anhand meiner Untersuchungen eine Fehlstellung erkannt habe. Die Einlagen sollten dann auch nicht die Muskelentwicklung des Fußes entlasten. Meistens treten die ernsten Probleme jedoch erst in der Pubertät auf, wenn infolge eines Bewegungsmangels die Fußmuskulatur verkümmert. Dann habe ich es nicht nur mit Fußproblemen, sondern mit schlimmen Rückenschmerzen und regelrechten Büro-Wirbelsäulen zu tun. Einlagen und Gymnastik sind dann leider häufig unvermeidbar. Kleinere Kinder bewegen sich meistens noch genug. 

Wenn Kinderfüße nach oben gebogen sind oder einen Knick machen, muss das nichts Schlimmes bedeuten. Auch X- oder O-Beine in den ersten Lebensjahren sind meistens normal. Dr. Klaus Schatton war jahrzehntelang der einzige Kinderorthopäde im Rems-Murr-Kreis und praktizierte in Weinstadt. Er warnt vor vorschnellen Eingriffen und rät Eltern zu Gelassenheit.

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Herr Dr. Schatton, was sollten Eltern von Kleinkindern besonders beachten, wenn es um die Füße ihres

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