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Kunst und Kultur in Bad Cannstatt: Was das Current Festival verändern möchte

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Laura Bernhardt (links) und Natalia Sartori (rechts) im Festivalkiosk des Current-Festivals. © ZVW

Unter dem Motto "Unruhe bewahren" geht das Current-Festival bereits in die zweite Runde. Das Festival erstreckt sich dabei über den gesamten Stadtteil Bad Cannstatt und integriert Kunst in den Alltag der Passanten und Passantinnen. Was das Festival langfristig damit anstrebt, lesen Sie hier.

Neue Zielgruppe: Kunst soll alle erreichen

Für Kunst im öffentlichen Raum ist es laut Laura Bernhardt (künstlerische Leitung des Festivals) schwer, eine klare Zielgruppe zu definieren. Schließlich spricht sie die Menschen direkt vor ihrer Haustüre, vor dem Supermarkt oder der U-Bahn-Haltestelle an. Das Publikum, so Laura Bernhardt, sei divers und unspezifisch: Kunst wird hier zufällig erlebt. Das Festival legt deshalb Wert auf ein breitgefächertes Angebot. Während Ausstellungen auf dem Wilhelmsplatz, der Baugrube neben der Marktstraße und dem Quartiersplatz vor dem Stadtarchiv gezielt Passanten und Passsantinnen mit Kunst konfrontieren sollen, adressieren andere Programmpunkte das künstlerische Fachpublikum.

Kunst soll alle ansprechen, aber nicht allen gefallen, so der Ansporn von Laura Bernhardt und Natalia Sartori (Programm- und Kommunikationsleitung des Festivals). Die Besonderheit dabei: "Kunst im öffentlichem Raum hat keine Schwelle, vermittelt sich unmittelbar, tritt in Interaktion," so Laura Bernhardt. Im Rahmen des Festivals wird auch der digitale Raum Bad Cannstatts einbezogen. Ziel des Zusammenspiels aus Realtiät und Digitalität: Aufzeigen, wie auch unser Umgang mit Technologien das Stadtbild prägt.

Pressefoto Current Festival
Die Installation "Kestutis Svirnelis" besteht aus luftbefüllten Zylindern. Bis zum 24.09. steht sie in der Baugrube neben der Marktstraße. © Luzie Marquardt

Warum findet das Kunst und Kultur Festival "Current" in Bad Cannstatt statt?

Die aktuelle Auflage des Current-Festivals beschränkt sich auf Bad Cannstatt. Laut Laura Bernhardt zahlt sich der Ortsbezug aus: Bad Cannstatt verfüge über unterschiedliche Themen, "von Industrie bis Wasen". Laura Bernhardt findet an Bad Cannstatt nicht nur die städtische, sondern auch die soziale Struktur spannend. Sie bezeichnet Cannstatt als den "gemischtesten Stadtteil Stuttgarts".

Zudem befände sich der Stadtbezirk in einem konstanten Transformationsprozess - hier wolle das Festival angreifen. Der Kontrast zwischen alt und neu zeichne Bad Cannstatt aus, so Laura Bernhardt. Genau deshalb sollte Kunst hier ein gestaltender Teil werden, so die künstlerische Leitung. Dazu passt auch das Motto des diesjährigen Festivals: "Unruhe bewahren" beschreibt die Aufgabe "Unruhe als Signal zu verstehen, das uns voranbringt, und den Status Quo zu reflektieren", so Laura Bernhardt. Sie und Natalia Sartori verstehen Kunst als Ort der Begegnung und des gesellschaftlichen Austauschs, Deshalb legen sie besonders Wert auf die Partizipation von Kunst im Stadtgeschehen.

Kunst-Installation des "Current"-Festivals wurde beschädigt und geklaut

Um Passanten und Passantinnen nicht nur anzusprechen, sondern auch mit ihnen in Interaktion zu treten, sollen verschiedene Programmpunkte des Festivals diese bewusst herausfordern. Der offene Abend "Cannstatt erzählt" des Kulturkabinetts habe so im Rahmen des Current-Festivals erstmals auf der Marktstraße, mitten im Zentrum des Stadtteils, stattgefunden und damit eine ganz neue Zielgruppe erreicht.

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Die Kunstwerke aus recyceltem Plastik am Wilhelmsplatz wurden zerstört und teilweise gestohlen. © ZVW

Ähnlich verlief es auch bei den Kinder-Workshops, bei denen die Partizipation laut Laura Bernhardt und Natalia Sartori bisher besonders hoch war. Einige Kinder wären zum Bastel-Workshop "Mobiles Atelier" angemeldet gewesen, der in der ehemaligen Schwaben-Bräu Passage und somit in unmittelbarer Nähe zum Bad Cannstatter Bahnhof stattgefunden hat. Viele Kinder seien dann spontan dazugekommen, weil sie den Workshop direkt mitbekommen hätten. Auch Sprachbarrieren hätten bei den Kindern keine Rolle gespielt, betont Natalia Sartori glücklich. Gerade hier wäre aufgefallen, dass die Hemmschwelle gegenüber Kulturangeboten gefallen sei und das Projekt "Menschen mit eingezogen hat, die vorher nicht vom Festival erfahren hatten", ergänzt Laura Bernhardt. 

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Die Ausstellung "Good To Know X" soll Menschen vor dem Stadtarchiv positive Fakten mitgeben. Allerdings sieht wurde auch diese, wie auf dem Foto erkennbar, beschädigt. © Clara Eisenreich

Obwohl die Menschen das Projekt bisher positiv auffassen und die Partizipation hoch sei, berichten Laura Bernhardt und Natalia Sartori auch von den negativen Seiten: Die Installationen "Stadt der Performance, Nature of Plastic" am Wilhelmsplatz, die in gemeinsamer Projektarbeit mit der Staatlichen Hochschule HMDK Stuttgart entstanden ist, sei beschädigt und teilweise gestohlen worden.

Förderung des Current-Festivals für Kunst und Kultur

Damit ein solches Festival stattfinden kann, braucht es vor allem finanzielle Ressourcen. Mit dem neuen Förderprogramm "Kunst im öffentlichen Raum" unterstütze sie die Stadt Stuttgart finanziell. Laut der Stadt Stuttgart zielt die Förderung darauf ab, künstlerische und kulturelle Angebote in das Stadtbild zu integrieren. Dabei soll Kunst für die Bevölkerung erlebbarer und erfahrbarer werden. Das Förderprogramm möchte deshalb den Ausbau von zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum ausbauen und zielt besonders auf interdisziplinäre Projekte - wie es das Current Festival mit seinen verschiedenen Programmpunkten ist.

Kann diese Veränderung anhalten?

"Kunst im öffentlichen Raum hat keine Schwelle, vermittelt sich unmittelbar und tritt in Interaktion", so Laura Bernhardt. Damit diese Schwelle niedriger wird, "müssen sich die Institutionen hinterfragen und verändern", antwortet sie auf die Frage, wie Kunst in der Öffentlichkeit präsenter werden kann.

Das Festival sieht sich selbst in einer "kulturpolitischen Aufgabe", so Laura Bernhardt. Als sie die Idee für das Festival hatte, war es ihr wichtig, eine kulturpolitische Botschaft weiterzutragen: "Mir ging es darum, für den Bereich Kunst und öffentlicher Raum ein Projekt umzusetzen." Daraufhin gründete Laura Bernhardt 2020 das Festival Current - Kunst und urbaner Raum und ging 2021 in die erste Runde. Im Vordergrund steht und stand für sie immer der Diskurs. Ihre Vision: "ausprobieren, sichtbar machen und Kunst über Projekte vermitteln". Um Kunst ohne finanzielle oder gesellschaftliche Hürden bereitzustellen, wünscht sie sich mehr Fördermöglichkeiten in Deutschland. Schließlich verändern sich nicht nur die öffentlichen Räume, sondern mit ihnen auch die künstlerische Praxis, so Laura Bernhardt.

Die Fördermittel der Stadt Stuttgart unterstützen Current noch bis 2025. Geplant ist deshalb ein weiteres Festival - mit neuem Namen und neuem Veranstaltungsort im Jahr 2025. Nach dem diesjährigen Festival wird es außerdem, wie auch bereits 2021, ein Magazin geben, dass das Projekt in Retrospektive zeigt und Anreize zum Zusammenspiel von Kunst und Stadtentwicklung geben soll.

Mehr Informationen zum Current Festival 2023

Die zweite Ausgabe des Current Festivals "Unruhe bewahren!" läuft noch bis Sonntag (24.09.). Mit rund 80 Programmpunkten, (unter anderem Installationen, Performances, Pop-Up Stores und Workshops) lädt das Festival dazu ein, Bad Cannstatt zu erkunden,so das Editorial. Es thematisiert dabei sowohl den Wandel der Innenstädte als auch den Einfluss digitaler Technologien auf den öffentlichen Raum und sucht nach (Un)Ordnung und Störung im urbanen Raum. Das Programm und mehr Infos zum Festival finden Sie auf der Homepage.

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