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Schmeckt Bier aus dem Glas besser? Wie kühl sollte es sein? Expertin antwortet

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Diese Gläser verwendet Vanessa Pantoudis bei Tastings in ihrem Laden "hop around the world". Aber ist das Gefäß überhaupt wichtig? © ZVW/Alexander Roth

Bier hat in den letzten Jahren einen Image-Wandel vollzogen. Immer mehr Menschen interessieren sich für Bierkultur, wollen genießen und ausprobieren, statt sich zu betrinken. Aber wie geht das? Was bedeutet eigentlich „Craft Beer“? Trinke ich aus der Flasche oder doch lieber dem Glas? Und bei welcher Temperatur schmeckt Bier am besten? Vanessa Pantoudis, Bierexpertin und Inhaberin des „hop around the world“ in Ludwigsburg, gibt Antworten und Tipps.

Die Expertin: Ausbildung an der Bier-Akademie in Bamberg

Vanessa Pantoudis (32) ist International Beer Sommelière und Qualified Beer Judge, ihre Ausbildung hat sie an der Deutschen Bier-Akademie in Bamberg absolviert. In ihrem Laden bietet sie über 200 Biersorten aus verschiedenen Länder an, von der regionalen Brauerei bis zur Spezialität aus Übersee. Sprich: Sie kennt sich aus mit Bier.

„Beim Bier trinken gibt es kein richtig und kein falsch“, sagt sie. „Man kann da eigentlich keine Fehler machen“. Dennoch gebe es Dinge, die man tun könne, damit ein Bier seinen Geschmack gut entfalten kann.

Die Lagerung: Bloß kein Licht!

Das fängt schon bei der Lagerung an. Als Pantoudis Räumlichkeiten für ihren Laden gesucht hat, war ihr eines wichtig: Es muss unbedingt einen Keller geben. „Im Bier entstehen Fehler durch Licht“, sagt die 32-Jährige. Daher müsse man darauf achten, Bier vor Lichteinstrahlung zu schützen. „Weil man im Kühlschrank nicht immer genügend Platz hat, ist ein Keller wichtig“, sagt sie. „Ich habe das Pech, im Obergeschoss zu wohnen.“ Ihren privaten Biervorrat schütze sie mit einer Kühldecke. 

Aber macht das so viel aus? An der Bier-Akademie habe sie zur Vorbereitung auf ein Seminar folgende Aufgabe gestellt bekommen: „Wir sollten zwei Flaschen des gleichen Bieres mit nach Hause nehmen. Eine sollten wir auf die Fensterbank stellen, eine in den Kühlschrank.“ Als dann nach mehren Wochen das Seminar stattfand, hätte man den Unterschied nicht nur sehen, sondern auch deutlich schmecken können.

Das Craft Beer: Ein missverstandenes Getränk

Welches Bier man zuhause einlagert, bleibt selbstverständlich jedem selbst überlassen. Ein Trend der letzten Jahre ist das sogenannte „Craft Beer“ – was ist damit eigentlich gemeint? „Craft Beer ist ein missverstandener Begriff“, sagt Vanessa Pantoudis. „‘Craft‘ bedeutet im Englischen ja einfach nur, dass etwas handwerklich hergestellt ist.“ Viele Menschen würden damit aber „gepanschte Biere“ verbinden, also Biere, in die noch irgendwas hineingemischt wurde, dass da vermeintlich nicht hineingehört.

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Vanessa Pantoudis hat in Ludwigsburg ihren eigenen Laden eröffnet. Das "hop around the world" ist schon jetzt ein Treffpunkt für Bier-Begeisterte. © ZVW/Alexander Roth

„Zum Teil stimmt das ja auch“, sagt die Bier-Expertin, die darin aber nichts Negatives sieht. „Es gibt andere Bierkulturen, in denen Früchte oder anderes zugemischt werden“. Es gebe aber auch viele Craft-Biere aus der Region, die nach dem Deutschen Reinheitsgebot gebraut werden. Die 32-Jährige plädiert hier für Neugier und Offenheit. „Ich mixe im Sommer auch Bier-Cocktails, zum Beispiel einen ‚Bierol‘, bei dem zum Aperol statt Soda ein helles Bier gemischt wird.“ Am Ende entscheide ohnehin der individuelle Geschmack – und das sei gut so.

Das Gefäß: Schmeckt Bier aus dem Glas besser?

Viele Menschen trinken ihr Bier gerne direkt aus der Flasche oder der Dose. Den vollen Geschmack entfaltet das Bier aber erst im Glas, sagt die Expertin. „Im engen Flaschenhals sind die Aromen eingezwängt“, so Pantoudis. „Besser ist deshalb ein bauchiges Glas“. Die 32-Jährige verkauft selbst Gläser mit ihrem Logo im Laden, sagt aber, man könne bei der Wahl des Gefäßes ruhig auch pragmatisch sein. „Man kann auch ein Weinglas für das Bier nehmen.“

Die richtige Temperatur: Es kommt auf den Bierstil an

Bevor man das Bier aber ins Glas schenkt, sollte man darauf achten, dass es die richtige Temperatur hat. „Pils und Helles kann man kühl trinken“, sagt Vanessa Pantoudis. „Rotbiere und Märzen sollten dann schon etwas wärmer sein“. Wer wie die Bier-Sommelière gerne mal Porter oder Stout trinkt, sollte das Bier vorher in etwa auf Zimmertemperatur bringen. Erst dann entfaltet sich der Geschmack.

Das musste die Expertin schon am eigenen Leib erfahren. „Ich habe bei einer Veranstaltung im Winter mal ein 7-prozentiges Imperial Stout ausgeschenkt“, sagt sie. Also ein Bier, das eigentlich durch komplexe Malz-Aromen besticht. Die Veranstaltung fand draußen bei Schnee und Minusgraden statt. Sie hätte damals keine Chance gehabt hätte, das Bier vor dem Ausschank auf die richtige Temperatur bringen. „Die Leute haben dann gesagt: ‚Oh, das schmeckt aber mild‘.“

Die Reihenfolge: Ist die überhaupt wichtig?

Vanessa Pantoudis führt in ihrem Laden in Ludwigsburg auch Bier-Tastings durch. Ist es wichtig, in welcher Reihenfolge man bestimmte Bierstile trinkt? Oder spielt das keine Rolle? „Also wenn man nach einem 8,5-prozentigen Black IPA ein Helles oder ein Pils trinkt, dann geht das schon unter“, sagt sie. Man sollte sich im Alkoholgehalt eher steigern, und allgemein intensive Biere nicht zuerst trinken. „Ich versuche bei meinen Tastings auch immer, alkoholfreie Biere einzuschmuggeln“, sagt die 32-Jährige. „Wichtig ist dabei, dass man die nicht in der Mitte anbieten sollte.“ Wer nach einem Bier mit Alkohol eines ohne gereicht bekomme, der merke das sofort.

Die Gesundheit: Alkoholfreie Phasen sind wichtig

Vanessa Pantoudis bewertet als Qualified Beer Judge professionell Biere. „Wenn ich bei einem Wettkampf in der Jury sitze, bekomme ich von jedem Bier 0,1 eingeschenkt, trinke davon aber nur wenige Schlucke“, sagt sie. Das Getränk wieder ausspucken, wie das bei manchen Weinproben gemacht werde, sei keine Option. „Wir müssen auch das Mundgefühl und den Abgang bewerten.“

Nach so einem Abend legt die Expertin erstmal eine Woche Alkohol-Pause ein. Auch sonst verzichte sie an mehreren Tagen die Woche vollständig auf Alkohol. „Wer viel Bier trinkt, dem muss bewusst sein, was das dem Körper antut“, sagt die 32-Jährige. Der Alkoholkonsum müsse in irgendeiner Form wieder ausgeglichen werden. „Ich achte deshalb sehr genau auf meine Gesundheit und ernähre mich ausgewogen.“

Das Alkoholfreie: Immer beliebter

Gerne greift die Bier-Sommelière auch zum alkoholfreien Bier, das sich in Deutschland wachsender Beliebtheit erfreue. „Im letzten Jahr stand Helles auf Platz eins, auf dem zweiten Platz das Pils und danach kam schon alkoholfreies Bier.“ Im „hop around the world“ widmet sich ein ganzes Regal den Bieren ohne Alkohol.

Die Qualität habe in diesem Bereich deutlich zugenommen. „Ich finde das toll“, sagt Vanessa Pantoudis, „weil es nochmal betont, dass es in erster Linie um den Genuss geht, nicht darum, betrunken zu werden.“