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Stuttgart: Querdenker-Videos über Porsche gehen viral – das sagt das Unternehmen

Porsche Symbol Symbolbild Symbolfoto (nur redaktionelle Nutzung)
Symbolfoto. © pixabay.com/MarleneBitzer

Die Stadt Stuttgart hat momentan damit zu kämpfen, dass Querdenker die Todesanzeigen verstorbener Mitarbeiter für Propagandazwecke missbrauchen. Nun kommen aus der Szene weitere Behauptungen über angebliche Todesfälle im Zusammenhang mit der Corona-Impfung. Diesmal geht es dabei um ein weltweit bekanntes Stuttgarter Unternehmen: Porsche.

Virales Video in der Querdenker-Szene

In der ersten Januarwoche ging ein Video auf Telegram viral. Es zeigt einen Mann, der vor einem Regal mit Aktenordnern sitzt. Über das Video wurde der Text gelegt: „Ich muss das mit euch teilen! Was bei Porsche abgeht“. Der Mann behauptet, Porsche hätte über 100 Mitarbeitenden wegen nachweislich gefälschter Impfpässe gekündigt. Jeder wisse das. Er behauptet, „die ganzen Mitarbeiter“, die sich hätten impfen lassen, seien „extrem krank“, die Ungeimpften viel gesünder. Seine Quelle ist hier angeblich eine Mitarbeiterin der Personalabteilung.

Nur wenige Tage später erschien ein zweites Video. Derselbe Mann behauptet darin, im letzten Jahr seien „zwei oder drei“ Mitarbeiter während der Arbeitszeit gestorben. „Kerngesunde Menschen“, sagt er, alle geimpft. Außerdem erweckt er dein Eindruck, Porsche habe ihn mit Klagen gedroht. „Mich könnt ihr nicht einschüchtern“, sagt er.

Fitnessstudio-Betreiber aus Stuttgart steckt dahinter

Beide Videos verbreiteten sich auf Telegram rasant, haben hunderttausende Aufrufe. Trotz fehlender Belege. Vor allem Kanäle der Querdenker-Szene sorgten für eine rasche Verbreitung, die Erzählung von den angeblichen Todesfällen im Zusammenhang mit der Corona-Impfung passt ins verschwörungsideologische Weltbild. Auch auf sozialen Medien wie Facebook sind die Videos über Porsche zu finden. Aber wer steckt dahinter? Und was sagt der Stuttgarter Automobilhersteller zu den Behauptungen?

Der Mann, der diese Videos erstellt hat, heißt Firat Polat. Polat betreibt ein Fitnessstudio in Stuttgart-Weilimdorf und ein weiteres im Enzkreis. Er sprach in der Vergangenheit mehrfach auf Querdenker-Demonstrationen und wettert auf Telegram gegen die Corona-Impfung, die er aber nicht beim Namen nennt. Auch in seinen aktuellen Videos spricht Polat von „Geschlumpften“ statt Geimpften, von „gefälschten Schlumpfpässen“, von „Corinna“ statt Corona.

Firat Polat und die Querdenker-Szene

Bei einer Querdenken-Demonstration in Stuttgart fragte Firat Polat im Februar 2022 an die Polizei gerichtet: „Ab wann fangt ihr an, eure Befehlsausführung zu hinterfragen?“ Danach sprach er in einem Atemzug von der Ermordung jüdischer Kinder in der NS-Zeit und Menschen, die heutzutage bestraft würden, weil sie keine Maske tragen. Das Amtsgericht in Bad Cannstatt sah den Tatbestand der Volksverhetzung als erfüllt an und verurteilte Polat am 19. Dezember zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen á 65 Euro. Der Fitnessstudio-Betreiber machte das Urteil selbst öffentlich und sagte dazu: „Ich geh auf jeden Fall in Berufung und werde das nicht auf mir sitzen lassen.“

Hat Polat das mittlerweile getan? Wie viele angebliche Quellen bei Porsche hat er und wie hat er deren Behauptungen überprüft? Was ist mit der Klage, die ihm angeblich angedroht wurde? Und wieso scheut er sich offenkundig davor, Wörter wie „Impfung“ oder „Corona“ in den Mund zu nehmen? Das alles hätten wir gerne von Firat Polat gewusst. Auf unsere Anfrage per Mail hat er bislang aber nicht reagiert. In seinem Fitnessstudio in Stuttgart war er auch telefonisch nicht zu erreichen.

Porsche nimmt Stellung, fasst sich aber kurz

Porsche dagegen meldete sich am Dienstagnachmittag (10.01.) auf unsere Anfrage. „Im Rahmen der seinerzeit geltenden Corona-Verordnung war die Porsche AG als Arbeitgeber verpflichtet, ausschließlich genesenen, geimpften oder getesteten Mitarbeitern Zugang zum Betriebsgelände zu gewähren“, heißt es in der Stellungnahme. Auch sei Porsche verpflichtet gewesen, die Einhaltung der 3G-Regelung zu kontrollieren.

„Sofern Mitarbeiter dem Arbeitgeber einen gefälschten Impfpass vorgelegt haben, hat Porsche das Arbeitsverhältnis mit den Mitarbeitern beendet – wie viele andere Unternehmen auch“, so der Automobilhersteller. Alle weiteren Behauptungen Polats ließ Porsche unkommentiert. Die Frage, ob eine Klage gegen den Fitnessstudio-Betreiber geprüft oder veranlasst wurde, blieb unbeantwortet.