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Stuttgart: Viel zu tun? Wie Polizisten Weihnachten und Silvester erleben

Polizist
Symbolfoto. © ZVW/Benjamin Büttner

Weihnachten ist das Fest der Familie, die Feiertage Ende Dezember eine Zeit der Besinnlichkeit. Viele Menschen nehmen sich frei – oft bis nach Silvester, wo das neue Jahr mit Knallgeräuschen und Funkenregen begrüßt wird. Aber während andere feiern und faulenzen, haben viele Polizisten in Stuttgart Dienst. Womit hat es die Polizei an Weihnachten und in der Silvesternacht zu tun? Und kommen die Beamten vielleicht zwischendurch selbst ein wenig zum Feiern? Wir haben nachgefragt.

Weihnachten: Stille Nacht, ruhige Nacht?

„Weihnachten ist eher ruhig“, sagt Polizeisprecher Timo Brenner. Erst „in der späten Nacht“ würden Menschen am 24. Dezember vermehrt in die Innenstadt ziehen. Dann gleiche der Dienst einem regulären Wochenend-Einsatz. „Es gibt die, die kein Weihnachten feiern, und die, die nach dem Familienfest noch aufbrechen, um mit Freunden was trinken zu gehen.“

Aber an Weihnachten kommt die Familie zusammen – da muss es doch zwangsläufig Streit geben? „Das kommt natürlich vor“, sagt Brenner. Bei Streitigkeiten wird nicht nur an den Weihnachtstagen gerne mal die Polizei hinzugezogen. Sei es von Angehörigen, oder den Nachbarn. „Es ist aber nicht so, dass wir an Weihnachten nichts Anderes mehr machen.“

Schöne Bescherung: Kein Weihnachtsfest für Polizisten?

Während Kinder unter echten und unechten Bäumen zahlreche Geschenke ihren Verpackungen entreißen und Würstchen mit Kartoffelsalat hoch im Kurs stehen wie nie, sind in Stuttgart zahlreiche Beamte im Einsatz. Egal ob Heiligabend, erster oder zweiter Weihnachtsfeiertag. Gibt es für die Polizisten dann überhaupt kein Weihnachtsfest? Keine Bescherung?

„Weihnachtsfeiern gibt es natürlich“, sagt Timo Brenner, „aber die finden außerhalb der Dienstzeit statt.“ Dafür stehe in jedem Dienstgebäude ein Weihnachtsbaum. „Es gibt auch Dienstgruppen, die versuchen, an Weihnachten zusammen zu essen, wenn es die Einsatzlage zulässt.“ Da es beim Polizeidienst keine festen Pausen gebe, klappe das aber nicht immer.

Silvester in Stuttgart: „Eine sehr spezielle Nacht“

Während bei Weihnachten „Stille Nacht“ also auch für die Polizei meist Programm ist, spricht Brenner bei Silvester von einer „sehr speziellen Nacht“. Silvester? Der Jahreswechsel sei „im Prinzip wie ein klassisches Wochenende“, zu dem zusätzliche Sachbeschädigungen und Verletzungen durch Böller & Co. hinzukommen würden. „Besonders heftige Verletzungen“ gebe es mit selbst hergestellten Feuerwerkskörpern, so der Polizeisprecher.

Los gehe es am 31. Dezember in der Regel schon am späten Nachmittag – mit dem sogenannten „Knastspaziergang“. Die Polizei ist hier meist mit starken Kräften im Einsatz, auch Wasserwerfer wurden in der Vergangenheit aufgefahren. Aber worum geht es dabei? „Da solidarisieren sich Menschen aus der linken Szene mit Insassen der JVA Stammheim.“ Dabei kommt es laut Brenner in der Regel zu Sachbeschädigungen. Pyrotechnik und Feuerwerkskörper würden eingesetzt, die in der Vergangenheit auch in Richtung der Beamten geflogen seien.

Silvester-Party: Alkohol und Feuerwerk

Am Abend beginnt dann die Party. „An Silvester sind Massen von Menschen in der Stadt, dazu kommt ein hoher Grad an Alkoholisierung“, sagt der Polizeisprecher. Am Abend spiele sich das Geschehen eher in den Kneipen ab, kurz vor 12 verlagere es sich dann nach draußen. Danach geht es wieder in die Bars und Clubs. „Wir sind auch hier mit starken Kräften im Einsatz“, so Brenner.

Während der letzten zwei Jahren war die Einsatzlage in der Silvesternacht für die Polizei aber eine andere als sonst. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man sich die Pressemitteilungen der Polizei anschaut. Da ging es plötzlich um Corona-Maßnahmen wie Ausgangssperre oder Ansammlungsverbot, die von den Beamten kontrolliert wurden. Feuerwerk und Alkohol? Verboten.

Silvester während Corona: Kein Alkohol, kein Feuerwerk

Dieses Jahr dürfte wieder mehr den Jahren vor der Corona-Krise ähneln. Zumindest spricht aus rechtlicher Sicht nichts gegen eine Silvester-Party bis zum Morgengrauen. Haben die Beamten dann überhaupt irgendwann Feierabend? Der Polizeisprecher lacht. Die Schicht der Beamten gehe in der Regel bis 6 Uhr am Neujahrsmorgen. Zu den üblichen Polizeistreifen würden in der Silvesternacht noch Kräfte des Polizeipräsidiums Einsatz stoßen, zur Untersetzung. Die zusätzlichen Polizeikräfte würden je nach Einsatzlage auch mal früher nach Hause geschickt.

Aber wie wird dann das neue Jahr begrüßt? Schießen die Beamten auch ein paar Raketen in den Himmel? Oder dürfen sie nur zuschauen? Nun, eine Feier gebe es nicht. Ein „frohes Neues“ rufe man sich eher im Vorbeigehen zu. „Vielleicht stoßen manche auf das neue Jahr an“, so der Polizeisprecher. „Aber erst nach dem Dienst.“