Tödliche Gas-Explosion in Stuttgart: Fehler vor 20 Jahren? EnBW distanziert sich
Die Explosion in einem Wohnhaus in der Stuttgarter Köllestraße, bei der eine 85-Jährige ums Leben kam, ist möglicherweise auf einen Fehler vor rund 20 Jahren zurückzuführen. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadt Stuttgart vom Dienstag (28.03.) hervor. EnBW, der Mutterkonzern des Netzbetreibers Netze BW, widerspricht der Darstellung der Stadt.
Fehler vor 20 Jahren: Was ist in Stuttgart damals falsch gelaufen?
Laut Pressemitteilung hatte sich Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) bei den Netzbetreibern von Netze BW nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen erkundigt. Dabei sei herausgekommen, dass die Gas-Explosion "mutmaßlich durch einen singulären Fehler ausgelöst wurde, der beim Verlegen der Gasleitung vor rund 20 Jahren geschehen sein müsse." Konkret geht es dabei um den Abstand zwischen Gas- und Stromleitungen, der möglicherweise zu gering war. Dass dieser Fehler auch bei anderen Teilen der Köllestraße gemacht wurde, könne ausgeschlossen werden. Details wurden nicht genannt.
Köllestraße: Warum schließen die Netzbetreiber weitere Fehler aus?
Wie ein Vertreter des Netzbetreibers der Stadt Stuttgart mitteilte, seien "alle Gasleitungen, die entlang der Köllestraße liegen, [...] nach der Explosion mit Gasspürgeräten auf Dichte kontrolliert worden." An 14 Stellen sei geprüft worden, ob die Leitungen "entsprechend den technischen Regelwerken" verlegt seien und die Abstände zu Stromleitungen eingehalten wurden. Ergebnis: "Dies sei an allen Stellen der Fall."
Zur Wahrheit gehört aber auch: Es gab schon zuvor Kontrollen in der Köllestraße, turnusmäßig alle vier Jahre. Der letzte Kontrollgang fand laut Stadt Stuttgart im Mai 2022 statt. Der "singuläre Fehler" wurde damals offenkundig nicht bemerkt.
EnBW distanziert sich von der Mitteilung der Stadt Stuttgart
Noch am Dienstagabend widersprach EnBW der Pressemitteilung der Stadt Stuttgart. Der Mutterkonzern des Netzbetreibers sagte gegenüber dem SWR, dass bei der Ursachensuche weiter viele Fragen offen seien. "Ob es sich tatsächlich um einen Fehler beim Verlegen gehandelt habe oder ob sich die beiden Leitungen beispielsweise in der Folgejahren durch Erdbewegungen einander angenähert haben könnten, müssten die Ermittlungen der Behörden zeigen". Auch sei unklar, ob die zu eng beieinander liegenden Leitungen überhaupt Ursache der Explosion gewesen sein.
Explosion in Stuttgart: Was ist in der Köllestraße passiert?
Anwohner des Stuttgarter Westens wurden in der Nacht auf den 6. März von einer gewaltigen Explosion aus dem Schlaf gerissen. Ein Feuer brach aus, eine Doppelhaushälfte stürzte in sich zusammen. Die zweite Gebäudehälfte stürzte nur teilweise ein. Die Druckwelle der Explosion war so gewaltig, dass auch in benachbarten Gebäuden Fenster platzten. Von der Hitze schmolzen Rollläden. Überall lagen Trümmer.
Wie durch ein Wunder konnte sich eine vierköpfige Familie aus dem Gebäude retten. Die Eltern und ihre zwei Kinder (11 und 13 Jahre alt) wurden verletzt. Eine 85-jährige Bewohnerin wurde am Abend tot aus den Trümmern geborgen.
Nach der Explosion: Schrecken und Solidarität in Stuttgart
ZVW-Reporter Danny Galm war nach der Explosion in der Köllestraße, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Er berichtete damals davon, wie die Nachbarschaft in der schweren Zeit zusammenrückte. Innerhalb kürzester Zeit wurden Spendensammlungen gestartet, um die Betroffenen zu unterstützen.
OB Frank Nopper dankt für "intensive und offene Aufklärung"
„Die Bilder der schrecklichen Explosion in der Köllestraße und die Eindrücke, die wir in den Gesprächen mit vielen Beteiligten gewonnen haben, beschäftigen uns noch immer sehr stark“, sagte Frank Nopper der aktuellen Pressemitteilung der Stadt zufolge. Die Netzbetreiber hätten am Montag (27.03.) bei einer Info-Veranstaltung auch mit den Anwohnern der Köllestraße gesprochen. „Es ist gut, dass eine so intensive und offene Aufklärung der Ursachen und der daraus zu ziehenden Schlüsse erfolgt.“




