VfB Stuttgart

Thomas Hitzlsperger vs. Claus Vogt: Warum der Machtkampf beim VfB Stuttgart eskaliert

Claus Vogt (l) und Thomas Hitzlsperger
Claus Vogt (l) und Thomas Hitzlsperger stehen in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild © Tom Weller

Der VfB Stuttgart wäre nicht der VfB Stuttgart, wenn er seine Anhängerschaft nicht mit einem großen Knall aus dem Corona-Jahr 2020 entlassen würde. Der Machtkampf hinter den Kulissen hat am Mittwoch (30.12.) eine spektakuläre Wendung genommen und eskaliert nun vollends: Thomas Hitzlsperger bewirbt sich auf das Präsidentenamt beim Traditionsverein und sucht somit die offene Konfrontation zu Amtsinhaber Claus Vogt. Wieso bläst der AG-Boss ausgerechnet jetzt zum Frontalangriff?

Interne Querelen gelangen an die Öffentlichkeit

Zuletzt hatte es im Verhältnis zwischen Vorstandschef Hitzlsperger und e.V.-Präsident Vogt ordentlich geknirscht. Unter anderem im Umgang mit der Daten-Affäre war es zwischen den beiden zu Unstimmigkeiten gekommen.

Weiter fühlte sich AG-Chef Hitzlsperger von Aufsichtsratschef Vogt gebremst, während sich Vogt wiederum mehr Einblicke und Mitsprache bei sportlichen Abläufen wünscht. Die internen Querelen gelangten an die Öffentlichkeit. Und nun will Hitzlsperger den amtierenden Präsidenten aus dem Amt drängen.

Hitzlsperger erhebt schwere Vorwürfe gegen Vogt

In einem vierseitigen Brief legte Thomas Hitzlsperger am frühen Abend die Beweggründe für seine überraschende Kandidatur dar. In dem Schreiben erhebt der Meisterspieler von 2007 schwere Vorwürfe gegen den Amtsinhaber: „Ein tiefer Riss geht durch unseren Club. Dieser Riss gefährdet alles, worauf wir zu Recht stolz sind.“

Der Riss verlaufe zwischen Claus Vogt auf der einen Seite und dem „gesamten Vorstand der AG und zahlreichen Gremienmitgliedern aus Präsidium, Aufsichtsrat und Vereinsbeirat sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der anderen Seite.“ Dieser Zustand sei nun „endgültig unzumutbar geworden“.

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Vor allem die Beauftragung der Berliner Kanzlei Esecon zur Aufklärung der mutmaßlich illegal an Dritte weitergegebenen Mitgliederdaten stößt Hitzlsperger sauer auf.

Vogt habe diese „ohne Ausschreibung, ohne Kostenschätzung und ohne Projektplan durchgedrückt und bei der Projektleitung die nötige Sorgfalt, Kompetenz und Abstimmung vermissen lassen“.

Laut Hitzlsperger führen die „unkontrolliert ausufernden Kosten“ dazu, dass die AG den Verein unterstützen muss, um ihn vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.

Weiter soll Vogt intern seiner Informationspflichten nicht nachgekommen sein und „sensible Interna“ an Dritten weitergegeben haben. „Wir sind auf dem Weg, kaputtzumachen, was wir in den letzten zwölf Monaten erreicht haben“, schreibt Hitzlsperger. 

Seine Kandidatur soll ein Ausweg aus dieser Lage sein. Hitzlsperger strebt mit seiner Bewerbung aber auch nach der absoluten Macht im roten Clubhaus. Das ehrenamtliche Präsidentenamt will er im Falle seiner Wahl neben seinem Hauptamt als Vorstandsvorsitzender ausführen. 

Der Vereinsbeirat entscheidet, wer zur Wahl aufgestellt wird

Offiziell für das Präsidentenamt beworben haben sich neben Vogt und Hitzlsperger auch noch der Remstäler Geschäftsmann Volker Zeh und Friedhild „Fridi“ Miller. In den kommenden Tagen wird nun der achtköpfige Vereinsbeirat entscheiden, wer überhaupt zur Wahl auf der Mitgliederversammlung am 18. März 2021 zugelassen wird.

In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen und den von Hitzlsperger erhobenen Vorwürfen erscheint es nicht mehr undenkbar, dass der amtierende Präsident vom Beirat gar nicht erst aufgestellt wird.

So oder so steht der Verein vor einer erneuten Zerreißprobe.