VfB Stuttgart

2:0 beim SC Paderborn: Der VfB gewinnt, Seimen lernt – und Führich zaubert

Jeff Chabot jubelt nach seinem Führungstreffer, der dem VfB Stuttgart in Paderborn den Weg zum zweiten Saisonsieg in der Bundesl
Jeff Chabot jubelt nach seinem Führungstreffer, der dem VfB Stuttgart in Paderborn den Weg zum zweiten Saisonsieg in der Bundesliga ebnet. © Swen Pförtner

Paderborn. Der VfB Stuttgart schlägt den SC Paderborn 2:0 und feiert den zweiten Bundesligasieg der Saison. Dennis Seimen erlebt bei seinem Debüt einen Nachmittag mit Licht und Schatten, Chris Führich sorgt für den schönsten Moment. Unser Spielbericht zum Duell in der „Home Deluxe Arena“.

Dennis Seimen wurde bei seiner Rückkehr nach Paderborn mit Sprechchören begrüßt. In der vergangenen Saison hatte der 20-Jährige beim SC gespielt und mit den Ostwestfalen den Aufstieg gefeiert. Nun stand er erstmals in einem Bundesligaspiel für den VfB im Tor. Dass er beim 2:0 ohne Gegentor blieb, dürfte ihm gefallen haben. Ein Fehlpass am eigenen Strafraum und eine fallengelassene Ecke waren weniger erfreulich.

Der VfB machte sich in Paderborn selbst das Leben schwer

Der VfB war lange die bessere Mannschaft, machte sich das Leben nach der Pause aber unnötig schwer. Erst Chris Führich beendete in der 83. Minute die Zitterpartie: Nach Vorlage von Angelo Stiller hämmerte der Nationalspieler den Ball unhaltbar unter die Querlatte. Der Sieg war verdient, fühlte sich in der Schlussphase aber nicht selbstverständlich an.

Für Sebastian Hoeneß war es ein besonderes Spiel. Zum 115. Mal stand der Trainer in einem Bundesligaspiel für den VfB an der Seitenlinie – so oft wie kein anderer Stuttgarter Coach innerhalb einer Amtszeit. Seit April 2023 ist Hoeneß im Amt und damit der dienstälteste Trainer im deutschen Oberhaus. Nach Niederlagen in Hoffenheim (1:2) und gegen Borussia Dortmund (0:1) brauchte seine Mannschaft dringend Punkte. Nach drei Niederlagen in den ersten vier Ligaspielen soll der Oktober nun golden werden. Mit Paderborn, dem Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach warten zunächst drei Teams aus dem Tabellenkeller. In neun Partien binnen 29 Tagen über Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal braucht der VfB dringend einen Lauf.

Hoeneß veränderte seine Startelf auf vier Positionen. Neben Seimen rückten Ramon Hendriks, Atakan Karazor und Jamie Leweling ins Team. Vor allem Karazor war eine Überraschung: Der frühere Kapitän hatte in dieser Saison noch keine Bundesligaminute absolviert. In Paderborn lief er viel, gewann Zweikämpfe und gab dem Mittelfeld Stabilität.

Zunächst sah es nach einem kontrollierten Nachmittag für die Gäste aus. Stuttgart presste nach Ballverlusten aufmerksam, hatte mehr als 60 Prozent Ballbesitz und kam vor allem über den auffälligen Führich zu Angriffen. Deniz Undav prüfte Torwart Nahuel Noll aus der Distanz und legte später den Ball in Richtung Ermedin Demirović, doch Noll war zuerst zur Stelle. Undav ließ sich oft ins Mittelfeld fallen, die rechte Stuttgarter Seite blieb zunächst blass.

VfB-Keeper Dennis Seimen bleibt ohne Gegentor

Die Führung in der 25. Minute war folgerichtig: Angelo Stiller flankte, Innenverteidiger Jeff Chabot köpfte aus extrem spitzem Winkel ein. Es war sein erstes Saisontor. Fünf Minuten später traf Leweling den Pfosten. Der VfB hatte das Spiel im Griff: Der Expected-Goals-Wert zur Pause lag bei 1,49, Paderborn kam auf 0,07. Doch Dominanz bedeutet nicht automatisch Sicherheit. Seimen musste kurz vor der Pause nach einem Fehler von Josha Vagnoman im Eins-gegen-eins gegen Obermair stark parieren. Zuvor hatte der Debütant mit einem riskanten Pass im Aufbau selbst einen Schreckmoment ausgelöst. Nach dem Seitenwechsel häuften sich die Fehler. Paderborn presste höher und zwang den VfB zu unsauberen Pässen. Seimen fing einen Distanzschuss ab und klärte später gegen einen langen Ball auf Pieringer mit dem Fuß – ließ aber auch eine Ecke fallen. Er blieb ohne Gegentor, bekam aber reichlich Anschauungsmaterial.

Stuttgart hätte die Partie früher entscheiden können. In der 63. Minute fing Stiller einen Fehler im Paderborner Aufbau ab und bediente Demirović, der an Noll scheiterte. Stattdessen blieb das Spiel offen, die VfB-Defensive geriet zunehmend unter Druck. Als Chabot sich am Oberschenkel verletzte und in der 70. Minute durch Finn Jeltsch ersetzt werden musste, wurde die Schlussphase noch unangenehmer. Paderborn warf alles nach vorne. In der 82. Minute musste Stuttgart bei einer Großchance von Philippe mit vereinten Kräften retten. Eine Minute später sorgte Führich für die Erlösung. Sein Treffer war die Antwort auf eine Schlussphase, in der der VfB seine Überlegenheit beinahe verspielt hätte. Seimen durfte sich letztlich über den Sieg und die weiße Weste freuen, auch wenn ihm die Nervosität anzumerken war. Hoeneß beendete sein Rekordspiel mit drei Punkten. Für den heißen Herbst ist das ein Anfang – mehr noch nicht, aber immerhin ein Anfang.

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