VfB Stuttgart

Alarmstimmung beim VfB: Kein Grund für Panik, aber Anlass zur Sorge (Kommentar)

Stimmungstest: Die aktuelle Unruhe bei vielen Fans des VfB kommt zu früh und zu laut.
Stimmungstest: Die aktuelle Unruhe bei vielen Fans des VfB kommt zu früh und zu laut. © Sofiia Shahaievska

Stuttgart. Fünf Niederlagen aus sieben Ligaspielen, Pfiffe in der Partie gegen Gladbach, Trainer und Mannschaft unter Druck: Beim VfB Stuttgart wächst die Unruhe. Doch bei aller berechtigten Kritik lohnt ein Blick auf die vergangenen drei Jahre. Warum die Alarmstimmung verfrüht, die Situation aber trotzdem ernst ist, kommentiert unser Reporter.

In der Halbzeitpause gegen Borussia Mönchengladbach gab es erstmals seit langer Zeit wieder Pfiffe in der MHP-Arena. Wer sich derweil in die Untiefen der sozialen Netzwerke begibt, kann schnell zu dem Schluss kommen, dass die Saison bereits gelaufen sei. Der Trainer am Ende, die Mannschaft am Ende, die Kaderplanung für die Tonne. Puh.

Fan-Frust nach Gladbach-Pleite ist verständlich

Vielleicht wäre ein kurzer Moment des Innehaltens angebracht. Natürlich ist der Frust nach dem 2:3 gegen Gladbach verständlich. Die Niederlage gegen ein bis dahin punktloses Schlusslicht war ein Schock. Und selbstverständlich dürfen Fans ihren Unmut auch mit Pfiffen ausdrücken. Ob das einer Mannschaft in einer solchen Situation weiterhilft, ist eine andere Frage.

Die viel interessantere Frage ist ohnehin, wie schnell sich die Bewertung einer Gesamtsituation drehen kann. Deshalb eine kurze Erinnerung: Der VfB erlebt immer noch eine der erfolgreichsten Phasen seiner jüngeren Klubgeschichte. Sebastian Hoeneß hat die Mannschaft vor drei Jahren auf einem Abstiegsplatz übernommen, sie zur Vizemeisterschaft geführt, zweimal ins DFB-Pokalfinale gebracht und dreimal in Folge nach Europa. Arg viel mehr kann man von einem Traditionsverein, der sich erst wieder in der erweiterten Spitzengruppe etabliert hat, kaum verlangen.

Das heißt nicht, dass die aktuelle Lage harmlos wäre. Im Gegenteil: Während der VfB in der Königsklasse auf Kurs K.-o.-Runde liegt, ist er in der Bundesliga mit fünf Niederlagen aus den ersten sieben Spielen so schlecht gestartet wie noch nie unter Hoeneß. Diese Diskrepanz ist erklärungsbedürftig. Und sie gibt Anlass zur Sorge.

VfB-Coach Hoeneß verschärft vor Pokalspiel den Ton

Der Trainer hat deshalb den Ton verschärft und von seiner Mannschaft die oft zitierten „Basics“ eingefordert. Vor dem Pokalspiel beim SC Paderborn am Mittwoch verlangte er, die Ärmel hochzukrempeln, nach vorn zu schauen und in den Kampfmodus zu gehen. Hoeneß selbst nannte die Gladbach-Pleite einen „großen Warnschuss“. Den sollte man ernst nehmen. Man muss daraus aber nicht gleich einen Totalschaden konstruieren. Wir schreiben schließlich den siebten Spieltag, nicht den 27.

Das Pokalspiel in Ostwestfalen wird dennoch zu einem wichtigen Stimmungstest für den Vorjahresfinalisten. Danach warten in der Liga Leverkusen auswärts und Werder Bremen zu Hause, dazwischen die ungemütliche Champions-League-Reise nach Istanbul. Die nächsten zwei Wochen könnten am Wasen tatsächlich ungemütlich werden.

Hoeneß und Profis sind gefordert: Wie ungemütlich wird es?

Wie ungemütlich, entscheiden letztlich die Stuttgarter Profis. Auch die Führungsspieler müssen sich noch einmal neu beweisen, stehen in der Pflicht. Denn: Aus einer Mannschaft, die überraschend nach oben gekommen ist, soll eine werden, die sich dort dauerhaft behauptet. Und dafür muss auch der Cheftrainer beweisen, dass er die Widersprüche zwischen dem Atlético-VfB und dem Gladbach-VfB auflösen kann.

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