VfB Stuttgart

VfB zwischen Stolz und Enttäuschung: Was den Schwaben vom Atlético-Remis bleibt

VfB-Trainer Hoeneß nach dem Remis gegen Madrid: „Wir können sehr stolz sein auf die Leistung, trotzdem sind wir enttäuscht, weil
VfB-Trainer Hoeneß nach dem Remis gegen Madrid: „Wir können sehr stolz sein auf die Leistung, trotzdem sind wir enttäuscht, weil heute mehr drin war.“ © Hansjürgen Britsch

Stuttgart. Der VfB Stuttgart zeigt gegen Atlético Madrid seine bislang beste Saisonleistung, schwankt nach dem 1:1 aber zwischen Stolz und Enttäuschung. Sieben Punkte aus drei Champions-League-Spielen sind eine starke Zwischenbilanz. Doch die Chancenverwertung bleibt ein Thema.

Fabian Wohlgemuth hat nach diesem Champions-League-Abend eine interessante Formulierung gefunden. Vor dem Spiel, sagte der Sportvorstand des VfB, hätte er den Punkt gegen Atlético Madrid unterschrieben. Nach dem Spiel hätte er gerne noch einmal nachverhandelt. Und das ist eine ziemlich treffende Beschreibung für einen Abend, an dem sich die Stuttgarter einerseits wie eine Spitzenmannschaft aufführten und andererseits doch wieder mit dem Gefühl vom Cannstatter Rasen gingen, etwas liegen gelassen zu haben.

Der VfB hat in Überzahl zu wenig aus seinen Chancen gemacht

Das 1:1 gegen Atlético war ein Ergebnis, mit dem der VfB zufrieden sein kann. Sieben Punkte nach drei Spieltagen, Platz drei in der ellenlangen Tabelle der Champions League, nur Paris Saint-Germain und der FC Liverpool stehen vor den Schwaben: Das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Und doch wollte sich nach dem Abpfiff kein uneingeschränkter Jubel einstellen. Dafür hatte Stuttgart in der ersten Halbzeit zu gut gespielt und nach der Roten Karte gegen Atlético zu lange in Überzahl zu wenig aus seinen Möglichkeiten gemacht.

„Wir können sehr stolz sein auf die Leistung, trotzdem sind wir enttäuscht, weil heute mehr drin war“, sagte Trainer Sebastian Hoeneß. Es war ein Satz, der sich durch die Stuttgarter Stellungnahmen des Abends zog. Stolz und Enttäuschung, das eine schloss das andere nicht aus. Im Gegenteil: Dass die Mannschaft mit dem Punkt haderte, war auch ein Hinweis darauf, wie überzeugend sie sich gegen einen Gegner präsentiert hatte, der normalerweise selbst gern die Bedingungen eines Spiels diktiert.

Nach dem 0:1 beim Hamburger SV, der vierten Niederlage im sechsten Bundesligaspiel, hatte es noch ganz anders ausgesehen. Gegen Atlético aber war der VfB von Beginn an griffig, aggressiv und zielstrebig. Hoeneß führte das vor allem auf das Pressing zurück. „Das war der Schlüssel für die Chancen“, sagte Sebastian Hoeneß. Seine Mannschaft habe durch ihre Haltung Zugriff auf das Spiel bekommen. Auch der Sportvorstand Wohlgemuth sprach von der bislang besten Saisonleistung: Stuttgart habe Atlético unter enormen Entscheidungsdruck gesetzt und jene Verbindung aus spielerischer Klasse und Aggressivität gezeigt, die sonst den Spaniern eigen sei.

Der hohe Aufwand schlägt sich wieder nicht im Ertrag nieder

Das Problem war nur, dass sich der Aufwand erneut nicht ausreichend im Ertrag niederschlug. Schon zur Pause hätte der VfB höher führen können. Nach Jamie Lewelings verdientem Führungstor folgte dann jene Unaufmerksamkeit, die den Stuttgartern den Lohn für eine starke erste Halbzeit zumindest teilweise nahm: Nach nicht einmal zwei Minuten im zweiten Durchgang traf Julián Álvarez zum Ausgleich. „Da müssen wir ran, müssen ihn packen. Körperkontakt“, bemängelte Hoeneß. Der schnelle Gegentreffer habe das Spiel wieder geöffnet.

Auch in Überzahl, nach der Roten Karte gegen Atlético, drängte Stuttgart zwar weiter, fand aber nicht mehr regelmäßig den Weg in aussichtsreiche Abschlusspositionen. Jeff Chabot verpasste nach einer Ecke die erneute Führung nur knapp. Am Ende fehlte das Tor, das aus einem guten Auftritt einen ganz großen gemacht hätte. Die mangelhafte Chancenverwertung zieht sich beim VfB inzwischen wie ein roter Faden durch die Saison.

Immerhin gab es neben der Leistung der Mannschaft weitere erfreuliche Geschichten. Chris Führich bestätigte einmal mehr seine starke Form, und Dennis Seimen absolvierte sein Champions-League-Debüt bemerkenswert unaufgeregt. „Er hat Selbstbewusstsein ausgestrahlt“, sagte Wohlgemuth über den jungen Torhüter. Auch die Stimmung in der MHP-Arena war elektrisierend. Von schlechter Laune nach dem Rückschlag in Hamburg war auf den Rängen nichts zu spüren.

Schon am Freitag wartet Schlusslicht Gladbach auf den VfB

Atlético-Trainer Diego Simeone wiederum lobte vor allem die Reaktion seiner Mannschaft auf den Platzverweis. Mit einem Mann weniger habe sie das Spiel anders angehen müssen, sagte er, die Einstellung sei in der Schlussphase aber zu hundert Prozent vorhanden gewesen. Dass die Madrilenen einen Punkt mitnahmen, dürfte sich für sie deutlich besser angefühlt haben als für die Gastgeber.

Und nun? Am Freitag wartet mit Borussia Mönchengladbach das bislang punktlose Bundesliga-Schlusslicht. Wieder wird in Bad Cannstatt das Flutlicht angehen, wieder wird der VfB gefordert sein. Nur die Champions-League-Hymne von Tony Britten wird diesmal nicht erklingen. Vielleicht zeigt sich dann, was von diesem Königsklassen-Abend bleibt: das Selbstvertrauen aus einer Leistung gegen einen großen Gegner – und die Erkenntnis, dass gute Spiele allein noch keine Siege garantieren. Der nächste Schritt besteht darin, aus dem vielen Guten endlich wieder mehr zu machen.

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