VfB Stuttgart

Baustelle beim VfB: Wie sich die Kosten für den Stadionumbau zusammensetzen

Baustelle Mercedes-Benz-Arena
Großbaustelle in Bad Cannstatt: Die Arbeiten in und um die Mercedes-Benz-Arena laufen seit Monaten. © Danny Galm

Der Umbau der Mercedes-Benz-Arena läuft auf Hochtouren. Im Zuge der EM 2024 wird das Stadion des VfB Stuttgart aufwendig modernisiert, was für Klub und Stadt immense Kosten bedeutet. Wie viel kosten die Bauarbeiten an der Haupttribüne genau? Wie setzt sich die Summe zusammen und wer bezahlt wie viel? Ein Überblick.

Großbaustelle in Bad Cannstatt

Die Haupttribüne der Stuttgarter Arena gleicht aktuell einem Trümmerhaufen. Dort, wo sich sonst die bestbezahlten Sitze im Rund befinden, klafft ein riesiges Loch. Bagger und Kranwägen sind im Einsatz, stellenweise kann man vom Rasen aus bis raus auf die Mercedesstraße schauen. Eine Großbaustelle

Wir brauchen Ihre Zustimmung
Dieser Inhalt wird von Instagram bereit gestellt. Wenn Sie den Inhalt aktivieren, werden ggf. personenbezogene Daten verarbeitet und Cookies gesetzt.
Mehr erfahren

Die untere Ebene der noch aus dem Jahr 1974 stammenden Haupttribüne wird komplett neu aufgebaut und die Haupttribüne bis zu den Dachstützen erweitert. Es entstehen neue Mannschaftskabinen, Sportfunktionsräume, ein neues Mediencenter, ein weiterer Business-Bereich sowie eine Produktionsküche. Und im Herzen des neuen Unterrangs soll ein sogenannter „Tunnel-Club“ entstehen, ein ganz besonderer VIP-Raum mit Blick auf den Spielertunnel.

Finanzieller und organisatorischer Kraftakt

Finanziell und organisatorisch sind die Modernisierungsarbeiten ein immenser Kraftakt für den VfB, die beteiligten Firmen und die Stadt Stuttgart. Zum einen ist der Zeitplan straff. Bis Ende 2023 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. In Zeiten von Lieferengpässen und steigenden Baupreisen ein ambitioniertes Projekt. Zumal der Umbau während des laufenden Spielbetriebs geschieht. 

Was wiederum zu fehlenden Einnahmen aus dem Ticketing führt, da die Arena während der knapp zweijährigen Bauzeit statt 60.000 lediglich 48.000 Zuschauer fasst. Zu Beginn der kommenden Saison sollen jedoch die Zuschauerbereiche im Unterrang bei Heimspielen geöffnet werden. Die Arbeiten sind aktuell im Zeitplan. 

Womit wir zum Themenbereich Kosten kommen. Und hier wird es etwas kompliziert. Zuletzt war von VfB-Verantwortlichen in der Öffentlichkeit die Summe von rund 130 Millionen Euro genannt worden. Das führte bei manchem Fan und Beobachter zu einem Stirnrunzeln, da zum Projektstart von 98,5 Millionen Euro die Rede war. Ursprünglich waren 60 Millionen Euro veranschlagt. Einer Kostensteigerung aufgrund von explodierender Materialkosten auf die knapp 100 Millionen hatte der Gemeinderat der Landeshauptstadt im Februar 2022 zugestimmt. 

So setzen sich die Kosten zusammen

Woher kommt nun aber die unter anderem von Vorstandsboss Alexander Wehrle genannte Summe von 130 Millionen Euro? Die Antwort liegt im Geflecht hinter der Finanzierung des Großprojekts. 

Die Baukosten in Höhe von 98,5 Millionen Euro umfassen nach kicker-Informationen vor allem die Bausubstanz, Lüftungssystem und Sanitäranlagen. Ein Generalunternehmer (die Arbeitsgemeinschaft 1893 Ed. Züblin AG/ROM Technik GmbH & Co. KG) habe für den genannten Fixpreis übernommen, bestätigte eine Sprecherin der Stadt dem Fachmagazin.

Diese 98,5 Millionen Euro werden finanziert von der Stadion Neckar Park KG (36,25 Millionen), der Landeshauptstadt Stuttgart (37,5 Millionen) und dem VfB, der Pächter und stiller Gesellschafter der KG ist und die restlichen 24,75 Millionen beisteuert.

Die Kosten für den Ausbau des Innenraums in einer Größenordnung von rund 30 Millionen Euro stemmt hingegen alleine die VfB AG. Diese Aufteilung war von Anfang an so geplant. Das Konstrukt erläuterte der zuständige Architekt Eberhard Becker im Podcast unserer Redaktion bereits im April 2022. 

Wehrle zur Finanzlage: „Die Situation ist ernst“

Alles in allem steuert der VfB Stuttgart zum Umbau der Mercedes-Benz-Arena also rund 55 Millionen Euro bei. Darüber hinaus erhöht sich die aktuelle Grundpacht von 5,335 Millionen Euro um rund 1,6 Millionen Euro pro Jahr. Ein millionenschweres Gesamtpaket, das die sportliche brisante Situation der Mannschaft noch ein Stückchen prekärer macht. 

Weshalb Vorstandsboss Alexander Wehrle unlängst klarstellte: „Ein möglicher Abstieg im Jahr 2023 ist nicht vergleichbar mit 2019 oder 2016. Da liegen zweieinhalb Jahre Corona dazwischen mit einem Corona-Umsatzverlust von 90 Millionen Euro, ein Stadioninvest in Höhe von 130 Millionen Euro, und ein möglicher Abstieg würde über 40 Millionen Umsatzverlust für den VfB Stuttgart bedeuten. Die Situation ist ernst.“

VfB erhofft sich Mehreinnahmen durch Haupttribünen-Umbau

Im am Montag (09.01.) im Bundesanzeiger veröffentlichten Konzernabschluss der VfB AG für das Geschäftsjahr 2021 wird von einer „wirtschaftlich angespannt[en]“ Lage berichtet. „Die gestiegene Verschuldung und die weitere Fortdauer pandemiebedingter Umsatzausfälle führen dazu, dass ein Festhalten an der bisherigen Kostenstruktur einer Gegenfinanzierung durch außerordentliche Erträge, insbesondere auf dem Transfermarkt, bedarf“, heißt es dort.

Vom Umbau der Haupttribüne erhofft man sich „ab dem Jahr 2024 planmäßig einen positiven Beitrag zur wirtschaftlichen Situation“. Alles in allem verspricht sich der Klub durch die Modernisierung „potenzielle zusätzliche Deckungsbeiträge im jährlich siebenstelligen Bereich“.