VfB Stuttgart

„Bodenlos“ ins Achtelfinale: Warum Undavs Treffer die VfB-Sorgen nicht vertreibt

Dženan Pejčinović hätte den Pokalabend in der Nachspielzeit noch entspannter gestalten können. Der eingewechselte VfB-Stürmer ve
Dženan Pejčinović hätte den Pokalabend in der Nachspielzeit noch entspannter gestalten können. Der eingewechselte VfB-Stürmer vergab kurz nach Deniz Undavs Führung die Großchance zum 2:0 – obwohl das Tor leer war. © Sofiia Shahaievska (Archiv)

Paderborn. Es sollte eigentlich eine Reaktion werden auf den „großen Warnschuss“, den Trainer Sebastian Hoeneß nach dem 2:3 gegen Borussia Mönchengladbach ausgerufen hatte. Es wurde ein ungemütlicher Pokalfight, an dem der VfB Stuttgart auch in Überzahl lange keine überzeugende Antwort fand. Erst in der Nachspielzeit erlöste Kapitän Deniz Undav seine Mannschaft. Sein erster Saisontreffer sicherte das 1:0 beim SC Paderborn und den Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale. Was bleibt also von diesem Abend? Hauptsache weiter? So einfach ist es derzeit am Wasen nicht.

Es passte irgendwie ins Bild, dass selbst nach Undavs spätem Treffer noch keine Ruhe einkehrte. Kurz vor Schluss bekam der wenige Augenblicke zuvor eingewechselte Dženan Pejčinović das 2:0 auf dem Silbertablett serviert. Das Tor war leer, der Ball lag ziemlich genau am Elfmeterpunkt, und der Neuzugang vom VfL Wolfsburg hätte nur noch vollenden müssen. Er vergab. Man konnte diese Szene als Randnotiz eines bereits entschiedenen Pokalspiels verbuchen. Oder als weiteres Indiz dafür, dass dieser VfB derzeit erstaunlich viel Aufwand betreiben muss, um sich das Leben ein wenig leichter zu machen.

VfB hätte einmal mehr früher für die Entscheidung sorgen können

Denn die Stuttgarter hatten zuvor reichlich Gelegenheit gehabt, die Partie früher in die gewünschte Richtung zu lenken. Ermedin Demirovic scheiterte gleich mehrfach am starken Paderborner Torhüter Schubert. Der VfB brauchte viel zu viele Chancen für einen einzigen Treffer, und selbst eine Überzahl von mehr als einer Halbzeit verschaffte ihm lange nicht die Souveränität, die man von einem ambitionierten Bundesligisten erwarten darf. Die Mannschaft hatte das Spiel zwar irgendwann unter Kontrolle, aber nicht die Konsequenz, daraus frühzeitig Kapital zu schlagen.

Dabei hatte die erste Halbzeit ganz andere Sorgen aufgeworfen. Paderborn kam mit Wucht, Tempo und Entschlossenheit, Stuttgart dagegen mit Ballverlusten, Unordnung und erstaunlich wenig Widerstand. Fabian Bredlow musste früh mehrfach retten, Pieringer traf den Pfosten. Der VfB war da nicht bloß ein wenig unsortiert. Er wirkte, als sei er mit den eigenen Problemen beschäftigt, statt sich dem Gegner zu widmen. Dass Laurin Curda in der 37. Minute nach einer übermotivierten Grätsche gegen Bilal El Khannouss Rot sah, veränderte die Statik des Spiels. Der Platzverweis war der Gamechanger – und ersparte Stuttgart womöglich eine noch unangenehmere Diskussion.

Denn die hypothetische Frage bleibt: Wie wäre diese Partie elf gegen elf ausgegangen? Eine Antwort gibt es nicht. Aber dass sie sich überhaupt stellt, ist für den VfB nach dem Gladbach-Spiel kein gutes Zeichen. Die vom Trainer eingeforderte Reaktion blieb über weite Strecken aus. Immerhin: Der VfB gab sich nicht auf. Er drängte, probierte es weiter und wurde am Ende belohnt. Das ist im Pokal nicht nichts. Und Undav sprach hinterher am Sky-Mikrofon aus, was viele Anhänger gedacht haben dürften: „Unsere erste Halbzeit war bodenlos, wirklich bodenlos.“ Der Kapitän wählte wie schon nach der Pleite in Hamburg Klartext statt Schönfärberei. Der Sieg, sagte er, habe von vornherein an erster Stelle gestanden – egal, wie dreckig es werde. Auch Demirovic musste sich nicht lange erklären. Schubert habe ein überragendes Spiel gemacht, sagte der Stürmer, der den Paderborner Keeper noch aus der Jugend kennt. Dass Undav ihn mit seinem späten Treffer gewissermaßen aus der Bredouille holte, nahm Demirovic erleichtert hin. Für den VfB gilt das erst einmal auch. Er ist weiter, aber nicht wirklich weitergekommen.

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