Dennis Seimen ist zurück – doch der VfB lässt sich Zeit: So lief das Comeback
Großaspach. Mehr als zwei Monate nach seiner Verletzung ist Dennis Seimen zurück im Tor des VfB Stuttgart. Beim 5:0 im Test gegen Greuther Fürth feiert der 20-Jährige am Donnerstagabend in Großaspach sein Comeback – doch Trainer Sebastian Hoeneß lässt sich bei der Torwartfrage bewusst alle Zeit.
Im strömenden Regen trug Dennis Seimen jenes giftige Textmarkergrün, das Torhütertrikots gelegentlich annehmen, wenn sie unbedingt gesehen werden wollen. Die Nummer 41 prangte auf seinem Rücken – jene Zahl, die Zeugwart Michael Meusch dem damals noch sehr jungen Seimen bei dessen erstem Einsatz im Stuttgarter Profikader herausgelegt hatte. Seitdem ist sie ihm geblieben. Auch beim SC Paderborn, wo Seimen in der vergangenen Saison ausgeliehen war.
Unspektakulärer Abend für VfB-Keeper Dennis Seimen in Großaspach
Nun soll aus der Nummer 41 irgendwann die neue Nummer eins am Wasen werden. Der Plan des VfB war lange bekannt, im Sommer schien er bereits greifbar. Dann kam die Oberschenkelverletzung dazwischen. Beim 5:0 (3:0) im Test gegen die SpVgg Greuther Fürth machte Seimen am Donnerstag nun den ersten Schritt zurück – und zwar einen ziemlich unspektakulären. Das ist bei einem Torwart meistens ein gutes Zeichen.
Denn Seimen hatte zunächst vor allem eines zu tun: aufmerksam zu sein. In der 21. Minute unterband der 1,92 Meter große Keeper einen Fürther Konter, indem er den Ball beherzt über das Stadiondach in die grünen Weiten des Fautenhau drosch. Seine Handschuhe benötigte er im ersten Durchgang ansonsten kaum. Zur Pause klatschte Seimen mit Torwarttrainer Steffen Krebs ab, trocknete sich die Haare und verschwand in der Kabine. Ein Arbeitstag im Regen, aber bislang ohne nennenswerten Arbeitsnachweis.
Das änderte sich nach dem Seitenwechsel zumindest ein wenig. In der 50. Minute parierte Seimen den Abschluss von Omar Sillah sicher, zwölf Minuten später pflückte er eine Flanke souverän aus der Luft. Mehr musste er nicht zeigen. Bei Dauerregen ist auch das sichere Zupacken eine kleine Kunst.
Nach 72 Minuten war sein Comeback beendet. Marius Funk kam für ihn ins Tor, Seimen klatschte kurz mit Sebastian Hoeneß ab und machte sich auf den Weg zur Bank. Ob es für den jungen Keeper bald noch ein Wiedersehen mit Paderborn gibt? Am 10. Oktober tritt der VfB dort zum Bundesliga-Neustart an – ausgerechnet bei jenem Klub, für den Seimen in der vergangenen Saison spielte. Der Gedanke liegt nahe, Hoeneß aber denkt lieber in Trainingstagen als in Schlagzeilen.
So bewertet Trainer Hoeneß das Seimen-Comeback beim VfB Stuttgart
„Eine sehr unaufgeregte, sehr ordentliche Leistung“, nannte der Trainer Seimens Auftritt. Ob er in Paderborn spielen werde, könne er noch nicht sagen. Erst einmal müsse man abwarten, wie Seimen die 70 Minuten vertrage und wie sich die kommenden Trainingstage entwickelten. Denn beim VfB gibt es keinen Grund zur Eile. Fabian Bredlow hat in Seimens Abwesenheit zuverlässig gespielt. „Wir sind in keiner Situation, wo wir uns gehetzt fühlen“, sagte Hoeneß. Und er will dem jungen Torwart nicht gleich die Last einer kompletten Saison auf die Schultern legen.
Seimen werde „in Kürze spielen“, sagte der Trainer. Möglicherweise in Paderborn. Sicher ist nur: Er wird in den kommenden Wochen viele Spiele bekommen – aber nicht alle. Wie die Belastung genau verteilt wird, soll sich ergeben. Und so war Großaspach zunächst einmal genau das, was ein Comeback sein sollte: kein großes Schauspiel, sondern ein erster Belastungstest. Selbst der Stadionsprecher bekam das zu spüren. Als er nach Seimens Auswechslung ein kräftiges „Dennis“ ins Mikrofon rief, antworteten die jungen Fans nicht mit „Seimen“, sondern mit „Undav“. Der Stürmer hatte zuvor zweimal getroffen und blieb an diesem Abend der Liebling der Massen. Seimen musste sich also noch ein wenig gedulden. Aber er ist wieder da. Und irgendwann wird aus dem 41er die Nummer eins.



