Giftig, kompromisslos, effektiv: VfB gelingt in Leverkusen der Befreiungsschlag
Stuttgart. Der VfB Stuttgart hat bei Bayer Leverkusen einen verdienten Auswärtssieg eingefahren. Mit 4:2 gewannen die Schwaben gegen den bis dato Tabellenvierten der Bundesliga und feierten einen Befreiungsschlag. Es war eine Leistung, die kaum vorherzusehen war, denn: Nach den schwachen Leistungen gegen Gladbach und Paderborn war der VfB in der Bay-Arena nicht wiederzuerkennen – vor allem im Bezug auf die Einstellung. Was die Schwaben an diesem Samstagnachmittag so stark gemacht hat.
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VfB Stuttgart nutzt Schwäche des Gegners eiskalt aus
Dass der VfB Stuttgart mit 4:2 gegen Bayer Leverkusen gewinnt, hätten wohl nur die wenigsten Fans erwartet. Zu schwach und enttäuschend waren die Auftritte gegen Gladbach und Paderborn, nachdem die Schwaben zuvor gegen das spanische Topteam Atlético Madrid brilliert hatten. Doch die VfB-Profis zeigten gegen Leverkusen genau die Reaktion, die eigentlich schon im DFB-Pokal gegen Paderborn hätte gezeigt werden müssen.
In der Bay-Arena legte die Hoeneß-Elf einen abgebrühten, giftigen und erwachsenen Auftritt hin. Durch kompromisslose Zweikampfführung, aggressives Anlaufen und dem Willen, sich in jedes Duell zu hauen, kauften Deniz Undav und Co. den spielerisch starken Leverkusenern den Schneid ab. „Wir wussten, dass Leverkusen mit der Intensität und ekligen Zweikämpfen nicht klarkommt“, sagte der VfB-Kapitän nach dem Spiel bei Sky. „Wir wussten, dass das ihre Schwäche ist, und haben das für uns ausgenutzt.“
VfB-Stürmer Demirovic: „Es hat sich zuletzt einiges angestaut“
In der Tat gingen die VfB-Profis keinem Zweikampf und keinem ungemütlichen Duell aus dem Weg. Sinnbildlich dafür stand eine Szene kurz vor der Pause: Mit vereinten Kräften und gleich mehreren Fouls stoppten die Stuttgarter einen Angriff des Heimteams. Im Anschluss kam es zu einer Rudelbildung, in der einige VfB-Profis nicht gerade stiefmütterlich zur Sache gingen. Die Konsequenz: vier Gelbe Karten und ein sichtlich frustriertes Leverkusener Team.
Die Basics, sie stimmten in der Bay-Arena. „Es hat sich zuletzt einiges angestaut, weil wir wissen, wie hart wir arbeiten. Wir haben uns in letzter Zeit nicht belohnt, nicht gut gespielt und nicht die Sicherheit gehabt“, sagte etwa Doppeltorschütze Ermedin Demirovic nach dem Spiel. Fünf Niederlagen aus sieben Ligaspielen, Tabellenplatz 15 – zu wenig für die eigenen Ansprüche.
Stolzer Deniz Undav: „Das war eine super Teamleistung“
„Wir wollten dahin zurück, wo wir hingehören. Mit guten Spielen, mit viel Power und Energie“, so der Stürmer. Ohne Zweifel: Das schafften die Schwaben an diesem Samstagnachmittag. 17 erfolgreiche Tacklings, mehr als doppelt so viele abgefangene Pässe und dreimal so viele geklärte Bälle als der Gegner zeigten, wie sehr der VfB dieses Spiel gewinnen wollte.
Auch die zuletzt viel kritisierte Chancenverwertung stimmte in Leverkusen auf einmal. Neun Schüsse brachten die Stuttgarter aufs Tor, der xGoals-Wert von 3,2 wurde mit vier Treffen klar überboten. „Wir wurden oft für unsere Chancenverwertung kritisiert, aber das war heute gut und dann kannst du immer gewinnen“, sagte Undav. „Das war eine super Teamleistung. Ich bin stolz auf die Mannschaft und was wir geleistet haben. Das war nicht einfach nach der Kritik.“
VfB Stuttgart zeigt eine Reaktion – und muss jetzt nachlegen
Fakt ist also: In Leverkusen ist dem VfB Stuttgart ein Befreiungsschlag gelungen. Der Abstand auf die internationalen Plätze beträgt nun nur noch vier Punkte, auf die Champions League sind es sechs Zähler. Es war also ein Sieg, der nicht nur mit Blick auf die Tabelle, sondern auch im Bezug auf das Stuttgarter Selbstverständnis guttut. Die von Trainer Sebastian Hoeneß vor dem Paderborn-Spiel eingeforderte Reaktion kam – wenn auch ein paar Tage später.
Doch Deniz Undav schickte trotz der guten Leistung direkt eine Warnung hinterher: „Das Wichtigste ist, sich nicht nur daran zu freuen, dass wir heute gut gespielt haben, sondern jetzt weiterzumachen.“ Zwei Spiele hat der VfB noch bis zur Länderspielpause: in der Königsklasse in Istanbul (03.11.) und in der Liga gegen Bremen (07.11.). Gelingt den Stuttgartern in diesen beiden Partien eine ähnliche Leistung wie in Leverkusen, könnte sich der Wind im Schwabenländle wieder drehen – und aus Kritik Lob werden.



