VfB Stuttgart

Handelfmeter für St. Pauli, keiner für den VfB? Darum entschied der VAR so

Chris Führich verursachte den Elfmeter zum 2:0 für St. Pauli.
Chris Führich verursachte den Elfmeter zum 2:0 für St. Pauli. © Hansjürgen Britsch

Stuttgart. Der VfB Stuttgart hat gegen den FC St. Pauli verdient mit 1:2 verloren. Dabei lief für die Schwaben kaum etwas zusammen, bei den Kiezkickern hingegen vieles. Sinnbildlich waren zwei Szenen, die die Fans polarisierten: Der VfB bekam in Halbzeit eins keinen Handelfmeter zugesprochen, nach einer unglücklichen Aktion von Chris Führich gab der Videoassistent (VAR) eben diesen für St. Pauli in Durchgang zwei. Wir erklären, warum die Entscheidungen so fielen – und berichten, wie Führich zu seinem verschuldeten Strafstoß steht.

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Die Handspielregel ist des Fußballs wohl größtes Mysterium. Angelegt, angeschossen, absichtlich – nicht nur diese drei As treiben Fußballfans Wochenende für Wochenende um. Da ist es fast müßig, über die Trefferbilder an sich zu sprechen, die sich im Bundesligaspiel des VfB Stuttgart beim FC St. Pauli ereignet haben. Vielmehr fragte sich so mancher zu Recht: Warum bekommen die Schwaben keinen Handelfmeter? Und St. Pauli eben doch?

VfB Stuttgart: Undav trifft gegnerischen Arm – kein Elfmeter?

Doch der Reihe nach. 27. Minute, Deniz Undav treibt den Ball in Richtung des gegnerischen Strafraums. Schuss oder Flanke, egal: Der Ball trifft an der Sechzehnerkante St. Paulis Mathias Rasmussen klar am Arm, der beim Heranziehen an den Körper sogar – wenn man so will – eine Bewegung zum Spielgerät macht. Die Pfeife von Schiedsrichter Benjamin Brand bleibt stumm und auch nach einem kurzen Check durch den VAR gibt es keinen Strafstoß.

In diesem Fall stellte sich beim VAR-Check wohl gar nicht die Frage nach strafbarem oder regelkonformem Handspiel. „Vom Schiedsrichter wurde gesagt, dass es außerhalb war“, sagte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß nach dem Spiel auf der Pressekonferenz. Eine mit bloßem Auge nur schwer aufzulösende Entscheidung – ob er bei der ursprünglichen Bewertung des Trefferbilds an sich richtig lag, wird Referee Brand also unabhängig davon selbst wissen müssen.

Chris Führichs Slapstick-Elfer: „Katastrophale Bilder“

Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit, 54. Minute: Ein Freistoß St. Paulis wird geklärt, Chris Führich möchte ohne unmittelbaren Gegnerdruck aus dem Strafraum dribbeln – bekommt den hoppelnden Ball aber nicht unter Kontrolle, sondern vom eigenen Oberschenkel an den nach oben ausgefahrenen Arm. Brand entscheidet zunächst auf Freistoß, doch schon nach der ersten Wiederholung ist auch ohne Mikroskop klar: Das Handspiel war geradeso noch innerhalb, ein VAR-Check sorgt für den Strafstoß, der zum 2:0 verwandelt wird.

„Eine komische Situation, das hatte ich auch noch nicht so“, sagte Führich später zu Sky. Die Aktion habe nichts mit Absicht zu tun gehabt, er habe nur den Ball mitnehmen und wegschießen wollen. Auch ihm erklärte Schiri Brand die Elfmeterentscheidung: „Er meinte, dass die Bilder so katastrophal aussehen, dass er den geben muss.“

Dem VfB fehlt viel Durchschlagskraft – und ein wenig Glück

Inwiefern Bilder dann fehlende Absicht oder Torgefahr übertrumpfen, ist eine Frage für Regelkommissionen. Fest steht: Unabhängig der Strafbarkeit war die vermeintliche Stuttgarter Elfmetersituation wohl knapp außerhalb, die der Gastgeber definitiv innerhalb – die primäre Grundlage für die Entscheidungen.

„In solchen Spielen brauchst du dann auch ein wenig Glück, dass spielentscheidende Situationen vielleicht auf deine Seite rutschen“, sagte Hoeneß, um gleich klarzustellen, dass dies am verdienten Sieg St. Paulis nichts ändere. Gewiss hatte der VfB Stuttgart am Samstagnachmittag mehr als genügend eigene Probleme, die es bis zum Spiel gegen Köln (Samstag/18.30 Uhr) zu lösen gilt – es hat aber besonders in den beiden Hand-Situationen nicht viel gefehlt, um das Pendel in eine andere Richtung zu zwingen.

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