VfB Stuttgart

Harmlose VfB-Offensive: Warum es Chris Führich alleine nicht richten kann

Fußball VfL Bochum 1848 vs. VfB Stuttgart
Brachte frischen Schwung ins VfB-Spiel: Flügelflitzer Chris Führich. © Pressefoto Baumann

Der schwäbische Offensiv-Motor stottert in dieser Saison noch. Timing, Präzision und Zielstrebigkeit gingen dem VfB Stuttgart auch beim 0:0 gegen den VfL Bochum über weite Strecken komplett ab. Neuzugang Chris Führich war beim Aufsteiger einer der wenigen Lichtblicke. Doch um das harmlose Stuttgarter Angriffsspiel nachhaltig zu beleben, bedarf es mehr als nur einen quirligen Flügelflitzer.

Starkes Debüt nach Schlüsselbeinbruch

Im Sommer für rund 2,5 Millionen Euro Ablöse vom Zweitligisten SC Paderborn nach Stuttgart geholt, brach sich Führich in der Saisonvorbereitung das Schlüsselbein. Am Sonntag (26.09.) debütierte er nun nach der Pause und verzückte im Bochumer Ruhrstadion sogleich Beobachter und Anhänger.

Mit seinen Dribblings, seinen Sprints und seiner resoluten Zweikampfführung belebte er das in den ersten 45 Minuten quasi nicht existente Offensivspiel des VfB. „Ich bin mit der Aufgabe ins Spiel gekommen, Tempo und Zielstrebigkeit ins Spiel nach vorne reinzubringen“, sagte er anschließend. Mission erfüllt. Auch Trainer Pellegrino Matarazzo war zufrieden: „Er hat einen sehr guten Einstand gehabt.“

Der lange Weg zurück zu alter Stärke

Nun alle Hoffnungen auf die schmalen (und teils frisch operierten) Schultern des 23-Jährigen zu packen, sollten Fans und Verantwortliche jedoch tunlichst vermeiden. Ein Chris Führich alleine wird es nicht richten können. Schließlich lässt sich aktuell anhand von Mittelfeldspieler Orel Mangala beobachten, wie viel Zeit ein Schlüsselspieler der vergangenen Saison nach einer langwierigen Verletzung benötigt, um wieder an sein Leistungsoptiumum zu kommen.

Ähnliches werden die Anhänger Ende des Jahres bzw. zu Beginn des neuen Jahres erleben, wenn die schmerzlich vermissten Stürmer Silas (nach Kreuzbandriss) und Sasa Kalajdzic (nach Schulterverletzung) auf den Platz zurückkehren. Der Weg zurück zur alter Stärke ist mitunter lang und beschwerlich. 

„Die gehaltene Null wird uns guttun“

Die große Frage aus VfB-Sicht ist in dieser Spielzeit lautet also: Findet die hochveranlagte Mannschaft schnell genug in Tritt und das Offensivspiel endlich Rhythmus und Struktur? Immerhin die Gegentorflut - ein sattes Dutzend in den ersten fünf Partien - wurde vorerst gestoppt.

„Die gehaltene Null wird uns guttun“, befand Trainer Matarazzo. Das war zuvor saisonübergreifend in zwölf Bundesliga-Partien nacheinander nicht mehr gelungen. Neben dem Mutmacher-Debüt von Führich ein weiterer kleiner Lichtblick. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die VfL-Offensive bekleckerte sich vor heimischer Kulisse ebenfalls nicht mit Ruhm - und Bochums gefährlichster Stürmer Simon Zoller stand wegen eines Kreuzbandrisses überhaupt nicht auf dem Platz. 

Die Gegner haben sich auf den VfB eingestellt

Die harm- und ideenlosen Angriffsbemühungen von Klimowicz und Co. stehen nun ganz oben auf der To-do-Liste des Trainerteams. „Offensiv ist bei uns mehr Potenzial da, als wir gezeigt haben. Wir müssen Offensivprinzipien im letzten Drittel im Allgemeinen trainieren“, kündigte Matarazzo mit Blick auf das kommende Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim an.

Fünf Punkte aus den ersten sechs Partien sind zwar beileibe kein Grund zur Panik - aber eben auch kein Grund für euphorische Luftsprünge. Wo die junge Truppe mit ihren bisher gezeigten Leistungen einzuordnen ist, fällt weiter schwer. Zu beobachten war bislang vor allem, dass sich die gegnerischen Teams hervorragend auf das Stuttgarter Spiel eingestellt haben. Mit Ausnahme von Greuther Fürth am 1. Spieltag (5:1).

„Stuttgart steht noch nicht da, wo sie hinwollen“, urteilte VfL-Coach Thomas Reis nach dem torlosen Remis, „sie hatten Startschwierigkeiten, aber es ist eine tolle Mannschaft.“ Einen dicken Hals hatte derweil sein Torhüter Manuel Riemann. Der schimpfte nach dem Schlusspfiff: „Zuhause gegen Stuttgart - wenn wir diese Spiele nicht gewinnen, gegen wen wollen wir dann unsere Punkte holen?“ Eine ganz ähnliche Frage dürfte sich nach dem zähen Ringen an der Castroper Straße allerdings auch mancher VfB-Fan gestellt haben.