VfB Stuttgart

Keine Entlastung für Vorstand und Aufsichtsrat

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Rund 3000 Mitglieder besuchten die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart in der Schleyerhalle. © Danny Galm

Stuttgart.
Bei der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart in der Schleyerhalle ging es hoch her. Rund 3000 VfB’ler nahmen an der richtungsweisenden Versammlung teil und wählten den Unternehmer Wolfgang Dietrich zum neuen VfB-Präsidenten.

Kein Antrag auf Abwahl des Aufsichtsrats

Nach der Begrüßung durch Stefan Heim - Vorstand für Finanzen, Verwaltung und Operations – stimmten die anwesenden Mitglieder gegen eine Aufnahme des Antrags auf Abwahl des Aufsichtsrats auf die Tagesordnung. Erleichterung und Beifall im Saal. „Die Enttäuschung über den Abstieg darf nicht so weit gehen, dass die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit und Existenzgrundlage unseres Vereins massiv beeinträchtigt wird“, so Stefan Heim. 60,9 Prozent (1565 Stimmen) der stimmberechtigten Mitglieder stimmten gegen den Antrag – Ein erstes Signal dafür, dass die VfB-Ultras nicht genügend Mitglieder mobilisieren konnten, um bei der Mitgliederversammlung eine große Opposition zu stellen.

Größter Umsatzeinbruch der Vereinsgeschichte

Ungemütliche Zahlen musste Finanzvorstand Heim anschließend den Mitgliedern präsentieren. Der VfB muss den Gürtel im Unterhaus des Bundesliga-Fußballs erheblich enger schnallen. Wurden in der Saison 2015/2016 in der Bundesliga noch Erträge von 119 Millionen Euro generiert (der Jahresumsatz für das Geschäftsjahr 2015 lag bei einem Gewinn von zwei Millionen Euro gar bei 125,5 Millionen Euro), rechnet der VfB für die laufende Spielzeit in Liga zwei mit 68 Millionen Euro Umsatz. Dies bedeutet ein Minus von 51 Millionen Euro, einen Rückgang um 43 Prozent. Der größte Umsatzeinbruch in der Vereinsgeschichte. 

„Wir haben das Minus aufgefangen, haben unsere Zahlen weiter voll im Griff und sind auch in der Zukunft handlungsfähig“, versicherte Heim. Verantwortlich dafür zeichnen vor allem die treuen Sponsoren des VfB, deren Beitrag am Jahresergebnis lediglich um 6,7 Millionen Euro zurückging. Mit nun 18,7 Millionen Euro haben die Sponsoren somit die Erlöse aus den TV-Einnahmen überholt und sind zum wichtigsten Geldgeber des VfB geworden - „Diese Treue ist außergewöhnlich“, so Stefan Heim

Um 18,6 Millionen Euro hat der VFB die Gehälter im Lizenzspieler-Etat herunter gefahren. Der aktuelle Kader kostet den Verein jetzt die für Zweitligaverhältnisse immer noch stolze Summe von 25,6 Millionen Euro. Auch durch Transfererlöse konnte der VfB im vergangenen Geschäftsjahr ein Plus von rund 35 Millionen Euro erwirtschaften. Durch die Verkäufe von Timo Werner (für 10 Millionen Euro nach Leipzig), Filip Kostic (für 15 Millionen Euro nach Hamburg) und Lukas Rupp (für 6 Millionen Euro nach Hoffenheim) blieb trotz des gewaltigen Umsatzrückgangs durch alle Konsolidierungsmaßnahmen unterm Strich ein Plus von 16,6 Millionen Euro.

Aufsichtsrat Schäfer kritisiert die Ultras

Deutliche und scharfe Worte für das Verhalten einiger Fangruppierungen fand in seinem Bericht Aufsichtsartvorsitzender Martin Schäfer: „Es gibt teilweise Fans die versuchen die Strukturen des Vereins zu unterlaufen.“ Auf den Videoleinwänden wurde ein Transparent der Ultra-Gruppierung Commando Cannstatt 97 gezeigt: „Jetzt Verantwortung übernehmen: Porth, Jenner und Schäfer verpisst euch.“ Dem wiedersprach der Vorsitzender der Adolf Würth GmbH vehement: „Wir werden uns von ihnen nicht verpissen lassen! Ohne den Aufsichtsrat wäre der Verein nach dem Abstieg in eine tiefe Krise gerutscht.“ Großer Beifall in der Halle.

Schindelmeiser selbstbewusst und optimistisch

Auch Sportvorstand Jan Schindelmeiser richtete selbstbewusst und optimistisch eine klare Botschaft an die anwesenden Mitglieder: „Unsere Gegner sitzen nicht hier in der Halle. Ich habe keine Lust auf Mittelmaß und ich denke sie auch nicht.“ Die Mannschaft sei auf einem guten Weg und die Neuverpflichtungen und der neue Cheftrainer Hannes Wolf seien „ein deutliches Signal in diese Richtung.“ Im Blick hat der 52–Jährige dabei auch die Probleme des Vereins im Nachwuchsbereich: „Der VfB muss wieder Magnet werden für die besten Talente.“ Abschließend appellierte er an den Saal: „Halten sie durch! Gemeinsam kriegen wir das hin. Wäre doch geil, wenn wir hier im Mai zusammensitzen und eine große Party feiern.“

Keine Entlastung für Vorstand und Aufsichtsrat

Die nachfolgende allgemeine Aussprache mit 25 angekündigten Wortmeldungen, wurde durch einen Antrag vorzeitig - nach rund zwei Stunden und fünf Beiträgen - beendet. Bei der anschließenden Abstimmung über die Entlastung der Vorstandschaft und des Aufsichtsrats aus dem Jahr 2015, wurde beide Male die benötigte einfache Mehrheit verfehlt. Zum vierten Mal in Folge wurde somit der Aufsichtsrat von der Mitgliederversammlungen nicht entlastet. Formale Folgen hatte das zwar nicht, ist aber ein erneuter Beleg für die große Vertrauenskrise zwischen den Mitgliedern und der Vereinsführung.

Zum Abschluss der fast siebenstündigen Mitgliederversammlung sprachen sich die Mitglieder deutlich gegen den Antrag der Vereinsführung auf eine Satzungsänderung aus. Die Vereinsführung wollte mit einem Paket unter anderem das Wahlalter von 18 auf 16 Jahre senken, einen Vereinsbeirat schaffen, regelmäßige Dialogverantsaltungen etablieren und die Brief- und Onlinewahl einführen.