VfB Stuttgart

Klare Hierarchie, flexible Praxis: Zwei VfB-Keeper für einen heißen Herbst

Dennis Seimen (re.) ist die Nummer eins, Fabian Bredlow (li.) bleibt gefragt: Der VfB geht mit zwei starken Torhütern in einen i
Dennis Seimen (re.) ist die Nummer eins, Fabian Bredlow (li.) bleibt gefragt: Der VfB geht mit zwei starken Torhütern in einen intensiven Herbst. © Sofiia Shahaievska

Stuttgart. Dennis Seimen ist zurück und soll beim SC Paderborn sein Bundesliga-Debüt feiern. Doch Fabian Bredlow hat den designierten Stammtorwart beim VfB Stuttgart so gut vertreten, dass er auch künftig zu Einsätzen kommen wird. An Möglichkeiten mangelt es in jedem Fall nicht: Auf den VfB warten neun Spiele in 29 Tagen. Wie die Schwaben mit ihrem Torhüter-Duo planen, erklären wir hier.

Fabian Bredlow hat in den vergangenen Wochen ziemlich viel dafür getan, dass der VfB seine Torwartfrage ganz entspannt betrachten kann. Er hat vertreten, gehalten, beruhigt – und damit verhindert, dass die Rückkehr von Dennis Seimen zu einer dringenden Angelegenheit wurde. Nun ist Seimen wieder fit, und trotzdem wird Bredlow weiter spielen. Nur wann, das verrät Sebastian Hoeneß noch nicht.

Warum VfB-Coach Hoeneß nicht von Jobsharing sprechen möchte

Von einem Jobsharing möchte der VfB-Trainer allerdings ausdrücklich nicht sprechen. „Dennis Seimen ist die Nummer eins und ist so in die Saison gegangen. Daran hat sich nichts geändert“, sagte Hoeneß vor dem anstehenden Liga-Auswärtsspiel beim SC Paderborn an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky). Seimen soll dort sein Bundesliga-Debüt geben. Bredlow rückt zurück auf die Bank. Das klingt zunächst nach einer ganz normalen Hierarchie. Und doch steckt in der Torwartfrage des VfB ein interessantes Detail: Die Nummer zwei wird ziemlich sicher mehr spielen, als es die Bezeichnung vermuten lässt.

Fabian Bredlow hat Dennis Seimen stark vertreten.
Fabian Bredlow hat Dennis Seimen stark vertreten. © Sofiia Shahaievska

Seimen war ursprünglich als neue Nummer eins vorgesehen. Dann kam Ende Juli die Muskelverletzung im Oberschenkel, und der Plan musste warten. Fast drei Monate lang fehlte der 20-Jährige, während Bredlow einsprang und sich nach kleineren Wacklern in der Vorbereitung zunehmend stabilisierte. Der 31-Jährige hat seine Aufgabe so gut erledigt, dass beim VfB niemand von einem Notnagel spricht. „Fabi Bredlow hat einen großartigen Job gemacht“, sagte Hoeneß.

Dennis Seimen kehrt als Bundesliga-Torwart nach Paderborn zurück

Nun ist Seimen zurück. Im Test gegen Greuther Fürth vor einer Woche stand er erstmals wieder im Tor, beim 5:0 blieb er weitgehend beschäftigungslos. Es reichte dem Trainer dennoch, um die nächste Entscheidung zu treffen: Seimen wird in Paderborn spielen. Und damit an einem besonderen Ort. In der vergangenen Saison war er an den SC Paderborn ausgeliehen, stieg mit dem Klub in die Bundesliga auf und machte dort einen wichtigen Entwicklungsschritt. Nun kehrt er als Bundesliga-Torwart zurück.

Dass Seimen in Paderborn beginnt, bedeutet allerdings nicht, dass Bredlow für längere Zeit auf der Bank sitzen wird. Im Gegenteil. Die kommenden Wochen sind dafür schlicht zu voll. Neun Spiele stehen innerhalb von 29 Tagen an, vier englische Wochen in Serie. Bundesliga, Champions League und Pokal – der VfB bekommt bis zur nächsten Länderspielpause Mitte November kaum Gelegenheit zum Durchatmen. „Es ist klar, dass er das nicht alles alleine stemmen wird“, sagte Hoeneß über Seimen. „Und das ist auch nicht notwendig.“

Das ist der entscheidende Satz in der Torwartfrage. Seimen bleibt die Nummer eins, soll den Großteil der Spiele bestreiten und möglichst schnell Wettkampfrhythmus bekommen. Gleichzeitig soll Bredlow Einsätze erhalten. Wie viele und in welchen Wettbewerben, ließ Hoeneß offen. „Fabi wird – und das war auch vorher schon geplant – Spiele bekommen“, sagte er. Nur „Jobsharing“ sei dafür nicht der passende Begriff. Bredlow wisse, dass er die Nummer zwei sei. Eine klare Hierarchie also, aber eine flexible Praxis. Was auch daran liegt, dass der VfB mit Bredlow einen ziemlich komfortablen Luxus besitzt. „Wir haben ein sensationelles Torwartteam“, sagte Hoeneß.

„Wir lassen uns da in keiner Weise unter Druck setzen“

Die Belastungssteuerung ist bei Seimen besonders wichtig. Der Torwart geht in seine erste Bundesliga-Saison, dazu kommen die Champions-League-Spiele und der DFB-Pokal. Vor allem aber kommt er gerade erst aus einer langen Verletzung. Da sind die neun Spiele in 29 Tagen eben nicht nur eine Zahl. Sie bedeuten, dass der VfB praktisch jede Woche zweimal antreten wird. Und irgendwann geht es bei der Frage, wer im Tor steht, eben nicht mehr allein um die Hierarchie, sondern auch um Frische, Belastung und Rhythmus. „Wir lassen uns da in keiner Weise unter Druck setzen“, sagt Hoeneß. Weil Bredlow so gut gespielt habe, befinde man sich „in keiner Situation, irgendetwas zu entscheiden, bei dem wir uns gehetzt fühlen“.

Das ist eine durchaus bemerkenswert entspannte Haltung für einen Trainer, dessen Mannschaft nach vier Spieltagen erst drei Punkte gesammelt hat. Denn natürlich geht es bei all diesen Überlegungen nicht nur um Torhüter. Der VfB hat drei seiner ersten vier Bundesligaspiele verloren, gegen Bayern München, Hoffenheim und Borussia Dortmund. Hoeneß verweist darauf, dass gegen Hoffenheim und Dortmund mehr möglich gewesen wäre. Nun soll die lange Länderspielpause geholfen haben, die Mannschaft neu aufzustellen. „Bevor Ergebnisse erzielt werden, musst du dir Dinge erarbeiten. Und das haben wir getan“, sagt Hoeneß. Jetzt beginnt die Phase, in der sich zeigen muss, ob aus den erarbeiteten Dingen auch Ergebnisse werden. „Wir wollen jetzt loslegen, wenn man so möchte. Wir wollen Gas geben.“ Dafür braucht der VfB auch einen guten Torwart. Vielleicht sogar zwei.

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