VfB Stuttgart

Kommentar zum DFB: Wie Nagelsmann mit Deniz Undav umgeht, ist eine Frechheit!

Deniz Undav erzielte gegen Ghana das entscheidende Tor – und wurde im Anschluss vom Bundestrainer öffentlich kritisiert.
Deniz Undav erzielte gegen Ghana das entscheidende Tor – und wurde im Anschluss vom Bundestrainer öffentlich kritisiert. © Julia Rahn

Stuttgart. Deniz Undav vom VfB Stuttgart ist seit Tagen das bestimmende Thema rund um die Deutsche Nationalmannschaft. Gegen die Schweiz und Ghana durfte der statistisch gesehen beste deutsche Stürmer nur 45 Minuten ran. Die sportliche Entscheidung von Julian Nagelsmann, im Sturm auf andere Spieler zu setzen, kann man teilweise nachvollziehen. Doch wie der Bundestrainer diese Entscheidung kommuniziert und wie er sich über den Siegtorschützen gegen Ghana äußert, ist eine Frechheit. Julian Nagelsmann agiert hier unprofessionell, kommentiert unser Redakteur Simeon Kramer.

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Trotz Siegtor gegen Ghana: Nagelsmann kritisiert Undav

In diesem Kommentar geht es nicht darum, Julian Nagelsmann für seine sportliche Entscheidung rund um die Personalie Deniz Undav zu kritisieren. Dass der Bundestrainer Kai Havertz in der Startelf sieht, ist legitim. Havertz ist für das DFB-System der beste deutsche Spieler auf der Stürmerposition, geht für den Meisteranwärter der Premier League auf Torejagd und performt seit Jahren auf CL-Niveau. Auch Nick Woltemade zeigte in seiner famosen Rückrunde beim VfB und in den ersten Monaten bei Newcastle, was für ein herausragender Spieler er sein kann. Dass Nagelsmann den groß gewachsenen Stürmer angesichts der aktuellen Schwächephase nicht wie eine heiße Kartoffel fallen lässt, sondern weiter auf Woltemade setzt, ist ebenfalls nachvollziehbar.

Julian Nagelsmann sieht Deniz Undav als Stürmer Nummer drei und bei der WM in der Jokerrolle – und diese Sichtweise ist legitim. Man kann inhaltlich darüber streiten, ob der Bundestrainer damit nicht das Leistungsprinzip abschafft und einen sportlich großen Fehler macht. Undav traf immerhin zum Siegtreffer gegen Ghana und zeigte damit, dass er ein echter Torjäger ist. Doch dass Nagelsmann mit Blick auf ein wochenlanges Beisammensein bei einem anstrengenden Turnier gezwungen ist, hinter der Startelf klare „Rollen“ zu definieren, ist aus Sicht eines Trainers logisch. Dem Bundestrainer im Fall Deniz Undav deshalb böse Absichten zu unterstellen, ist Blödsinn.

Falsche Argumente: Nagelsmann-Aussagen statistisch widerlegbar

Allerdings: Nagelsmann muss für den Umgang mit der Personalie Undav und die eigenartigen Äußerungen kritisiert werden. Auf der Pressekonferenz nach dem Ghana-Spiel wischte der Bundestrainer das Undav-Siegtor lapidar zur Seite, weil dieser bis dahin „nur einmal den Ball berührt“ und nicht gut gespielt hätte. So eine Aussage könnte auch ein Kreisliga-Trainer am Stammtisch über seinen übergewichtigen Stürmer treffen. Kein Spieler dieser Welt will solche beiläufigen Äußerungen über sich und seine Leistung von seinem Cheftrainer hören – und schon gar keine öffentliche Kritik nach dem entscheidenden Tor, ohne das der DFB nur zu einem müden 1:1 gegen Ghana gekommen wäre. Die Diskussionen wären hier ganz andere gewesen.

Auch die Aussage von Julian Nagelsmann, dass Deniz Undav das Siegtor gegen Ghana vermutlich nicht gemacht hätte, wenn dieser davor bereits 70 Minuten „marschiert“ wäre, ist statistisch betrachtet falsch. Deniz Undav erzielte 50 Prozent seiner Bundesliga-Treffer (neun Tore) nach der 70. Minute, bei sieben dieser Treffer stand der VfB-Profi in der Startelf und war zuvor „marschiert“. Undavs Rolle als Joker damit zu argumentieren, dass dessen Qualitäten in der Startelf nicht zu tragen kommen und er die Tore nur mache, wenn er „frisch“ (O-Ton Nagelsmann) sei, ist an den Haaren herbeigezogen.

Bundestrainer ist selbst schuld, dass das Undav-Thema so hochkocht

Darüber hinaus reagierte Julian Nagelsmann auf die vielen Undav-Nachfragen rund um die beiden Länderspiele sichtlich gereizt und dünnhäutig, ja fast arrogant. Dabei ist der Bundestrainer durch seinen schlechten Umgang mit der Personalie Undav selbst schuld daran, dass das Thema aktuell so hochkocht. Kommunikation ist das A und O – und bei der Debatte rund um Deniz Undav agiert Julian Nagelsmann unprofessionell. Wie der Bundestrainer mit dem Stürmer des VfB Stuttgart in der Öffentlichkeit umgeht, ist für viele (auch neutrale) Fans und den Verfasser dieser Zeilen eine Frechheit. Hätte der deutsche Cheftrainer seine sportliche nachvollziehbare Entscheidung im Falle Undav sauber kommuniziert, hätte Julian Nagelsmann sich und dem DFB einen großen Gefallen getan.

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