VfB Stuttgart

Kommentar zur Bundesliga-Spielzeit des VfB Stuttgart: Warum das neue Saisonziel das alte bleiben muss

Fußball VfB Stuttgart vs. Arminia Bielefeld
Die Schwaben schaffen es zwar nicht in den Europapokal, dürfen mit ihrer Saison aber hochzufrieden sein. © Pressefoto Baumann

Auch wenn es am Ende kein „Sahnehäubchen auf die Kirsche obendrauf“ (O-Ton Sven Mislintat) gegeben hat, so konnte der VfB Stuttgart seinen Fans nach 34 Spieltagen in der Bundesliga doch eine prächtige Torte präsentieren. Als Aufsteiger haben die Stuttgarter eine beeindruckend stabile Saison gespielt - und letztlich nur knapp das internationale Geschäft verpasst.

Die junge Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo begeisterte vor allem in der Hinrunde mit mutigem Offensivfußball, sie trotzte den widrigen Corona-Umständen und zum Ende der Spielzeit auch dem Verletzungspech. Mit dem Abstiegskampf mussten sich die Weiß-Roten zu keinem Zeitpunkt ernsthaft beschäftigen. Illusionen sollte sich deshalb aber niemand hingeben. Auch in der Saison 2021/22 geht es für die Schwaben einzig und allein um den Klassenverbleib.

Es wartet ein Transfer-Sommer voller Unwägbarkeiten

Warum das neue Saisonziel das alte bleiben muss hat zwei Gründe: Zum einen sollte allen Beteiligten noch in guter Erinnerung sein, wie der Verein nach einem furiosen Premierenjahr im Oberhaus (Saison 2017/18) aufgrund katastrophaler Fehler in der Kaderplanung und eines völlig überhöhten Erwartungshorizonts erneut den Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste (Saison 2018/19). Zum anderen hält der kommende Transfer-Sommer zahlreiche Unwägbarkeiten bereit. Was wird beispielsweise aus Stammkeeper Gregor Kobel? Was aus den Angreifern Sasa Kalajdzic und Nicolas Gonzalez?

Komplizierte Kaderplanung in Corona-Zeiten

Dass alle drei gemeinsam auch in der kommenden Saison das VfB-Trikot tragen werden, gilt als unwahrscheinlich. Natürlich ist es das Wunsch-Szenario von Trainer, Sportdirektor und Fans, die aktuelle Mannschaft zusammenzuhalten. Doch das Interesse anderer Clubs wurde längst geweckt. Kalajdzic (EM mit Österreich) und Gonzalez (Copa America mit Argentinien) stehen zudem im Sommer bei großen Turnieren im internationalen Schaufenster. Lukrative Angebote werden kommen. Die Frage ist lediglich, wann die ersten Teams beim VfB anklopfen. 

Klar ist: Schon der Wegfall einer tragenden Säule könnte das stabile Mannschaftskonstrukt ins Wanken bringen. Auf Kaderplaner Mislintat wartet also erneut eine große Herausforderung. Er muss das Team mit Blick auf das Leistungsniveau der Spieler weiterentwicklen, gleichzeitig aber auch die finanziellen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Und die sind infolge der Corona-Krise nicht rosig. Bislang hat die Pandemie ein 45-Millionen-Euro-Loch ins Budget gerissen. Wie also reagieren, sollte Borussia Dortmund für Gregor Kobel 20 Millionen Euro auf den Tisch legen? Oder ein Club aus der Premiere League 30 Millionen für Kalajdzic bieten?

Die nächsten VfB-Talente stehen bereits in den Startlöchern

Sven Mislintat wird sich mit solchen Fragen zu gegebener Zeit auseinandersetzen müssen. Allzu große Sorgen sollte sich die weiß-rote Anhängerschaft dennoch nicht machen. Sollten Leistungsträger den Verein verlassen, stehen die nächsten hungrigen Talente um Ahamada, Sankoh, Churlinov und Cisse bereits in den Startlöchern. Und dass Trainer Matarazzo aus jungen Profis eine schlagkräftige Einheit formen kann, hat der smarte Italoamerikaner in dieser Saison eindrucksvoll unter Beweis gestellt. 

Womöglich dürfen in der neuen Runde auch die Fans ihre Mannschaft wieder live im Stadion unterstützen. Eine proppenvolle Mercedes-Benz-Arena wäre dabei nicht nur in engen Partien ein Vorteil, sondern womöglich auch in Verhandlungsrunden ein zusätzlicher Trumpf für Mislintat. Schließlich durfte Sasa Kalajdzic noch nie einen Treffer vor der vollbesetzten Cannstatter Kurve bejubeln. Dieses Erlebnis sollte dem Österreicher während seiner Zeit im Schwabenland schließlich keinesfalls verwehrt bleiben.