VfB Stuttgart

Nachholbedarf im Nachwuchsbereich

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Der VfB und die Porsche AG erweitern ihre Zusammenarbeit und starten in diesem Zuge eine gemeinsame Partnerschaft im Rahmen der Jugendförderung „Turbo für Talente“. © Danny Galm

Stuttgart.
Am vergangenen Samstag sicherte sich die U 19 des VfB Stuttgart durch einen 1:0-Erfolg in Augsburg auf den letzten Drücker den Klassenerhalt in der Bundesliga Süd/Südwest. Durch einen Treffer in der 87. Minute. Am letzten Spieltag der Saison.

„Wir müssen die Lehren daraus ziehen“

„Ich bin erleichtert und happy, dass es jetzt vorbei ist und wir den Abstieg verhindert haben. Nun müssen wir die Lehren daraus ziehen“, so Trainer Heiko Gerber nach dem erfolgreichen Abstiegsendspiel gegen die bayrischen Schwaben. 

Auch die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart unter der Leitung von Andreas Hinkel kann erst seit zwei Wochen sicher für ein weiteres Jahr in der Regionalliga Südwest planen. Ein 4:0-Sieg über Hessen Kassel drei Spieltage vor Schluss bescherte der Hinkel-Elf den sicheren Klassenerhalt in Deutschlands vierthöchster Spielklasse.

„In eine solche Situation dürfen wir nicht mehr geraten“

Nachdem nun beide Teams aus dem Stuttgarter Unterbau durchatmen dürfen, richten die Verantwortlichen den Blick nach vorne. Fest steht nämlich: Der VfB hat im Nachwuchsbereich einiges an Nachholbedarf. Um den einst so ruhmreichen Unterbau der Schwaben steht es schlecht.

Und das haben die handelnden Personen erkannt. „In eine solche Situation dürfen wir nicht mehr geraten“, ermahnt VfB-Sportkoordinator Marc Kienle und Präsident Wolfgang Dietrich ergänzt: „Der Abstieg der U 19 aus der Bundesliga wäre ein Riesenrückschlag für uns gewesen – gerade im Hinblick auf unsere Bemühungen.“

Ein neues finanzielles Fundament für die Nachwuchsarbeit

Mit „unsere Bemühungen“ meint der Präsident den Plan der Vereinsführung die Nachwuchsarbeit auf ein neues finanzielles Fundament zu stellen. Die erste Weiche dafür wurde bereits im vergangenen November gestellt: Porsche wird künftig Hauptsponsor der schwäbischen Kaderschmiede. Die Modernisierung der Jugendarbeit stand von Anfang an ganz oben auf Dietrichs Agenda: "Wir wollen aber wieder dahin kommen, wo wir einmal waren“, so der 68-Jährige.

Aktuell beläuft sich der Etat des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) auf rund acht Millionen Euro. Diesen Betrag möchte Wolfgang Dietrich verdoppeln und so die Jugend vom Geldhahn der Profis loslösen. Dafür befinden sich Dietrich und Marketingvorstand Jochen Röttgermann seit Wochen auf Werbetour – klinkenputzen bei potentiellen Geldgebern ist angesagt.

Der VfB muss modernisieren

Knapp die Hälfte des Geldes haben Dietrich und sein Team bereits zusammen. Bis zum Jahresende sollen weitere neue Partner für das NLZ gefunden und so der Nachwuchsbereich finanziell auf eigene Beine gestellt werden. Ziel ist es auch in der Nachwuchsarbeit wieder zu einer Top-Adresse in Deutschland zu werden.

Vorbei sind die Zeiten, als der frühere VfB-Präsident Bernd Wahler noch stolz vom VfB als deutschem Jugendrekordmeister gesprochen hat. Inzwischen wurden die Schwaben im Jugendbereich von anderen Vereinen überholt. Gerade was die Infrastruktur der Trainingsanlagen rund um die Mercedesstraße angeht, spielen die Stuttgarter längst nicht mehr in der ersten Liga. Für die sportliche Leitung um Sportvorstand Jan Schindelmeiser ist klar: Der VfB muss modernisieren.

Zu den größten Problemen der Stuttgarter gehören die räumlichen Verhältnisse an der Mercedesstraße. Immer wieder müssen Jugendmannschaften auf öffentliche Plätze ausweichen, weil zu wenige Rasenplätze zur Verfügung stehen.

Frisches Geld durch die Ausgliederung

Und die neue Vereinsführung um Präsident Dietrich stellt Besserung in Aussicht: Konkrete Pläne für die Um- und Neugestaltung der Trainingsplätze liegen in der Schublade und warten nur auf ihre Umsetzung. Doch dafür benötigt der VfB frisches Geld.

100 Millionen Euro Investorengeld erhoffen sich die Macher im roten Haus von der geplanten Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG. 41,5 Millionen will die Daimler AG im Falle einer Ausgliederung und eines Aufstiegs in die Bundesliga direkt in den Verein pumpen. Fünf Millionen Euro davon sollen in den Umbau der alten Trainingsplätze fließen.

Eine Dreiviertelmehrheit benötigt die Vereinsführung auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1. Juni, um ihre Ausgliederungs-Pläne in die Tat umzusetzen. Entscheiden sich die Mitglieder des VfB gegen eine Ausgliederung, dann rollen an der Mercedesstraße wohl vorerst keine Bagger.