VfB Stuttgart

Ordentlich Druck auf dem VfB-Kessel: Wie die Eskalation verhindert werden soll

Sven Mislintat
VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. © Danny Galm

Es gibt Redebedarf beim VfB Stuttgart. Mal wieder. In einem Interview hat Sportdirektor Sven Mislintat die Vereinsführung mit Blick auf die Suche nach einem neuen Sportvorstand und einem zweiten Investor in die Pflicht genommen. Es ist also wieder ordentlich Druck auf dem Kessel. Und viele Fans schütteln mit dem Kopf. Wie nun die Eskalation verhindert werden soll.

Die dunkelroten Alarmglocken schrillen

Zahlreiche Anhänger haben den gewaltigen Konflikt zwischen e.V.-Präsident Claus Vogt und AG-Boss Thomas Hitzlsperger rund um den Jahreswechsel 2020/21 noch in frischer Erinnerung. Als da am Sonntag (28.11.) Sven Mislintat mit einigen brisanten Aussagen den Weg in die Öffentlichkeit suchte, schrillten vielerorts die dunkelroten Alarmglocken. Wie so oft ist die Konfliktlage erklärungsbedürftig. Also: Was ist eigentlich passiert?

Die Kurzform: Hitzlsperger wird den VfB spätestens im Oktober 2022 verlassen. Neben seinem Amt als Vorstandsvorsitzender wird damit auch der Posten des Sportvorstandes frei. Diese Aufgaben hatte der Ex-Profi in Personalunion bekleidet, wobei Sportdirektor Mislintat (in der Hierarchieebene unterhalb des Vorstandes angesiedelt) im Sportbereich mit weitreichenden Kompetenzen und Freiheiten ausgestattet wurde. Sollte nun ein externer Sportvorstand kommen, sieht Mislintat sein Projekt in Gefahr. Deshalb der öffentliche Vorstoß. 

Mislintat selbst hegt weiter keinerlei Ambitionen auf einen Vorstandsposten

Der Stuttgarter Kaderplaner schlägt eine interne Lösung vor und bringt die Namen Markus Rüdt (Direktor Organisation) und Thomas Krücken (Direktor Nachwuchs) ins Spiel. Gemeinsam mit Mislintat bildet das Trio ein eingespieltes Team. Mislintat selbst hegt dabei weiter keinerlei Ambitionen auf einen Vorstandsposten. Er will lediglich den maßgeblich von ihm entworfenen Stuttgarter Weg beschützt wissen. Und unter dem Motto „Junge Wilde 2.0“ soll es perspektivisch vorangehen.

Daher auch sein Appell in Richtung des Aufsichtsrats, dass der Suche nach einem zweiten Investor eine „zentrale Rolle“ zukommen müsse. Andernfalls müsse man in den kommenden Transferperioden erneut durch Spielerverkäufe Geld in die klammen Kassen bringen, was wiederum die sportliche Entwicklung der jungen Mannschaft gefährden, womöglich sogar unmöglich machen würde.

Im Kern mal wieder ein Kommunikationsproblem

So weit zur Ausgangslage. Aber warum schaukelt sich die Thematik ausgerechnet jetzt hoch? Im Nachgang an eine Aufsichtsratssitzung am 21. November wurde eine Shortlist mit potenziellen Vorstandskandidaten (Alexander Wehrle vom 1. FC Köln) und einem potenziellen externen Sportvorstand (Joti Chatzialexiou vom DFB) publik. Sehr zum Ärger von Sven Mislintat.

Dabei liegt der gesamten Thematik einmal mehr ein Kommunikationsproblem zugrunde. Zum einen, weil Mislintat anprangert, „zuletzt auch nicht mehr kommunikativ“ in die Suche nach einem neuen Sportvorstand eingebunden zu sein. Zum anderen, weil aktuell nur eine Sichtweise der Dinge öffentlich bekannt ist. Hinzu kommt, dass die internen Differenzen ganz offensichtlich nicht im Vorfeld aus der Welt geschafft werden konnten.  

Zu viele offene Fragen

Während die eine Seite ihre Position via Interview mit der Stuttgarter Zeitung unmissverständlich klargemacht hat (Mislintat), schweigt sich die andere Seite weiter aus (Aufsichtsrat/Vogt). Dazwischen stehen Fans und Mitglieder. Die Verwirrung und das Unverständnis sind groß. Mal wieder. Zu viele entscheidende Fragen sind offen: Soll der Sportvorstandsposten überhaupt neu besetzt werden? Bis wann soll eine Entscheidung fallen? Und was ist eigentlich das Anforderungsprofil für den neuen CEO? Statt proaktiv zu kommunizieren, muss jetzt wieder reagiert und der Schaden begrenzt werden. 

Aber wie soll das gelingen, wie eine Eskalation verhindert werden? Eine öffentliche Replik des Aufsichtsrates bzw. seines Vorsitzenden Claus Vogt wird es vorerst wohl nicht geben. Wie zu hören ist, will man zunächst intern das Gespräch suchen, um Druck aus dem Kessel zu nehmen. Ob das in der aktuellen Situation der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Immerhin fliegen dieses Mal keine vergifteten offenen Briefe durch die Gegend. 

Irritiert ist die Klubführung laut einem kicker-Artikel über das Vorgehen des Kaderplaners dennoch. Demnach wurde Mislintat nach Bekanntwerden der Personalie Hitzlsperger mehrmals gehört und durfte offenbar selbst Kandidaten vorschlagen, die im Rahmen des Auswahlverfahrens bei den Verantwortlichen im Aufsichtsrat landeten. 

Präsident Vogt ist als Vermittler gefordert

Die aktuelle Situation scheint zerfahren, aber nicht unlösbar. Mislintat kämpft um sein Projekt. Der Weg über die Öffentlichkeit sorgt zwar für Unruhe und wird von manchem als schlechter Stil kritisiert, bot dem Transferexperten aber die wohl beste Möglichkeit, seinen Standpunkt unmissverständlich klarzumachen. Präsident Claus Vogt ist jetzt als Vermittler gefordert. Auf ihn wartet nach seiner triumphalen Wiederwahl im Sommer nun eine erste Bewährungsprobe. Er muss verhindern, dass die Fans wieder mit einem großen Knall ins neue Jahr geschickt werden. Schließlich kann sich der VfB nicht jedes Jahr einen Konflikt vom Kaliber des letzten Winters leisten.

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