VfB Stuttgart

Präsidentenwahl beim VfB Stuttgart: Aufregung um Pierre-Enric Steiger und die Telefon-Falle

Kopie von Steiger
Pierre-Enric Steiger sorgte mit seinen Aussagen im ZVW-Podcast "Wir reden über den VfB" für Wirbel. Laut Blogger Ron Merz soll er darin Unwahrheiten verbreitet haben. © privat

Wurde Präsidentschaftskandidat Pierre-Enric Steiger in eine Telefonfalle gelockt? Diesen Vorwurf erhebt der Bewerber für das Präsidenten-Amt beim VfB Stuttgart in der aktuellen Folge des ZVW-Podcasts „Wir reden über den VfB“. Die Aussage sorgt für Empörung in den sozialen Medien, insbesondere auf Twitter wird Steiger der Lüge bezichtigt. Wir beleuchten den Vorfall erneut und lassen den Blogger Ron Merz zu Wort kommen.

Der Auslöser: ein Blog-Eintrag vom 10. Juni

Die Debatte rund um die Telefon-Falle wurde durch einen Blog-Eintrag ins Rollen gebracht. Ron Merz schreibt in seinem Blog „NACHSPIELZEIT“ über den Traditionsverein aus Bad Cannstatt, im Fokus stehen Themen abseits des sportlichen Geschehens. Am 10. Juni verfasste Merz einen Eintrag mit dem Titel „Cold Calls“. In diesem beschreibt er den Telefon-Wahlkampf des Kandidaten Pierre-Enric Steiger.

Merz habe bereits mehrfach von Telefon-Anrufen Steigers gehört, mit denen er Wahlkampf betreibt. Im Zentrum steht dabei ein Anruf bei einer Mitarbeiterin des VfB Stuttgart. Der Bewerber aus Winnenden soll diese proaktiv kontaktiert, angeschrieben und angerufen haben. Als Kontaktmann diente dabei ein Mitarbeiter aus dem Wahlkampf-Team von Steiger, das Telefonat soll rund eine Stunde gedauert haben.

Kritisiert wird in dem Blog-Eintrag vor allem, der Präsidentschaftsbewerber würde in der Öffentlichkeit für Transparenz und einen fairen Wahlkampf einstehen. Hinter dem Rücken greife er aber zu intransparenten Wahlkampf-Methoden wie der Gewinnung von Stimmen durch Telefon-Akquise. Steiger würde „im Hintergrund schwere Geschütze auffahren“ und damit den Mitbewerber Claus Vogt sowie Teile der Mitglieder diskreditieren.

Der ZVW-Podcast: Steiger bezieht Stellung – gab es eine Telefon-Falle?

Angesprochen auf die Vorwürfe im Merz-Blog und diversen Twitter-Fragen sagte Steiger im ZVW-Podcast: Das, was auf Twitter und in dem Blog-Eintrag vorgetragen werde, wolle er „deutlich zurückweisen.“ Es habe genau zwei Telefonate gegeben, in einem Fall ging es um das Gespräch mit der VfB-Mitarbeiterin. Weiter stellte er klar: Außer diesen Telefonaten gab es keinerlei Akquise. Derzeit würden „viele Dinge gestreut, die tatsächlich jeglicher Grundlage entbehren.“

Auch den Ablauf vor dem Telefonat wollte der Winnender Bewerber nochmal genau darlegen. Der Kontaktmann aus seinem Wahlkampf-Team habe das Telefonat mit der VfB-Mitarbeiterin eingefädelt, so Steiger. Dieser habe zu ihm gesagt. er solle die VfB-Angestellte anschreiben, da sie sich gerne mit ihm unterhalten würde. Sie hätte gerne einen Anruf von ihm und er solle sich bei ihr per WhatsApp melden.

Nachdem Steiger die Frau per WhatsApp kontaktiert hatte, soll sie ihm eine Uhrzeit für das Telefonat genannt haben. Das Telefonat habe laut Steiger zwei oder drei Tage nach der Nominierung stattgefunden. Er könne es nicht mehr genau sagen, aber „es wird so der 14./15. Mai gewesen sein.“

Der Präsidentschaftskandidat sieht in dem Vorfall aber nicht nur ein einfaches Telefonat mit einer VfB-Mitarbeiterin: „Mittlerweile […] drängt sich mir der Verdacht auf, das wurde arrangiert.“ Er wolle auch nicht ausschließen, dass das Telefonat aufgezeichnet wurde. „Ich bin überrascht, wie lange es gedauert hat, das Telefonat zu platzieren.“ Dass es dann genau einen Tag vor der Veröffentlichung seines Zukunftspapiers in den sozialen Medien auftauchte, lasse darauf schließen, dass damit eine Diskussion aufgemacht werden sollte. 

Die Gegendarstellung: Das sagt der Blogger Ron Merz

Ron Merz reagierte prompt auf die Darstellung von Pierre-Enric Steiger. Auf Twitter schrieb er am Donnerstagabend (17.06.), dass der Kandidat im ZVW-Podcast Aussagen getroffen habe, die "ich so nicht stehen lassen will, da sie teilweise schlicht unwahr sind“. Der Blogger führte weiter aus, dass nicht die VfB-Mitarbeiterin den Kontakt zu Steiger gesucht, sondern dass umgekehrt dessen Wahlkampf-Team das gemacht habe.

Das Telefonat habe zudem am 20. Mai stattgefunden und nicht ein paar Tage vorher. Steigers Darstellung, das Telefonat sei arrangiert und aufgezeichnet worden, sei außerdem der durchsichtige Versuch, sich als Opfer darzustellen.

Im Telefonat mit unserer Redaktion bestätigte Merz am Freitagmittag (18.06.), dass seine Darstellung nach wie vor aktuell sei und aus seiner Sicht der Wahrheit entspreche. Er führe allerdings keinen Privatkrieg gegen Steiger: „Mir ist wichtig, aufzuzeigen, dass der Wahlkampf hintenrum nicht ganz so sauber ist, wie er dargestellt wird.“ Er habe die Aussagen von Steiger, die er als unwahr empfindet, klarstellen wollen.

Zudem sei die Art, wie Pierre-Enric Steiger auf die Debatte reagiere, eine Charakterstudie. „Dinge an die Öffentlichkeit zu tragen, die nicht wahr sind, wirft ein anderes Licht auf ihn.“ Merz weiter: Er wolle, dass sich jeder ein Bild von dem Präsidentschaftskandidaten machen kann. Zudem sei es ein No-Go, die VfB-Mitarbeiterin so zu beschreiben, dass sie öffentlich identifizierbar sei. Damit habe Steiger die Rechte dieser Person verletzt.

Er würde sich wünschen, dass der Kandidat diese Debatte rund um die vermeintliche Telefon-Falle als Anlass nehmen würde, sich nochmal zu hinterfragen. Nämlich, ob die Art, wie er sich in dieser Thematik gibt, geeignet für einen Präsidentschaftskandidaten ist.

Erneute Stellungnahme von Steiger: Auf Inhalte konzentrieren

Auch Pierre-Enric Steiger haben wir im Zuge dieses Artikels kontaktiert, um ihm die Chance auf eine Stellungnahme zu geben – die er auch lieferte.

Beim VfB gehe es um Inhalte, die er präsentiert habe. Über diese sollte man sich austauschen und darüber inhaltlich diskutieren. Zu den Vorwürfen des Telefon-Wahlkampfes betonte Steiger zum Abschluss: „Es hat zu keinem Zeitpunkt die durch Ron Merz unterstellte ,Kalt- oder Warmakquise' an Telefonaten gegeben. Die Schlussfolgerungen entbehren jeglicher Grundlage.“

Das ist Ron Merz:

Der 45-Jährige bloggt und schreibt für „NACHSPIELZEIT“ und „Brustring1893.“  Merz gilt als eines der führenden Sprachrohre der kritischen VfB-Fanszene, die ganze genau auf die Geschehnisse rund um den Traditionsverein schaut. Er war schon Gast bei „Sport im Dritten“ und setzt sich für eine Änderung der Vereinssatzung ein.