Seimen-Comeback in Sicht, Lob für Bredlow: Wie Hoeneß mit den VfB-Keepern plant
Stuttgart. Fabian Bredlow ist dieser Tage eine ziemlich verlässliche Konstante beim VfB Stuttgart. Er steht im Tor, wenn er gebraucht wird, hält, was zu halten ist, und macht es seinem Trainer damit nicht gerade leichter. Am Samstagabend gegen Borussia Dortmund (18.30 Uhr/Sky) wird der 31-Jährige erneut zwischen den Pfosten stehen. Dabei ist die eigentliche Nummer eins längst wieder in Sichtweite: Dennis Seimen arbeitet nach seiner Oberschenkelverletzung an seinem Comeback. Und so stellt sich beim VfB eine Frage, die vor ein paar Wochen noch ziemlich eindeutig beantwortet schien: Was passiert, wenn Seimen wieder fit ist? Cheftrainer Sebastian Hoeneß gibt darauf eine klare Antwort.
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Sie lautet: erst einmal gar nichts. Jedenfalls nichts am grundsätzlichen Plan. Vor der Saison hatte sich der Trainer auf den 20-jährigen Seimen als Nummer eins festgelegt. Daran, betonte Hoeneß, habe sich auch durch die starken Auftritte von Bredlow nichts geändert. „Jetzt schauen wir erst mal, dass Dennis fit wird. Trotzdem ist es so, dass wir eine Idee hatten vor der Saison. Die haben wir auch kommuniziert und daran hat sich jetzt auch nichts geändert“, sagte Hoeneß.
Warum Fabian Bredlow für den VfB so wertvoll ist
Das ist das eine. Das andere ist Bredlow. Denn der Ersatzmann tut derzeit genau das, was sich ein Trainer von einem Ersatzmann wünscht: Er ist da, wenn er gebraucht wird. Und er ist dabei nicht nur irgendwie da, sondern ziemlich überzeugend. „Wir haben natürlich sehr positiv zur Kenntnis genommen, dass Fabi genau das tut, was wir von ihm erwarten: Dass er eine sehr starke Nummer zwei ist, wenn er gebraucht wird“, sagte Hoeneß. Für ihn sei dies „einmal mehr ein Beweis dafür, dass Fabi ein richtig guter Torwart ist“.
Bredlow hat damit einmal mehr seinen Wert für den VfB unterstrichen. Seit Juli 2019 steht der gebürtige Berliner in Stuttgart unter Vertrag, gemeinsam mit Atakan Karazor ist er der dienstälteste Profi im Kader. Hinter Gregor Kobel, Florian Müller und Alexander Nübel war er schon die Nummer zwei. Und blieb dabei stets, was er ist: zuverlässig, loyal, professionell. Große Gesten sind nicht sein Ding.
„Im Rampenlicht wollte ich jetzt nicht unbedingt stehen“, sagte Bredlow zuletzt. Andererseits kann er mit der Aufmerksamkeit durchaus leben. „Für mich war immer klar die Prämisse: Ich will Gas geben, mich durchsetzen und dementsprechend spielen und gute Leistungen bringen. Das ist mir bisher gelungen und es geht hoffentlich genau so weiter.“
Dennis Seimen zurück auf dem VfB-Trainingsplatz
Genau das macht die Angelegenheit interessant. Denn während Bredlow derzeit Spielpraxis sammelt, muss Seimen erst wieder dorthin kommen, wo ihn der VfB vor der Saison gesehen hat. Der hoch veranlagte Torhüter soll in der Länderspielpause endgültig ins Mannschaftstraining zurückkehren. Am Dienstag war er erstmals wieder mit dem kompletten Torwartteam auf dem Platz. Bei den Spielformen mit der Mannschaft stand Seimen zwar noch nicht im Tor, absolvierte aber die gesamte Einheit mit Torwarttrainer Steffen Krebs auf dem Nebenplatz. Der Heilungsverlauf liegt damit im Plan. Und auch der Spielplan hält bereits zwei mögliche Stationen für Seimens Rückkehr bereit: Am 25. September geht es in einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Heidenheim, am 1. Oktober gegen die SpVgg Greuther Fürth. Zwei Tests, in denen Seimen Spielpraxis sammeln könnte.
Das Pflichtspiel-Comeback könnte für Seimen zudem an einem bemerkenswerten Ort stattfinden. Nach der Länderspielpause tritt der VfB am 10. Oktober beim SC Paderborn an – ausgerechnet bei jenem Klub, an den Seimen in der vergangenen Saison ausgeliehen war. Bis dahin soll der 20-Jährige wieder einsatzfähig sein. Ob er dann jedoch sofort ins Bundesliga-Tor rückt, ist allerdings eine andere Frage. Denn Torhüter brauchen nach einer Verletzung nicht nur medizinische Freigabe, sondern auch Trainings- und Spielpraxis. Und Bredlow hat in der Zwischenzeit keinen Anlass geliefert, ihn einfach aus dem Tor zu nehmen. Die Entscheidung wird deshalb auch davon abhängen, wie schnell Seimen wieder bei einhundert Prozent ist. Der VfB hat sich auf eine Nummer eins festgelegt. Er hat aber auch eine Nummer zwei, die gerade eindrucksvoll zeigt, warum sie diesen Platz verdient.
Bredlow als Wunsch-Nummer-zwei eines Trainers
Denn Bredlows besonderer Wert für den VfB besteht nicht nur darin, dass er einspringen kann, wenn die Nummer eins ausfällt. Er kann es auf einem Niveau, das dem Team Sicherheit gibt – und er weiß zugleich, dass seine Aufgabe darin besteht, Seimen den Platz wieder zu überlassen, sobald der eigentliche Plan greift. Klaglos, professionell, ohne Nebengeräusche. Genau deshalb ist Bredlow die Wunsch-Nummer-zwei eines Trainers. Für den VfB ist das eine Luxussituation. Und zugleich der vielleicht letzte Beweis dafür, dass es im Sommer keinen Grund gab, nach Seimens Verletzung hektisch zu werden und noch einen weiteren Torwart zu verpflichten.



