VfB Stuttgart

Spielerverkäufe drohen: Wie sich der VfB durch die Corona-Pandemie kämpft

Geschäftsstelle VfB Stuttgart, VfB, Symbolbild
Die Lage am roten Clubhaus ist ernst: Die Corona-Pandemie macht dem VfB Stuttgart schwer zu schaffen. © Danny Galm

Leeres Stadion, Umsatzverluste und Kurzarbeit: Die Corona-Pandemie trifft auch den VfB Stuttgart mit voller Wucht. „Die Lage ist angespannt“, sagte Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger zuletzt bei SWR Sport. Doch wie ernst steht es um die finanzielle Lage der Schwaben wirklich? Welche Umsatzeinbußen mussten die Schwaben bislang hinnehmen und wie lange kann sich der VfB noch über Wasser halten? Droht im Sommer womöglich erneut der Verkauf von Leistungsträgern wie Silas oder Sasa Kalajdzic? Wir haben an der Mercedesstraße nachgehakt.

Geisterspiele aus finanzieller Sicht eine Katastrophe

Seit knapp zwei Jahren kämpfen die Bundesliga-Proficlubs mit den finanziellen Folgen der Corona-Pandemie. „Wir sind nicht alleine“, stellt Thomas Hitzlsperger klar. Doch den VfB Stuttgart trifft es besonders hart. Die Abstiege von 2016 und 2019 haben den Schwaben geschadet. „Das hat uns zurückgeworfen“, sagt Hitzlsperger. Die finanzielle Ausstattung vor Beginn der Pandemie sei nicht die beste gewesen. „Wir kämpfen uns durch“, beschreibt der scheidende AG-Boss die aktuelle Lage.

Rund 60 Millionen Euro hat der VfB seit Pandemiebeginn verloren. Das teilte der Bundesligist auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Die Summe ergibt sich aus dem Umsatzverlust abzüglich der bereits getroffenen Einsparmaßnahmen. Der Rückgang sei vor allem „auf fehlende Ticketeinnahmen und sonstige Einnahmeverluste in direktem Bezug zum Stadionbetrieb zurückzuführen“, heißt es aus dem roten Clubhaus. Darüber hinaus habe es auch im Sponsoringbereich und bei den TV-Erlösen Verluste gegeben.

Finanzvorstand Ignatzi macht klar: Die Lage ist ernst

Die Hauptursache für die finanzielle Schieflage sind demnach die Geisterspiele. „Jedes Heimspiel ohne Zuschauer reißt uns ein Loch rein“, so Hitzlsperger jüngst gegenüber dem SWR. Zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Euro verliert der VfB pro Geister-Heimspiel. Die aktuelle Omikron-Welle zerschlägt derweil die Hoffnung der Schwaben, in naher Zukunft wieder Zuschauer in die Mercedes-Benz-Arena zu lassen. Mit jeder neuen Verordnung und politischen Entscheidung wird die Luft an der Mercedesstraße dünner.

Finanzvorstand Dr. Thomas Ignatzi macht gegenüber unserer Redaktion klar, wie ernst die Lage ist. Das Geschäftsmodell Profifußball funktioniere auf Dauer für einen Traditionsverein wie den VfB nicht, wenn „mit den Zuschauern eine sowohl wirtschaftlich als auch emotional existenzielle Säule wegbricht“. Ignatzi warnt: „Deshalb müssen wir schnellstmöglich zurück in einen Spielbetrieb mit einer Stadionauslastung kommen, die planbar und wirtschaftlich ist. Dafür liegen alle nötigen und bewährten Infektionsschutzkonzepte vor, die einen Stadionbesuch sicher machen.“

Muss der VfB im Sommer wieder Spieler verkaufen?

Sollten nicht bald wieder Fans ins Stadion strömen und die klammen Kassen der Schwaben füllen, droht ein Szenario, das schon im Sommer 2021 eingetreten ist: Durch den Verkauf von Leistungsträgern müssen die Finanzlöcher gestopft werden.

„Spielerverkäufe gehören zum Geschäft und das Schaffen von Transferwerten ist ein wichtiger Teil unserer Strategie“, erklärt Thomas Hitzlsperger auf Nachfrage unserer Redaktion. „Wir wirtschaften mit Augenmaß und müssen in der aktuell sehr schwierigen Lage die richtige Balance finden, auf der einen Seite zu sparen und zugleich die sportliche Substanz des VfB nicht im großen Maße zu beschädigen.“

Müssen sich die VfB-Fans nun Sorgen machen, dass Leistungsträger wie Sasa Kalajdzic oder Silas Katompa Mvumpa im Sommer verkauft werden müssen? „Wir wollen Transfers, die auf Kosten unserer Wettbewerbsfähigkeit gehen, so weit wie irgend möglich vermeiden“, betont Hitzlsperger. Aber: „Ob und wie wir das schaffen, wird sich im Sommer zeigen und hängt unter anderem von der Entwicklung der Pandemie ab.“

Wie läuft die Suche nach einem oder mehreren Investoren?

Den Stuttgarter Verantwortlichen sind also die Hände gebunden. Hitzlsperger, Ignatzi und Co. haben entsprechende Konzepte vorgelegt und verdeutlicht, wie kritisch die Situation ist. Doch die aktuelle Corona-Lage ist unübersichtlich, jedes Bundesland handhabt das Corona-Krisenmanagement anders. Während bei Union Berlin noch Mitte Dezember immerhin 5000 Zuschauer ins Stadion durften, herrscht beim VfB schon seit Wochen tote Hose. Doch es gibt neben der Zuschauerkomponente auch andere Möglichkeiten, die finanziellen Auswirkungen der Pandemie abzufedern.

Zum einen könnte ein zweiter Investor für Entlastung sorgen. Vorgemacht hat das der FC Augsburg, der durch den Einstieg eines US-Investors plötzlich einen Winter-Transfer in Höhe von 16 Millionen Euro tätigen kann. Wie läuft also die Suche nach einem zweiten Investor an der Mercedesstraße?

"Ein oder mehrere weitere Investoren sollten zum VfB und unserer Strategie passen. Wir sind in kontinuierlichen Gesprächen", heißt es dazu knapp. Nach dem Einstieg des Anker-Investors Daimler im Sommer 2017, der 11,75 Prozent der VfB AG für 41,5 Millionen Euro erworben hat, läuft die Suche nach einem zweiten Investor immer noch. Bereits im April 2019 kündigte der damalige Ex-Präsident Wolfgang Dietrich an, bis zum 30. Juni einen zweiten Investor zu präsentieren - doch bis heute konnte keiner gefunden werden.

Erneuter Gehaltsverzicht kein Thema beim VfB

Woran liegt es, dass sich die Schwaben so schwer tun, einen neuen Geldgeber an Bord zu holen? Auch hier macht die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Während so gut wie jedes Unternehmen auf der Welt mit Umsatzverlusten und Kurzarbeit kämpft, erscheint ein millionenschweres Investment bei einem Bundesligisten fast ausgeschlossen. Dem VfB bleibt also nichts anderes übrig, als weiter zu suchen und auf einen zeitnahen Abschluss der Gespräche zu hoffen. 

Doch es gibt noch eine zweite Möglichkeit, um Geld einzusparen: ein Gehaltsverzicht der Profis. Wie Thomas Hitzlsperger bereits bei SWR Sport mitteilte, soll das Thema allerdings das letzte Mittel sein. "Jeder, der einen Vertrag unterschreibt, geht davon aus, dass diese vertragliche Leistung erfüllt wird. Wenn wir nicht schaffen, das zu tun, haben wir unseren Job nicht gemacht." Dass Kapitän Wataru Endo und Co. bald wieder auf Teile ihres Gehalts verzichten müssen, solle "wirklich das letzte Instrument" sein.

Immerhin gibt es auch gute Nachrichten für die Stuttgarter Verantwortlichen: Auf die Fans ist und bleibt Verlass. "Dank unserer treuen Fans haben wir beim Merchandising dagegen keinen Einbruch verzeichnet, sondern konnten viele entgangene Umsätze aus den Shops online wieder ausgleichen", heißt es von Seiten des Klubs. Auch die Resonanz auf das symbolische Fan-Ticket für Spiele ohne Zuschauer zeigt: Die weiß-roten Anhänger stehen hinter ihrem Verein. Ein großes Trost-Pflaster in aktuell turbulenten Zeiten.

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