VfB Stuttgart

Stiller wieder nicht nominiert: Herr Nagelsmann, das ist ein Fehler! (Kommentar)

Angelo Stiller klatscht bei einer Auswechslung mit Bundestrainer Julian Nagelsmann ab.
Angelo Stiller klatscht bei einer Auswechslung mit Bundestrainer Julian Nagelsmann ab. © Horst Mauelshagen

Stuttgart. Der Kader der deutschen Nationalmannschaft für die WM-Tests gegen die Schweiz (27.03.) und Ghana (30.03.) steht fest. Julian Nagelsmann verkündete sein Aufgebot am Donnerstagmittag auf einer Pressekonferenz. Vom VfB Stuttgart sind Deniz Undav, Jamie Leweling, Alexander Nübel und etwas überraschend Josha Vagnoman dabei. Doch ein Name fehlt: Angelo Stiller. Der Mittelfeldmotor der Schwaben wurde vom Bundestrainer nicht nominiert – und damit schon wieder ignoriert. Das ist ein Fehler, kommentiert unser VfB-Reporter Simeon Kramer.

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VfB Stuttgart: Angelo Stiller fehlt im DFB-Kader

Schon vor knapp zweieinhalb Wochen gingen sie los, die Diskussionen um den Kader für die anstehenden Länderspiele gegen die Schweiz und Ghana. In einem brisanten Interview mit dem Kicker (Link zum Artikel) äußerte sich Julian Nagelsmann zu seinen Plänen für die bevorstehende WM im Sommer. Der Bundestrainer kommentierte öffentlich die Leistungen einzelner Spieler und ließ vorsorglich durchblicken, dass er im Bezug auf den WM-Kader ein paar Entscheidungen treffen werde, die in der breiten Öffentlichkeit „vermutlich nicht auf supergroßes Verständnis“ stoßen dürften. Damit hat der Bundestrainer den Ton gesetzt – und die Türe für Spekulationen meterweit aufgestoßen.

Dass sich ein Bundestrainer vor einem großen Turnier auf diese Art und Weise (auch noch öffentlich) zu einzelnen Spielern äußert, ist befremdlich. So gab Nagelsmann etwa Goretzka eine Einsatzgarantie, auch Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha galten im Vorfeld auf der Sechserposition gesetzt. Und zwischen den Zeilen des Interviews war auch zu lesen: Angelo Stiller ist wohl keine Option für den Bundestrainer. Diese Annahme wurde durch die Bekanntgabe des DFB-Kaders nun bestätigt.

DFB-Nominierung: Bundestrainer will mit diesem Kader zur WM

Julian Nagelsmann verzichtet erneut auf Angelo Stiller. Man könnte auch sagen: Der Bundestrainer ignoriert den Mittelfeldmotor des VfB Stuttgart – schon wieder. Der 24-Jährige stand zuletzt im September gegen die Slowakei auf dem Platz und wurde im Anschluss an die 0:2-Niederlage zum inoffiziellen Sündenbock erklärt. Danach saß der Profi dreimal auf der Bank, ehe er für die Länderspiele im November gar nicht mehr nominiert wurde. Auch in dieser Länderspielperiode fehlt Stiller. Dafür steht aber beispielsweise Pascal Groß im DFB-Kader, der lange bei Borussia Dortmund gar keine Rolle spielte und jetzt erst in England bei Brighton langsam auftaut.

Es ist daher unverständlich, dass Julian Nagelsmann mit Angelo Stiller auf einen der spielstärksten Sechser in Deutschland verzichtet. Der Mittelfeldmann spielt bei einem Champions-League-Aspiranten auf Topniveau, hat (bis auf das Rom-Spiel) jedes Pflichtspiel absolviert und ist für den VfB Stuttgart unverzichtbar. Obwohl der Bundestrainer Angelo Stiller auf der Pressekonferenz als „herausragend guten Fußballer“ bezeichnet, sieht er den VfB-Profi nicht als Startelf-Kandidaten – auch aufgrund von „innerlichen Themen“.

Kritik: Julian Nagelsmann sollte nach Leistung aufstellen

Damit bezieht sich Nagelsmann wohl auf seine Aussagen im Kicker -Interview. Manche Profis würden sich nicht als Spieler Nummer 15 oder Nummer 16 eignen, obwohl sie in ihren Vereinen gesetzt sind, so der Bundestrainer vor knapp zweieinhalb Wochen. Man könnte daher auch flapsig sagen: Stiller ist einer der „Stinkstiefel“, die der Bundestrainer als Ersatzspieler nicht gebrauchen kann. Pascal Groß ist dafür wohl geeigneter: „Ich sehe Ange nicht in der ersten Elf und wir haben uns dafür entschieden, die Positionen dahinter anders zu besetzen“, so Nagelsmann auf der Pressekonferenz. Noch Fragen?

Damit macht der Bundestrainer einen Fehler: Er nominiert nicht nach Leistung. Und darum sollte es bei einer Kadernominierung für die deutsche Nationalmannschaft in erster Linie gehen. Auch VfB-Trainer Sebastian Hoeneß weiß: „Angelo Stiller ist ein Spieler, der mit seiner Spielweise vielen Mannschaften helfen kann.“ Denn Fakt ist: Der Linksfuß würde der DFB-Elf aus fußballerischer Sicht guttun, vor allem gegen tief stehende Gegner mit viel Ballbesitz in den eigenen Reihen – doch Julian Nagelsmann sieht das wohl anders.

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