Stuhl fliegt aufs Spielfeld: Hitzige Szenen zwischen VfB und BVB – was war los?
Stuttgart. Der VfB Stuttgart hat das Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund spät mit 0:2 (0:0) verloren. Nach dem zweiten Dortmunder Tor durch Julian Brandt spielten sich tumultartige Szenen im Stadion ab: Durch den ausgiebigen BVB-Torjubel vor der Cannstatter Kurve fühlten sich Teile der VfB-Fans provoziert, sprangen aus der Fankurve in den Stadion-Innenraum und warfen unter anderem einen Stuhl aufs Spielfeld. Auch die beiden Trainer, Sebastian Hoeneß und Nico Kovac, gerieten nach dem Schlusspfiff aneinander und lieferten sich ein hitziges Wortgefecht. Wir erklären, was in der Schlussphase los war.
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VfB Stuttgart: Fans fühlen sich von BVB-Profis provoziert
Zweimal in der Schlussphase nicht aufgepasst, zweimal bitter bestraft: Der VfB Stuttgart hatte gegen Borussia Dortmund einen Punkt sicher, erlaubte sich tief in der Nachspielzeit dann aber zwei kleine Fehler. Erst klärte Jeff Chabot einen Kopfball genau vor die Füße von Karim Adeyemi (90.+4), dann traf Julian Brandt mitten ins VfB-Herz (90.+6). Beide Dortmunder Tore fielen vor der Cannstatter Kurve – und vor allem nach dem zweiten Tor jubelten die Gäste auffällig lange und ausgiebig vor den VfB-Fans, etwa zehn Meter von der Torauslinie entfernt.
Diese Jubelszenen gefielen den Stuttgarter Profis auf dem Platz überhaupt nicht, die die Gäste in Schwarz-Gelb mehr oder weniger freundlich aufforderten, in ihre Hälfte zurückzukehren. Auch Teile der VfB-Fans in der Cannstatter Kurve fühlten sich provoziert und sprangen aus ihrer Kurve in den Innenraum. Auf einmal befanden sich rund 40 wild gestikulierende Fans hinter den Werbebanden und kurz vor dem Spielfeld, die Ordner hatten alle Hände voll zu tun, die Situation zu beruhigen. Ein Klappstuhl wurde aufs Spielfeld geworfen und landete knapp hinter dem Pulk aus VfB- und BVB-Spielern. Schiedsrichter Robert Schröder forderte die Dortmunder vehement auf, das Jubeln in die eigene Hälfte zu verlegen.
Hitziges Wortgefecht zwischen Hoeneß und Kovac
Wirkliche Gefahr, dass VfB-Fans das Spielfeld stürmten, bestand nie – obwohl die Gemüter extrem erhitzt waren. Die Fans blieben hinter der Bande und kehrten schnell wieder in die Kurve zurück, auch weil die VfB-Profis ihre Fans beruhigen konnten. Kurz darauf war das Spiel vorbei, aber die Diskussionen gingen weiter: Sebastian Hoeneß und Nico Kovac lieferten sich auf dem Spielfeld ein hitziges Wortgefecht, Deniz Undav musste schlichten. Der VfB-Stürmer war es auch, der nach der Partie das Gespräch mit den VfB-Ultras in der Cannstatter Kurve suchte, um die Gemüter weiter zu beruhigen.
Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel wurden die beiden Trainer auf das Wortgefecht nach Abpfiff angesprochen. „Das geht niemanden etwas an“, antwortete Sebastian Hoeneß auf Nachfrage unserer Redaktion knapp. Auch BVB-Trainer Nico Kovac wollte sich zu der Szene nicht äußern. Auf die Frage nach dem ausgiebigen Jubel der Dortmunder vor der Cannstatter Kurve war der VfB-Trainer dann etwas gesprächiger. „Die Emotionen kochen hoch, das waren bislang immer heiß geführte Duelle“, so der Trainer. Aus Sicht der Stuttgarter hätten die Dortmunder zu lange vor den VfB-Fans gejubelt, was laut Hoeneß der Auslöser für die unschönen Szenen in der sechsten Minute der Nachspielzeit war.
VfB-Coach Hoeneß übt Kritik: Bilder haben ihm „nicht gefallen“
Der VfB-Coach war mit den Szenen aber nicht glücklich und übte Kritik an den eigenen Fans: „Ich muss klar sagen, dass mir diese Bilder nicht gefallen haben.“ Er könne nicht ausschließen, dass seine Mannschaft nicht auch mal vor den gegnerischen Fans gejubelt habe. Und dies nicht, um „zu provozieren“, sondern weil der Weg zu den eigenen Fans schlicht und einfach so weit war.
Vielmehr wolle Hoeneß die Bilder sehen, die sich über 95 Minuten davor abgespielt haben – und hatte nach der Kritik auch lobende Worte übrig: „Es war heute so laut und knisternd, das ist das, was zurückbleiben muss.“ Zur fairen Einordnung gehört aber auch: Sparen sich die BVB-Profis den ausgiebigen Jubel vor den VfB-Fans, kommt es zu diesen unschönen Bildern erst gar nicht.



