VfB Stuttgart

Suche nach VfB-Präsident: Christian Riethmüller wurde gefragt - und hat abgelehnt

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Zu Gast im ZVW-Podcast "Wir reden über den VfB": Die Ex-PräsidentschaftsbewerberInnen Martin Bizer, Susanne Schosser und Christian Riethmüller. Fotos: Mogck/privat/Galm

Neulich hat jemand vom VfB-Vereinsbeirat bei Christian Riethmüller angeklopft: Ob er sich vorstellen könne, noch mal für das Präsidenten-Amt zu kandidieren. 2019 war Riethmüller schon einmal angetreten und hatte gegen Claus Vogt verloren. Den Sieger indes wollen derzeit offenbar einige Strippenzieher mit aller Kraft aus dem Club drängen. Und deshalb: Herr Riethmüller, wie wär’s stattdessen mit Ihnen?

Der Chef des Buchhandelsunternehmens Osiander antwortete: „So, wie mit dem aktuellen Präsidenten umgegangen wird, kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen.“ Und außerdem: „Ich bin zufrieden mit der Arbeit“ von Claus Vogt!

Diese Anekdote hat Riethmüller im Gespräch mit unserem Redakteur Danny Galm erzählt – nachzuhören im ZVW-Podcast „Wir reden über den VfB“.

Die Geschichte verdeutlicht: 2019 waren Vogt und Riethmüller Konkurrenten; mittlerweile stehen sie Schulter an Schulter im Kampf gegen eine alteingesessene Führungsclique beim VfB, die offenbar mit Zähnen und Klauen ihre Macht verteidigt.

Martin Bizer: e.V. gegen AG - "Machtverhältnisse sind zementiert"

2017 beschlossen die Mitglieder des VfB mehrheitlich, die Fußballsparte aus dem Hauptverein auszugliedern in eine AG. Die beiden Gebilde blieben gleichwohl eng verflochten: Der Verein hält den Mehrheitsanteil an der AG, der Vereinspräsident ist Vorsitzender des AG-Aufsichtsrats. Vielen Mitgliedern war damals wohl nicht klar, „wie viel Macht der e. V. abgegeben hat durch die Ausgliederung“, sagt Martin Bizer. Der Korber gehörte 2019 ebenfalls zum engeren Kreis der VfB-Präsidentschaftsbewerber, auch er diskutiert im ZVW-Podcast mit. Die 350 Mitarbeiter in der VfB-Geschäftsstelle zum Beispiel, erklärt Bizer, sind nun nicht mehr dem Präsidenten unterstellt, sondern dem AG-Chef. So wurden „Machtverhältnisse zementiert“.

Susanne Schosser: Manche wollen als Präsidenten einen "Grüßgott-Kasper"

Viele in der AG und im Aufsichtsrat der AG – und sogar manche AG-nahen Präsidiumsmitglieder im e.V. – hätten es womöglich gerne, wenn sich die Rolle des Präsidenten darin erschöpft, „bei der Totengedenkfeier anwesend“ zu sein und den „Grüßgott-Kasper“ zu geben: So drückt es Susanne Schosser aus. Die Dritte in der Podcast-Runde war 2019 auch als Präsidentin im Gespräch.

Dass manche Wortführer im AG-Aufsichtsrat von einem VfB-Präsidenten offenbar eine gewisse Unterwürfigkeit erwarten, hat Riethmüller 2019 erlebt. Er hatte öffentlich geäußert: Falls er die Wahl gewinne, werde er die Arbeit des einen oder anderen Aufsichtsratsmitgliedes durchaus hinterfragen. Als er kurz darauf zu einem Kennenlerngespräch in dem Gremium vorbeischaute, bekam er dort als erstes zu hören: „Herr Riethmüller, wie stellen Sie sich eigentlich eine Zusammenarbeit mit uns vor, wenn Sie uns kritisieren?!“

Claus Vogt, sagt Riethmüller, mache ernst mit seiner „Kontrollfunktion“, Vogt wolle „umfassende Aufklärung“ im Datenskandal – und deshalb wollten ihn manche jetzt „loswerden“.

Claus Vogt nicht mehr nominieren - kann der Vereinsbeirat sich das leisten?

Zehntausende VfB-Mitgliederdaten wurden 2017 anscheinend einer Werbe-Agentur zugespielt, die mit Hilfe dieser Infos wohl das Stimmvolk manipulieren sollte, auf dass es der Ausgliederung zustimme. „Wir Mitglieder sind richtiggehend verarscht worden“, sagt Susanne Schosser.

Bei vielen Fans ist Claus Vogt geschätzt – eine bizarre Klausel in der VfB-Satzung aber könnte ihm zum Verhängnis werden. Niemand darf Präsident werden, niemand erhält die Gelegenheit, sich bei der Mitgliederversammlung zur Wahl zu stellen, der nicht zuvor vom Vereinsbeirat, einem achtköpfigen Gremium, nominiert wird – und nicht einmal, wer bereits Präsident ist, darf sich zur Wiederwahl stellen, wenn der Vereinsbeirat sagt: Nee, du nicht mehr.

Wenn also eine Mehrheit in dieser Kleingruppe beschließt, Vogt vom Hof zu jagen, dann war’s das für den Präsi, selbst wenn er 150 Prozent der 70 000 Mitglieder auf seiner Seite hätte. Eine vogelwilde Konstruktion.

Ein Teil der Leute im Vereinsbeirat, das ist ein offenes Geheimnis, tickt AG-nah und soll Vogt nicht zugeneigt sein – aber ist es ernsthaft denkbar, dass die Achterrunde es tatsächlich wagt, diesen jeder Vereinsdemokratie Hohn sprechenden Coup durchzuziehen? Das wäre ja ein Kantersieg des Hinterzimmers übers Stadion, das wäre geradezu so etwas wie ein satzungskonformer Putsch. Nein, dazu wird es gewiss nicht kommen. Sicher. Bestimmt. Oder?

„Es wäre ein Schlag ins Gesicht aller Mitglieder, wenn Vogt nicht nominiert wird“, sagt Susanne Schosser. Aber derzeit müsse man „mit allem rechnen“.

Den ganzen, fast eine Stunde langen und mit interessanten Informationen gespickten ZVW-Podcast "Wir reden über den VfB" (Ausgabe vom 22. Januar) mit Susanne Schosser, Martin Bizer und Christian Riethmüller finden Sie unter diesem Link: