VfB Stuttgart

Transferstrategie des VfB: Warum Sven Mislintat ohne Winter-Neuzugänge plant

Fußball  1.FC Köln vs. VfB Stuttgart
Laut Sportdirektor Sven Mislintat wird es keine Winter-Neuzugänge beim VfB Stuttgart geben. Was steckt hinter der Strategie? © Pressefoto Baumann

Seit dem 1. Januar 2022 ist das Transferfenster für die Fußball-Bundesliga geöffnet. Bis zum 31. Januar können sich die Teams mit Neuzugängen verstärken. Was plant der VfB? Welche Strategie verfolgt Sportdirektor Sven Mislintat? Wir fassen die Lage an der Mercedesstraße zusammen.

Die Konkurrenz tätigt Transfers - dem VfB fehlt das Geld

Dem FC Augsburg gelang am gestrigen Montag (03.01.) der erste große Coup dieser Transferperiode. Für satte 16 Millionen Euro sicherten sich die Fuggerstädter das Sturmjuwel Ricardo Pepi. Der 18-jährige US-Nationalstürmer wird zum neuen Rekordtransfer und soll den abstiegsbedrohten Bundesligisten in der Rückrunde zum Klassenerhalt schießen.

Die Augsburger stehen nach der Hinrunde nur einen Zähler vor dem VfB und gelten als direkter Konkurrent im Kampf um den Klassenverbleib. Die lahmende FCA-Offensive mit nur 17 erzielten Toren könnte durch den Rekordtransfer wieder in Schwung gebracht werden – ganz zum Leidwesen des VfB. 

Denn während sich der FC Augsburg durch den Einstieg des US-amerikanischen Milliardärs David S. Blitzer eine neue Geldquelle erschlossen hat, sucht der VfB immer noch nach einem zweiten Investor. Von einem Transfer in Höhe von 16 Millionen Euro kann Sportdirektor Sven Mislintat daher nur träumen. Die Konkurrenz tätigt Transfers, die Schwaben können und wollen nur zuschauen.

Dabei wäre ein zweiter Investor so wichtig. Laut dem neuen Finanz-Vorstand Thomas Ignatzi verzeichnet der VfB seit Beginn der Pandemie einen Umsatzverlust in Höhe von 80 Millionen Euro. Pro Geister-Heimspiel gehen dem Verein zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Euro durch die Lappen. An Neuverpflichtungen ist angesichts der prekären finanziellen Lage kaum zu denken. Das ist die harte Realität, in der die Stuttgarter nach zwei Abstiegen und der aktuellen Corona-Pandemie stecken.

Finanzielle Schieflage des VfB: Neuzugänge werden ausgeschlossen

Bereits in der vergangenen Sommer-Transferperiode musste der VfB seine finanziellen Lücken mit dem Verkauf von Leistungsträgern schließen. Mit Torhüter Gregor Kobel (für 15 Millionen Euro zum BVB) und Stürmer Nicolas Gonzalez (rund 23 Millionen Euro zu Florenz) verlor Trainer Pellegrino Matarazzo zwei seiner absoluten Top-Spieler. Nicht ohne Grund sagte Sven Mislintat rückblickend auf das Jahr 2021: „Wir hatten sehr viele Aufgaben zu meistern. Wirtschaftlich war es unglaublich schwierig, weil wir immer wieder Geld aus Transfers generieren mussten.“

Klar ist also: Der VfB wird in dieser Winter-Transferperiode keine Neuzugänge präsentieren. Dafür ist die finanzielle Lage zu schlecht. Der Sportdirektor bestätigte dies Ende Dezember in einem Interview mit dem Streamingdienst DAZN. Auf die Frage, ob es trotz der schwachen Hinrunde einen Neuzugang gibt, antwortete der Sportdirektor klar und deutlich: „Nein!“.

Mislintat vertraut seinem Kader: "Haben genug Qualität"

Doch die finanzielle Schieflage der Schwaben ist nur ein Grund für die Passivität auf dem Transfermarkt. Sven Mislintat sieht darüber hinaus überhaupt keinen Grund, einen neuen Spieler an Bord zu holen - selbst wenn das Geld da wäre. „Wir sind 100 Prozent davon überzeugt, dass wir mit diesem Kader unsere Ziele erreichen.“ Trotz der prekären Tabellensituation und dem Überwintern auf dem Relegationsplatz glaubt der VfB an seine Stärken – und vertraut weiter seinem Weg „Junge Wilde 2.0“.

„Wenn alle Spieler gesund sind, dann ist das schon eine richtig gute Qualität“, sagte Mislintat vor dem Jahreswechsel in einem Interview mit VfB-TV. „Ich hoffe, dass die Offensivkräfte, die lange ausgefallen sind und verletzt waren, schnell in den Rhythmus und in Form kommen.“ Dadurch würde das junge Team endlich wieder das bekommen, was so dringend fehlt: „Tore und im letzten Drittel konsequenter und abschlusssicherer werden.“

Matarazzo bestätigt: Es wird Abgänge geben

Der dritte und letzte Grund, weshalb der VfB keinen Transfers tätigen wird, ist der eh schon aufgeblähte Kader der Stuttgarter. Insgesamt 33 Profis stehen im Aufgebot der Schwaben, dazu kommen noch Nachwuchskräfte wie Alexis Tibidi. Zum Vergleich: Der SC Freiburg hat 26 Spieler im Kader, Arminia Bielefeld nur 25. 

„Es wird sicherlich den einen oder anderen Abgang geben“, sagte Trainer Pellegrino Matarazzo vor dem letzten Hinrunden-Spiel gegen den 1. FC Köln. Gestandene Profis wie Philipp Klement oder Erik Thommy, die zuletzt kaum mehr eine Rolle gespielt haben, könnten eine neue Herausforderung suchen. Durch einen Abgang könnte sich der VfB auch deren Gehälter einsparen. Youngster wie Momo Cissé oder Naouirou Ahamada könnten für Spielpraxis verliehen werden, um in der nächsten Saison wieder an den Neckar zurückzukehren.

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