VfB Stuttgart

Vereinsbeirat des VfB: Warum Martin Bizer und Susanne Schosser zurücktreten

Kopie von Martin Bizer Korb VfB
Tritt aus dem VfB-Vereinsbeirat zurück: Martin Bizer. © Joachim Mogck

Zwei Rücktritte im Vereinsbeirat des VfB Stuttgart: Martin Bizer und Susanne Schosser legen ihre Ämter mit sofortiger Wirkung nieder. Es geht um vereinsinterne Auseinandersetzungen und grundsätzliche Fragen. Wir erklären die Hintergründe.

Konflikte in der Gremienarbeit

Schosser und Bizer waren erst auf der Mitgliederversammlung im Sommer 2021 in das Gremium gewählt worden. Am Dienstag (17.01.) informierten sie nun Präsidium und Vereinsbeirat über ihre Ämterniederlegung, kurze Zeit später gingen ihre Schreiben an diverse Medien.

Als ein Grund für ihren Rückzug werden Konflikte in der Gremienarbeit genannt. Eskaliert sind die vereinsinternen Streitereien demnach auf einer Klausur-Tagung am vergangenen Wochenende am Jako-Stammsitz in Hollenbach. In einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, ist die Rede von "unerträglichem, unprofessionellem, alleine auf Machtsicherung bedachtem und diffamierendem Vorgehen wesentlicher Mitglieder der Gremien". Namen werden von Susanne Schosser nicht genannt. Weiter aber von einem "aggressiven Umfeld" in den Gremien berichtet.

"Die bei der Wahl von nahezu allen Gremienmitgliedern proklamierten Werte Transparenz, Ehrlichkeit und Gleichberechtigung werden nach meinem Empfinden bis heute in weiten Teilen der VfB-Gremien nicht gelebt", schreibt Susanne Schosser. 

Ist der Vereinsbeirat noch handlungsfähig?

Der Vereinsbeirat besteht nach den Rücktritten von Schosser und Bizer nun aus sieben Personen. Auch ohne die beiden bleibt das Gremium handlungs- und beschlussfähig. Daher dürften die freigewordenen Posten auch erst auf der nächsten Mitgliederversammlung nachbesetzt werden. Über das weitere Vorgehen wird der Verein vermutlich am Mittwoch (18.01.) informieren.

Wieder Ärger hinter den VfB-Kulissen

Zuletzt hatte es hinter den VfB-Kulissen Ärger über mutmaßliche Satzungsverstöße von zwei Vereinsbeiräten gegeben. Der Streit um den Umgang mit diesen Vorfällen soll nun eskaliert sein. Martin Bizer schreibt, das Thema sei instrumentalisiert worden, "um Vereinsbeiräte, die um weitere Aufklärung bemüht waren, als 'Gefolgsleute' von angeblichen Gegnern des derzeitigen Präsidenten zu diffamieren, anstelle in aller Sachlichkeit eine Aufarbeitung in die Wege zu leiten".

Ärger gab es auch um eine Stellungnahme des Vereinsbeirats, in der kritische Berichterstattung der Stuttgarter Zeitung attackiert wurde. Bei Teilen des Vereinsbeirats gab es offenbar erhebliche Zweifel am Inhalt dieser Erklärung. Veröffentlicht wurden sie dennoch. Eine Stellungnahme von Vereinsbeirat oder Präsidium liegt aktuell noch nicht vor. 

Rücktritts-Drohung von Claus Vogt?

Der ehemalige Schulleiter des Stuttgarter Wirtemberg-Gymnasiums berichtet sogar von einer Rücktrittsdrohung des Präsidenten Claus Vogt: "Dass der Präsident für sich in Anspruch nimmt, diese Entscheidung zu verantworten und bei einem andersgearteten Urteil von seinem Amt zurücktreten will, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Die Diskussion kreiste letztendlich nur um dieses eine Thema und je länger sie dauerte, umso deutlicher wurden die Vorwürfe und Anschuldigungen gegen mich persönlich. Der damit einhergehende Druck wurde immer größer und gipfelte in der klaren Ansage des Vizepräsidenten (Rainer Adrion/Anm.d.Red.), dass diejenigen, die den Standpunkt des Präsidiums nicht teilten, doch die 'Konsequenzen" ziehen sollten." Was Bizer und Schosser nun getan haben.

Auch hatte Präsidiumsmitglied Christian Riethmüller unlängst bestätigt, dass Klima und Atmosphäre im Präsidium aktuell nicht gut seien. In einem an Weihnachten 2022 veröffentlichen Facebook-Post schrieb er: "Dabei lasse ich mir meine Meinung, gerade bei kritischen Punkten, nicht nehmen und spreche unbeeindruckt von Widerständen auch unbequeme Themen an. Das betrifft auch und gerade alles, was mit der Satzung zu tun hat."

Präsident Vogt hatte zuletzt im Trainingslager in Marbella versucht, Druck aus der Sache zu nehmen. Dem Portal BW24 sagte er mit Blick auf die Konflikte im Präsidium: "Wir sind natürlich nicht immer bei allen Themen einer Meinung, das wäre auch nicht normal und auch für den Verein nicht gut. Aber alle wollen immer das Beste für den VfB Stuttgart."