VfB Stuttgart

VfB gegen Hertha BSC: Welches Team hat die besseren Karten im Keller-Duell?

Fußball VfB Stuttgart vs. Borussia Dortmund
Gibt die Richtung für das Keller-Duell gegen Hertha BSC Berlin vor: VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo. © Pressefoto Baumann

Am Sonntagabend (22.04.) kommt es im Berliner Olympiastadion zum Abstiegskracher: Der VfB Stuttgart ist bei Hertha BSC zu Gast. Für beide Teams könnte dieses direkte Keller-Duell vorentscheidend sein. Verliert der VfB, beträgt der Abstand ans rettende Ufer vier Punkte. Die Hertha wiederum will einen Big-Point im Abstiegskampf landen. Wir zeigen in unserer Analyse auf, welches Team die Nase vorn hat.

Das spricht für den VfB Stuttgart

Für die Schwaben ist die Partie in Berlin die letzte Möglichkeit, gegen einen direkten Abstiegskandidaten zu punkten. Bei einem Sieg würde das Team von Trainer Pellegrino Matarazzo wieder auf Rang 15 springen. Warum der VfB in Berlin drei Punkte holen kann:

Der VfB hat die spielerisch besser und technisch versiertere Elf

Im Abstiegskampf zählen nur Einstellung, Kampf und Härte? Falsch – am Ende des Tages setzt sich (meistens) die Qualität durch. Mit Tiago Tomas, Omar Marmoush und Chris Führich hat der VfB Spieler in seinen Reihen, die mit ihrem Tempo und ihrer Tiefe jederzeit für Gefahr sorgen können. Dazu steht mit Sasa Kalajdzic ein nachweislich abschlussstarker Stürmer im Zentrum.

Die Hertha hingegen spielte gegen Augsburg mit Suat Serdar, Kevin-Prince Boateng, Marco Richter und Davie Selke im Angriff. Tempo und Tiefgang: Fehlanzeige. So sieht es auch Hertha-Reporter Andreas Hunzinger, der im ZVW-Podcast „Wir reden über den VfB“ sagte: „Technisch ist der VfB die etwas geschliffenere Mannschaft. Sie sind leichtfüßiger, agiler und bringen mehr Geschwindigkeit mit. Hertha fehlen die offensiven Flügelspieler, sie haben zu viele zentrale Mittelfeldspieler. Deshalb sehe ich den VfB leicht vorne.“

Beim VfB Stuttgart herrscht Ruhe und Gelassenheit

Sportdirektor Sven Mislintat bezeichnet sich vor der Partie selbst als „unnervös“. Trainer Pellegrino Matarzzo sagte auf der Pressekonferenz: „Es geht nicht um Nervosität, ich ticke da anders.“ Auch rund um den Verein, sei es in den Führungsebenen von AG und e.V. oder bei den Fans: keiner dreht durch. Alle wissen, wo die junge Mannschaft aus Bad Cannstatt steht – und worum es geht. Ruhe, Kontinuität und der Glaube an den eigenen Weg stehen im Vordergrund. Auch die Mannschaft macht einen geschlossenen Eindruck.

Der „Big-City-Club“ aus Berlin hingegen liegt am Boden. Die 375 Millionen Euro, die Investor Lars Windhorst in den Verein gepumpt hat, sind weg – und der Verein spielt um den Abstieg statt die Champions League. Felix Magath ist bereits der dritte Trainer, Vereinslegende Arne Friedrich verließ den Club im Groll und die Hertha-Fans sind „not amused“. Zweifel und Chaos regieren in der Hauptstadt, gepaart mit einem gefährlichen Hang zur Selbstzerstörung.

Hertha BSC Berlin stellen die schlechteste Abwehr der Liga

Die Berliner stellen mit 66 Gegentoren die mit Abstand schlechteste Hintermannschaft der Liga. Im Derby gegen Union Berlin kassierte die Elf von Trainer Felix Magath vor heimischem Publikum vier Treffer – und ließ sich phasenweise demontieren. Das kommt dem VfB wie gelegen. Im Maschinenraum der Stuttgarter Offensive qualmte es zuletzt gehörig, nur ein Elfmeter-Treffer wollten Sasa Kalajdzic und Co. in den letzten drei Partien gelingen. Höchste Zeit also, wieder mehr Tore zu schießen - wenn nicht gegen die schlechteste Abwehr der Liga, gegen wen dann.

Konstant gut spielen? Nicht mit Hertha

Es gibt wohl keine Mannschaft in der Liga, deren Leistung so stark schwankt, wie die der Berliner. Nach dem 3:0-Sieg gegen Hoffenheim setzte es zwei Niederlagen (darunter das schmerzhafte 1:4 gegen Union), ehe die Elf aus der Hauptstadt in Augsburg gewann. Gut für den VfB also, dass Hertha in dieser Saison nach einem guten Spiel meist wieder ihr schlechtes Gesicht zeigte. Nach dem 1:0-Sieg gegen Augsburg, bei dem Einstellung, Einsatz und Wille passten, ist bei den Berlinern also wieder ein Ausrutscher drin – hoffen zumindest die Schwaben.

Das spricht für Hertha BSC Berlin

Die Berliner haben alles in der eigenen Hand. Gewinnen sie gegen den VfB, haben Kevin-Prince Boateng und Co. vier Punkte Vorsprung. Das wäre ein Big-Point im Abstiegskampf. Warum die Hertha drei Punkte holen kann:

Die Berliner haben die erfahrenere Mannschaft

Ja, der VfB ist das spielerisch bessere und technisch versiertere Team. Die Berliner haben aber wesentlich mehr Erfahrung in den eigenen Reihen. Während der VfB in dieser Saison die bislang jüngste Elf auf den Rasen schickte (23,5 Jahre), hatte Hertha mit 28,6 die drittälteste Mannschaft auf dem Platz. Sinnbildlich ist der „alte Hase“ Kevin-Prince Boateng (35), der als Berliner Junge für Erfahrung, Zweikampfhärte und Spielwitz steht. Gut möglich, dass in dem harten Keller-Duell die Erfahrung über die Qualität siegt.

Felix Magath hat die nötige Härte zurückgebracht

Auf der Pressekonferenz vor dem Hertha-Spiel wurde Trainer Pellegrino Matarazzo gefragt: Was hat sich im Vergleich zu Tayfun Korkut bei den Berlinern geändert? Die Antwort: „Sie haben eine andere Härte im Zweikampf und Spiel - harte Fouls, viele Fouls. Das wird ein harter Kampf.“ Felix Magath hat dem „Big-City-Club“ also das eingetrichtert, was ein bislang nicht funktionierendes Team im Abstiegskampf braucht: Härte, Zweikampfstärke und Willen. Eine gute Basis für einen ekligen Fight, der am Sonntag im Olympiastadion zu erwarten ist. Zumal der VfB bislang Probleme mit zweikampfstarken und "harten" Gegnern hatte (Ausnahme: 1:1 bei Union Berlin).

Der VfB schwächelt gegen direkte Konkurrenten

Geht es gegen Teams, die mit dem VfB im Tabellenkeller stehen, haben die Schwaben bislang selten gut performt. Die Bilanz gegen Hertha, Fürth und Bielefeld (fünf Spiele): ein Sieg, drei Unentschieden und eine Niederlage. Will der VfB am Ende der Saison die Liga halten, muss er seine Duelle gegen die direkten Konkurrenten gewinnen. Das gelang bislang eher weniger gut.

Hertha hat alles in der eigenen Hand

Noch zwei Duelle gegen direkte Abstiegskonkurrenten haben die Berliner vor der Brust. Am Sonntag gegen den VfB und die Woche darauf in Bielefeld. Es ist also nichts verloren in der Hauptstadt, trotz der eigentlich grottenschlechten Saison. Mit zwei Siegen wäre das Team von Felix Magath wohl schön raus aus dem Abstiegskampf. Wenn das nicht Motivation genug ist.

Fazit: Ein Duell auf Augenhöhe

Welches Team in diesem Abstiegskracher am Ende die Nase vorn haben könnte, lässt sich nicht abschließend klären. Während der VfB die spielerisch bessere Mannschaft hat, kommt Hertah über Einsatzwillen und Zweikampfhärte. Kleinigkeiten werden das Duell am Sonntagabend entscheiden. Denn: Es bahnt sich eine Partie auf Augenhöhe an.

So könnte der VfB spielen:

Müller - Stenzel, Ito, Mavropanos, Sosa - Anton, Endo, Führich - Marmoush, Kalajdzic, Tomas