VfB Stuttgart

VfB im Abstiegskampf: Was Mut macht und was Anlass zur Sorge gibt

Fußball VfB Stuttgart vs. RB Leipzig
In Rino we trust: Die Hoffnungen vieler VfB-Fans ruhen auf Trainer Pellegrino Matarzzo. © Pressefoto Baumann

Vier sieglose Spiele in Serie, acht Gegentore und kein eigener Treffer: Die Ausbeute des VfB Stuttgart aus den letzten vier Spielen in der Bundesliga taugt keineswegs als Stimmungsaufheller. Und dennoch zeigte sich die Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo am Samstag (15.01.) beim 0:2 gegen RB Leipzig deutlich formverbessert. Mit Blick auf die kommenden Wochen im Abstiegskampf gibt es also einen Lichtblick - allerdings auch weiterhin Anlass zur Sorge. 

Die Lichtblicke

Konkurrenz und Tabellensituation: Kuschelig eng geht es im Tabellenkeller auch nach dem 19. Spieltag zu. Zwar ist der VfB nach der Niederlage gegen Leipzig auf einen direkten Abstiegsplatz gerutscht, doch abgeschlagen sind die Schwaben mit ihren 18 Punkten damit noch lange nicht. Die direkte Konkurrenz ist weiter in Schlagdistanz (Bielefeld: 18; Augsburg: 19) und die rote Laterne wird vermutlich bis zum 34. Spieltag am Fürther Ronhof hängen. Letztlich könnten dem VfB fünf Siege aus den verbleibenden 15 Saisonspielen zum Klassenverbleib reichen. Auch wenn es mancher Pessimist nicht glauben will: Es ist nach wie vor alles drin für die Stuttgarter. Und Bielefeld und Co. spielen die Sterne bislang auch nicht vom Himmel. 

Matarazzo: Mit einer klaren Ansage an seine Profis hat der Trainer vor dem Leipzig-Spiel aufhorchen lassen. Zu schwer muss die Nicht-Leistung einiger Profis beim 0:0 in Fürth gewogen haben. Und siehe da: Gegen die „Roten Bullen“ gingen die Weiß-Roten mit der gebotenen Ernsthaftigkeit zu Werke. Zwar fehlte auch gegen Leipzig die Präzision im Abschluss, aber immerhin stimmte die Einstellung. „Auf unserer Seite war zu spüren, dass eine Einheit auf dem Platz gestanden hat“, befand Matarazzo nach der Partie. Im Kurz-Trainingslager im spanischen Marbella (23. bis 28. Januar) bietet sich nun die vermutlich letzte Gelegenheit, ein solches Leistungsklima auf Dauer innerhalb der Gruppe zu etablieren. Schließlich stünden die Stuttgarter vermutlich kaum auf einem direkten Abstiegsplatz, wenn das Team auch in den Spielen gegen Fürth, Bielefeld und Augsburg mit einer ähnlichen Einstellung wie jüngst gegen Leipzig oder in der Hinrunde gegen den BVB angetreten wäre.

Rückkehrer: Ein zentraler Grund für die bislang so durchwachsene VfB-Runde ist zweifelsohne die große Verletzungs-Problematik. Gerade in der Offensive musste Trainer Matarazzo quasi die komplette Hinrunde auf seine Top-Angreifer Silas und Sasa Kalajdzic verzichten. Jetzt steht immerhin der baumlange Österreicher wieder regelmäßig auf dem Platz. Und Silas sollte nach seiner Corona-Infektion ebenfalls bald wieder mitmischen können. Nach seiner Teilnahme am Afrika-Cup wird zudem der quirlige Omar Marmoush wieder zur Mannschaft stoßen. Im Angriff steht also bald wieder mehr Qualität zur Verfügung. So zumindest die Hoffnung. Letztlich bleibt jedoch abzuwarten, wie schnell vor allem Silas und Kalajdzic nach ihren langen Pausen wieder annähernd an ihr Leistungsoptimum kommen - und ob das noch rechtzeitig im Lauf der Rückrunde passieren wird.

Die Sorgenfalten

Corona und Verletzungen: Überall in Deutschland türmt sich die Omikron-Welle auf, auch der VfB musste unlängst aufgrund von positiven Testungen auf fünf Spieler verzichten. Aktuell geht es wohl längst nicht mehr um die Frage, ob die Stuttgarter weitere Fälle im Kader haben werden, sondern nur noch um den Zeitpunkt und die Anzahl der Infizierten. Kaum auszudenken, sollte den Schwaben in einem Kellerduell gegen Augsburg oder Bielefeld eine Stütze wie Kapitän Wataru Endo coronabedingt wegbrechen. Gleiches gilt für Verletzungen, die auch im Lauf der Rückserie weiter auftreten werden. Unlängst fehlte zum Beispiel Außenbahnspieler Borna Sosa aufgrund von muskulären Problemen. Von solchen „Alltags-Blessuren“ wird der VfB nicht verschont bleiben.    

Trend: Was macht der eingangs beschriebene Negativlauf mit den Köpfen der Spieler? Der Kader ist jung, Erfahrung in extremen Drucksituationen hat kaum ein VfB-Profi vorzuweisen. Im ersten Schlüsselduell der Rückrunde zum Auftakt in Fürth zeigte das Team merklich Nerven. Dass der Trainer Teile seiner Mannschaft anschließend in der Öffentlichkeit in die Pflicht nehmen musste, spricht ebenfalls Bände. Hinzu kommt das fehlende Spielglück bzw. das unumstößliche Diktum von Fußball-Philosoph Andreas Brehme: „Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß.“ So erwischte Gästekeeper Peter Gulacsi am Samstag in der Stuttgarter Arena einen Sahnetag und auch einige strittige Schiedsrichterentscheidungen fielen zuungunsten der Hausherren aus. All das kann dazu führen, dass ein eigentlich ordentliches Spiel auch negative Auswirkungen haben kann: Egal, was wir auch probieren und wie engagiert wir auch spielen, für einen Sieg reicht es letztlich nicht … 

Die Zeit rennt, der Druck steigt: Die Konkurrenz eilt zwar nicht mit Siebenmeilenstiefeln davon, aber sie hat in diesem Jahr immerhin schon gepunktet bzw. das Tor getroffen. Die Zeit rennt dem VfB also davon und die kommenden Gegner (Freiburg, Leverkusen, Frankfurt) rangieren allesamt in der oberen Tabellenhälfte. Bleiben die Ergebnisse (und Tore) weiter aus, werden der Druck und die Unruhe Woche für Woche weiter wachsen …

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