VfB Stuttgart

VfB-Keeper Dennis Seimen: In Weinstadt könnte es erstmals wieder ernst werden

Dennis Seimen ist zurück im Torwarttraining und darf wieder nach den Bällen hechten. Das Comeback des designierten VfB-Stammkeep
Dennis Seimen ist zurück im Torwarttraining und darf wieder nach den Bällen hechten. Das Comeback des designierten VfB-Stammkeepers rückt näher. © Alexander Keppler

Stuttgart. Wer steht nach der XXL-Länderspielpause im Tor des VfB Stuttgart? Fabian Bredlow hat seine Sache als Stellvertreter von Dennis Seimen so gut gemacht, dass die Rückkehr des designierten Stammkeepers plötzlich auch ein kleines Luxusproblem ist. Seimen kommt seinem Comeback immer näher – und könnte bereits am Freitag in Weinstadt beim Testspiel gegen den 1. FC Heidenheim wieder zwischen den Pfosten stehen.

Es gibt im Fußball unangenehmere Probleme als dieses. Man stellt zwei Torhüter nebeneinander und merkt dabei: Der eine ist jung, hochbegabt und als Nummer eins auserkoren. Der andere ist 31, erfahren, zuverlässig – und hat gerade ziemlich überzeugend gezeigt, dass er es auch kann. Viel mehr Luxus lässt sich zwischen zwei Pfosten kaum unterbringen. Fabian Bredlow hat deshalb schon einmal vorsorglich ein wenig Druck auf seinen Trainer gelegt. Er hoffe, sagte er neulich mit einem Schmunzeln, dass Sebastian Hoeneß nach der Länderspielpause wenigstens ein paar leichte Kopfschmerzen bekomme. Bredlow meinte das nicht medizinisch. Er meinte: Die Entscheidung, wer künftig das VfB-Tor hüten soll, möge bitte nicht allzu leicht fallen. Er selbst hat alles dafür getan.

VfB Stuttgart hält an Dennis Seimen als Nummer eins fest

Seit Dennis Seimen im Juli wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel ausfiel, steht Bredlow zwischen den Pfosten. Er hat gehalten, was ein Torwart in dieser Lage eben halten soll, und er hat dabei eine bemerkenswerte Ruhe ausgestrahlt. Der VfB hat in den ersten vier Bundesligaspielen dreimal verloren, aber Bredlow war gewiss nicht das Problem. Nun aber kommt Seimen zurück. Und mit ihm die ursprüngliche Planung.

Die Stuttgarter hatten sich den Sommer schließlich nicht ausgedacht, um ihn anschließend nach ein paar Wochen wieder zu verwerfen. Nach dem Abschied von Alexander Nübel erklärten sie Seimen zur neuen Nummer eins. Das war mutig, weil der Torhüter gerade erst 20 geworden war. Es war aber auch das Ergebnis jahrelanger Planung. „Die ursprüngliche Idee, die wir hatten, haben wir nicht verändert“, sagte Hoeneß zuletzt. Seimen soll also spielen, sobald er wieder vollständig hergestellt ist. Nur hat Bredlow inzwischen einen kleinen Haken in diesen Plan eingebaut: Er war gut.

Gut genug jedenfalls, dass der VfB im Sommer nach Seimens Verletzung nicht noch hektisch einen Torwart verpflichtete. Sportvorstand Fabian Wohlgemuth wertete es als richtig, auf Bredlow zu setzen. Hoeneß wiederum lobte seinen Stellvertreter als „sehr starke Nummer zwei“ und sagte, dieser habe erneut bewiesen, „dass er ein richtig guter Torhüter ist“. Man könnte sagen: Bredlow macht es seinem Trainer unnötig schwer. Aber wahrscheinlich ist genau das sein Job.

Dennis Seimen wurde beim VfB Stuttgart jahrelang aufgebaut

Seimens Rückkehr rückt jedenfalls näher. Am Freitag um 16.30 Uhr testet der VfB in Weinstadt gegen den 1. FC Heidenheim. Gut möglich, dass der 20-Jährige dort bereits wieder zwischen den Pfosten steht. Am kommenden Donnerstag folgt das Testspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth. Zwei Gelegenheiten, um Spielpraxis zu sammeln und Hoeneß neue Argumente zu liefern. Am 10. Oktober geht es in der Bundesliga weiter – beim SC Paderborn, jenem Verein, für den Seimen in der vergangenen Saison auf Leihbasis spielte. Bis dahin ist noch etwas Zeit. Genug womöglich, damit aus einem verletzten Torwart wieder der Torwart wird, den der VfB vor der Saison zur Nummer eins erklärt hatte.

Jahrelang wurde Seimen auf diesen Moment vorbereitet. Der VfB hat ihn nicht einfach ins Tor gestellt, weil er jung und talentiert ist. Er wurde Schritt für Schritt herangeführt, zunächst über die zweite Mannschaft, dann über die Leihe nach Paderborn. Dort konnte er Wettkampfhärte spüren, ohne gleich in Stuttgart die Last einer großen Erwartung tragen zu müssen. Jetzt soll er sie tragen. Das ist schon deshalb interessant, weil der VfB gerade nicht in der bequemsten Phase seiner Saison steckt. Drei Niederlagen aus vier Spielen, darunter gegen Bayern und Dortmund, dazu die Niederlage in Hoffenheim: Die Mannschaft wird nach der Länderspielpause nicht nur einen Torwart zurückbekommen, sondern einen Teil ihrer Zukunft.

Für Bredlow ist das nichts grundsätzlich Neues. Seit 2019 trägt der gebürtige Berliner das VfB-Trikot, dauerhaft Stammkeeper war er in dieser Zeit allerdings nie. Gregor Kobel stand vor ihm, später Florian Müller, danach Nübel. Bredlow blieb. Er blieb auch dann, wenn andere längst weitergezogen waren. Er wartete, trainierte und war da, wenn man ihn brauchte. Und nun wird es vermutlich wieder so kommen. Das Bemerkenswerte daran ist weniger die Entscheidung selbst als Bredlows Umgang damit. Natürlich habe er schon darüber nachgedacht, ob er anderswo die Nummer eins sein könnte, erzählte er unlängst als Studiogast des SWR. Wirklich konkret seien diese Gedanken aber nie geworden. Er fühle sich in Stuttgart wohl, habe sich dort weiterentwickelt.

Bredlow über Seimen: „Er ist ein geiler Typ“

Mit Seimen versteht er sich gut. Die beiden sitzen in der Kabine nebeneinander. „Er ist ein geiler Typ“, sagte Bredlow über den Konkurrenten. Vermutlich wird Bredlow also bald wieder auf der Bank sitzen. Das klingt ungerecht, ist im Fußball aber zunächst einmal nur die Konsequenz einer Entscheidung, die schon vor seiner guten Vertretungszeit gefallen war. Seimen ist nicht irgendein Konkurrent. Er ist ein Eigengewächs, in das der VfB über Jahre investiert hat und dem der Club nun die Zukunft anvertrauen möchte. Und doch hat Bredlow dem Trainer etwas hinterlassen: die Gewissheit, dass der VfB auch dann gut aufgestellt ist, wenn die Nummer eins einmal ausfällt.

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