VfB Stuttgart

VfB nach 0:1 gegen BVB: Weniger Offenbarungseid als nüchterne Standortbestimmung

Leere Blicke statt großer Auftritt: Gegen Borussia Dortmund hat der VfB ordentlich gespielt – am Ende aber steht eine bittere 0:
Leere Blicke statt großer Auftritt: Gegen Borussia Dortmund hat der VfB ordentlich gespielt – am Ende aber steht eine bittere 0:1-Niederlage. © Sofiia Shahaievska

Stuttgart. Drei Punkte, drei Niederlagen, darunter das 0:1 gegen Borussia Dortmund. So wenige Zähler hatte der VfB Stuttgart unter Sebastian Hoeneß nach vier Spieltagen noch nie. Und trotzdem wäre es zu einfach, aus dieser Zahl eine Krise zu basteln. Denn der VfB hat in den ersten vier Wochen gleich dreimal gegen Mannschaften gespielt, die sich derzeit nicht gerade für die Kategorie „angenehmer Auftaktgegner“ anbieten. Die Tabelle sieht bislang entsprechend unerquicklich aus. Die Wirklichkeit ist jedoch etwas komplizierter. Eine Bestandsaufnahme.

„Die erste Phase der Saison ist vorbei“, sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth nach der BVB-Pleite, als müsse er selbst erst einmal sortieren, was von diesem Saisonstart eigentlich hängen bleiben soll. Vieles, sagte er, gebe „mehr her als die blanke Statistik“. Das ist der Satz, auf den sich der VfB nun vermutlich drei Wochen lang berufen wird. „Wir hatten einen sehr anspruchsvollen Start“, sagte Trainer Sebastian Hoeneß. „Aber wenn du die Spiele gegen Hoffenheim und Dortmund siehst, war da durchaus möglich, etwas zu holen.“ Es ist eine bemerkenswert nüchterne Bestandsaufnahme: Der VfB war nicht chancenlos, aber er war eben auch nicht effizient genug, um aus ordentlichen Ansätzen Zählbares zu machen.

Wo die aktuellen Probleme des VfB Stuttgart liegen

Genau dort liegt derzeit das Problem. „Am Ende stehen null Punkte. Das tut weh“, sagte Hoeneß. Und fügte einen Satz hinzu, der fast schon wie eine kleine Gebrauchsanweisung für die kommenden Wochen klingt: „Ordentlich und okay reichen halt nicht immer. Wir müssen daraus Top machen.“ Drei Wochen Länderspielpause sind es, die am Wasen nun fast schon den Charakter eines kleinen Reset-Knopfes bekommen. Zeit, um sich zu schütteln, die ersten vier Spiele noch einmal anzusehen und vor allem herauszufinden, was diese Mannschaft eigentlich sein möchte.

Gegen Dortmund gab es darauf zumindest eine Antwort: Der VfB kann mit einem sehr stabilen BVB über weite Strecken auf Augenhöhe spielen. Was ihm derzeit fehlt, ist die Kunst, aus dieser Augenhöhe auch Punkte zu machen. „Oft sind es Kleinigkeiten mit großer Wirkung“, sagte Wohlgemuth. Einmal sei man zu passiv gewesen – und schon stand es 0:1. Dazu kam ein Entscheidungsverhalten im letzten Drittel, das nicht immer zur jeweiligen Situation gepasst habe. Es klingt nach Kleinkram. Im Fußball sind genau diese Kleinigkeiten allerdings häufig die großen Dinge.

Hoeneß formulierte es ähnlich, nur etwas fußballerischer. Der VfB habe „gute Ansätze, gute Spielphasen“ gezeigt, sagte der Trainer. „Vorne waren wir heute nicht auf dem absoluten Top-Level.“ Was ihm deshalb für die nächsten Wochen vorschwebt, ist ziemlich konkret: „bessere und schnellere Entscheidungen“.

VfB vs. BVB: Dieses Mal gab’s kein Spektakel

Das zeigte sich auch gegen Dortmund. Lange Zeit war es ein Spiel, das vor allem davon lebte, was beide Mannschaften nicht zuließen. Der BVB presste, der VfB stand ordentlich. Chancen blieben Mangelware. Das war durchaus bemerkenswert bei einem Duell, das bis dahin 112-mal stattgefunden und 381 Tore produziert hatte. Ein Spiel also, das sich seine eigene Tradition des Spektakels geschaffen hat. Diesmal blieb davon wenig übrig.

Vielleicht war gerade das die kleine Lektion dieses Abends: Dortmund musste in Stuttgart nicht glänzen. Der BVB musste nur stabil bleiben. Und als Jude Bellingham nach etwas mehr als einer Stunde eingewechselt wurde, bekam das Spiel seine entscheidende Verschiebung. Seine flache Hereingabe drückte Maximilian Beier über die Linie, Finn Jeltsch kam einen Tick zu spät. Ein Tor, eine Unachtsamkeit, drei Punkte. „Die Null musst du erstmal halten in Stuttgart“, sagte Beier später. Der BVB hatte das geschafft. Und BVB-Coach Niko Kovac durfte feststellen, dass ein Sieg beim VfB durchaus ein „Ausrufezeichen“ sei. Es war kein glänzendes Ausrufezeichen, eher eines mit Bleistift. Aber es stand da.

Der VfB hatte danach noch seine Möglichkeiten. Josha Vagnoman scheiterte an Gregor Kobel, der überhaupt fünfmal eingreifen musste. Fabian Bredlow bekam dagegen nur zwei Schüsse auf sein Tor. Auch die Zahlen erzählen deshalb eine Geschichte, die nicht ganz so knapp klingt wie das Ergebnis: Dortmund hatte mehr Abschlüsse (13:11) und lag bei den Expected Goals mit 1,7 zu 0,9 ebenfalls vorne. Und trotzdem war dieses 0:1 für den VfB weniger ein Offenbarungseid als eine ziemlich nüchterne Standortbestimmung. Die Mannschaft kann gegen einen stabilen Gegner mithalten. Sie kann Spiele kontrollieren. Sie kann verteidigen. Aber sie muss wieder lernen, solche Partien auch zu ihren Gunsten zu drehen.

VfB-Coach Hoeneß: „Ordentlich und okay reichen halt nicht immer“

Hoeneß wollte deshalb auch nichts schönreden. „Ich habe auch in diesem Spiel nicht gesehen, dass wir die schlechtere Mannschaft waren“, sagte er. „Aber ordentlich und okay reichen halt nicht immer.“ Es ist vielleicht der entscheidende Satz nach diesem Saisonstart: Der VfB ist nicht weit weg von dem, was er sein möchte. Aber ein paar Schritte fehlen eben noch – und diese Schritte sind im Fußball manchmal die schwierigsten. „Wir werden es jetzt nicht krampfhaft kleinreden“, sagte Wohlgemuth. „Wir nehmen es ernst, werden es aber auch nicht dramatisieren.“ Das ist vermutlich die vernünftigste Beschreibung der Stuttgarter Gefühlslage nach vier Spieltagen.

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