VfB Stuttgart

VfB-Präsident Dietrich wirbt für die Ausgliederung

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Vereinspräsident Wolfgang Dietrich wirbt derzeit intensiv für die Ausgliederung der Profi-Abteilung beim VfB Stuttgart. © Bernhardt / ZVW

Der VfB Stuttgart steht kurz vor dem Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga – und vor einem wegweisenden Schritt in die Zukunft. Am 1. Juni soll die Mitgliederversammlung entscheiden, ob die Profiabteilung ausgegliedert wird. Ein nicht von allen Fans geliebter Plan, weshalb Präsident Wolfgang Dietrich auf Werbetour ist. In Backnang hatte er ein Heimspiel.Im Video: VfB-Präsident Wolfgang Dietrich zur Ausgliederung der Profi-Abteilung.

Dietrich wuchs in Steinbach auf, kickte dort beim SV und in der A-Jugend bei der TSG Backnang; weshalb ihn der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper gleich mal zum „Exil-Backnanger“ ernannte. Nopper erkannte bei seiner Begrüßung zudem so viele Parallelen zwischen Backnang und dem VfB, dass man den Zweitligisten „streng genommen in VfB Backnang umbenennen müsste“.

Die Ausgliederung sei für den VfB "überlebenswichtig"

Dietrich wiederum räumte beim Auftritt in der Volksbank Backnang ein, „dass es mir nicht leichtfällt, ganz emotionsfrei zu sprechen“. Hier habe er sein erstes Konto eröffnet und unter den 100 Gästen wieder alte Freunde getroffen. Die Backnang-Erinnerungen jedoch verdrängte er bei seinem Vortrag schnell, stellte seine Emotionen für den VfB in den Vordergrund.

Die Ausgliederung der Profiabteilung (von der U 16 an aufwärts) sei für den VfB überlebenswichtig. Der habe in den Jahren nach 2007 die Entwicklung verschlafen. „Die Fußballwelt hat sich verändert, und der VfB hat den Anschluss verpasst.“ Nur mit der Ausgliederung der Profiabteilung kann er diese Entwicklung umdrehen, ohne allerdings, und das betont Dietrich immer wieder, die Tradition zu vergessen. „Ohne sie wird die Zukunft nicht funktionieren.“

"Der Verein hat nach wie vor das Sagen" 

Die Zukunft, das bedeutet für ihn: Die 50+1-Regel (ein privater Investor kann nie die Hälfte aller Anteile oder mehr erwerben, der Verein muss 50 plus einen Anteil selbst halten) „wird irgendwann fallen“. Dann werden Investoren nach notleidenden Vereinen suchen, um sie – kostengünstig – zu übernehmen und nach ihren Wünschen umzugestalten.

Dietrich: „Das darf dem VfB nicht passieren.“ Der habe dann nämlich nichts mehr zu bestimmen. In Dietrichs Plan dagegen schon. 75,1 Prozent der Aktien bleiben beim Verein. Der Präsident: „Dann sind wir weiter Eigentümer, der Verein hat nach wie vor das Sagen und gibt keine Rechte ab.“ Und das Beste: „Wir schaffen Kapital herbei, das wir nie zurückzahlen müssen.“

Daimler steht bereit

Kapital brauche der VfB dringend, um sein Ziel („mittelfristig auf internationaler Ebene Fußball zu spielen auf Basis der eigenen Jugendarbeit“) zu erreichen. 41,5 Millionen habe Daimler für seine 11,75 Prozent Anteile bereits vertraglich zugesagt, aber um in der Bundesliga vorne mitzuspielen, brauche man derzeit 75 Millionen, in naher Zukunft 100 Millionen.

Aktuell betrage der Etat des VfB 25 Millionen (im letzten Bundesligajahr 40 Millionen). Für die nächsten Jahre seien deshalb für eine optimale Entwicklung des VfB 235 Millionen Euro nötig. Um dieses Loch zu stopfen, sei die Ausgliederung unumgänglich.

Dietrich muss in Backnang nicht mit Widerstand umgehen

Das alles klingt schlüssig, und Dietrich muss in Backnang auch nicht mit Widerstand umgehen. Lediglich eine einzige ansatzweise kritische Frage kommt aus dem Zuhörerkreis: Wird das Geld in die Mannschaft oder vor allem in Steine (Bauwerke, Übungsgelände) investiert?

Dietrich gibt darauf keine konkrete Antwort, ob bewusst oder im Überschwang seiner Mission, die Vorteile der Ausgliederung noch einmal in anderen Worten zu erklären. Nachfragen gibt es nicht.

Roleder: "Das Konzept hat mich überzeugt"

Kein Wunder, denn auch der zweite Gast, der ehemalige Bundesligatorwart des VfB, Helmut Roleder, sagt; „Ich habe mich ja früher auch schon kritisch gegenüber dem VfB geäußert, aber das Konzept hat mich überzeugt.“ Dazu gebe es keine Alternative.

Und wenn die Mitglieder schließlich doch ihre Zustimmung versagen? Dietrich: „Dann gibt es einen Plan B, den wir im Oktober vorstellen werden. Den Verein wird’s auch dann noch geben.“ Im Raum allerdings schwebt der unausgesprochene Zusatz: Sportlich erfolgreiche Zeiten werden dann wohl kaum noch vor ihm liegen.

Die außerordentliche Mitgliederversammlung

  • Am Donnerstag, 1. Juni, um 18.30 Uhr findet die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart in der Mercedes-Benz-Arena statt. Der Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG müssen 75 Prozent der anwesenden Mitglieder zustimmen. Eine hohe Hürde – und die Ultra-Fans sind noch lange nicht von der Idee überzeugt.
  • Dietrich versichert, dass auch bei einer Ausgliederung die Mercedes Bank Hauptsponsor bleibt. Sie werde ihren Beitrag sogar noch erhöhen und bei guter sportlicher Leistung ein weiteres Mal. Das Geld, das durch die Anteilseigner in die Kasse kommt, soll in Spieler, also die sportliche Entwicklung, investiert werden. Allerdings ist es auch dringend nötig, das Trainingsgelände zu modernisieren.