VfB-Profi Undav reagiert auf seine Kritiker: „War gefühlt alles meine Schuld“
Berlin. Der VfB Stuttgart hat an der Alten Försterei ein wahres Spektakel abgeliefert: Gegen Union Berlin spielten die Schwaben nach einer wilden ersten Halbzeit 4:4. Deniz Undav stand gegen die Eisernen mal wieder in der Startelf - und meldete sich nach einer schweren Zeit mit einem Tor und einer Vorlage zurück. Der Angreifer war in den letzten Wochen und Monaten viel Kritik ausgesetzt, wurde im Internet teilweise unter der Gürtellinie angegriffen und musste die Schattenseiten des Hypes um seine Person kennenlernen. Nach dem Union-Spiel gab der Nationalspieler einen Einblick in sein Seelenleben: Wie geht ein Profi mit so viel Kritik um?
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„Ich war das Schutzschild“: Warum Deniz Undav die Kritiker egal sind
Hinter Deniz Undav liegt eine lange Leidenszeit. Stürmer werden fast ausschließlich an Toren gemessen - und allzu viele Treffer konnte der VfB-Stürmer in den vergangenen Monaten nicht nachweisen. Vor dem Union-Spiel hatte der Angreifer in der Bundesliga zuletzt am 18. Januar gegen Freiburg getroffen. Macht unterm Strich eine Leidenszeit von drei Monaten, die Deniz Undav am Samstagabend in Berlin (endlich) beenden konnte. Gegen die Eisernen erzielte der Stürmer den wichtigen 1:2-Anschlusstreffer und bereitete außerdem das 4:3 durch Chris Führich vor.
In diesen drei Monaten ohne Treffer sah sich der Angreifer immenser Kritik ausgesetzt. Im Internet wurde Deniz Undav für seine Spielweise teilweise verhöhnt, außerdem wurde dem Nationalspieler die fußballerische Qualität abgesprochen. Zudem musste der Stürmer für seine Autowahl (einen Rolls Royce) viel Häme einstecken, getreu dem Motto: ’Auf dem Feld nicht treffen, aber dann so eine Luxus-Karre fahren’. Kurzum: Deniz Undav bekam in den letzten Monaten viel Hass ab.
Torflaute: Angreifer hat Rückendeckung vom VfB Stuttgart gebraucht
„Jede Niederlage war meine Schuld. Gefühlt war alles meine Schuld“, sagte der Angreifer nach dem Union-Spiel zu den anwesenden Journalisten. Aber er habe damit umgehen können, denn: „Wie Nick Woltemade gesagt hat: Ich war das Schutzschild.“ In der schwierigen Saisonphase, als der VfB zwischen Mitte Februar und Anfang April kein einziges Bundesliga-Spiel gewinnen konnte, zog Deniz Undav fast die gesamte Kritik auf sich. „Wenn du als Stürmer nicht triffst, ist es doch klar, dass du kritisiert wirst. Solange die Mannschaft nichts abbekommt, ist mir das aber egal.“
Was nicht heißt, dass die teilweise heftige Kritik an dem Angreifer spurlos vorbeigegangen war. „Viele sagen auf einmal, wie ich laufe, und was weiß ich - obwohl ich letztes Jahr genauso war. Und da war ich anscheinend gut.“ Als zu dick, zu schwerfällig, zu langsam und zu unfit wurde der Stürmer von manchen Fans bezeichnet. Für Deniz Undav war diese Zeit nicht einfach: „Ich habe die Rückendeckung vom Verein und von den Spielern gebraucht. Auch bei der Nationalmannschaft hat der Sandro (Co-Trainer Sandro Wagner, Anm. d. Red.) mich aufgebaut.“
Tor und Vorlage gegen Union Berlin: Ist der Knoten bei Deniz Undav geplatzt?
Trotz der Kritik habe der 28-Jährige aber nie vergessen, worum es in seinem Job als Fußballprofi geht: „Ich wusste, dass ich erstmal auf der Bank sitzen muss, weil Nick und Demi es besser gemacht haben. Das ist normal bei Stürmern“, so Deniz Undav. Belohnt wurde der Nationalspieler für die lange Leidenszeit mit einem Tor an der Alten Försterei - und der Hoffnung, dass der Tor-Knoten jetzt geplatzt ist. Denn abschließend sagte Deniz Undav mit seinem gewohnt schelmischen Grinsen in der Mixed-Zone: „Das ist jetzt gut für den Trainer, drei Stürmer zu haben, die Tore erzielen, statt nur zwei.“


