VfB Stuttgart

Wahlkampf um das VfB-Präsidentenamt: So lief der erste Schlagabtausch zwischen Claus Vogt und Pierre-Enric Steiger

Pierre-Enric Steiger und Claus Vogt
Herausforderer Pierre-Enric Steiger (li.) und Amtsinhaber Claus Vogt wünschen sich einen fairen Wahlkampf. © VfB Stuttgart

Eine „Wahlphase“ anstelle eines klassischen Wahlkampfes wollten die beiden Bewerber um das Präsidentenamt beim VfB Stuttgart führen. Doch beim ersten Schlagabtausch zwischen Amtsinhaber Claus Vogt und Gegenkandidat Pierre-Enric Steiger wurde schnell klar, dass durchaus auch mit harten Bandagen um den Präsidentenstuhl im roten Clubhaus gerungen wird. Beobachtungen zum direkten Duell zwischen Platzhirsch und Herausforderer.

Teils offen zur Schau gestellte Abneigung

Bei der Neuauflage des „dunkelroten Tisches“ in der „Mechatronik Soccer Lounge“ am Donnerstagabend (24.06.) ging es phasenweise hoch her. Erstmals konnten auch die Mitglieder den beiden Kandidaten auf den Zahn fühlen. Unschwer war zu erkennen, dass die beiden Bewerber in ihrem Auftreten unterschiedlicher kaum sein könnten.

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Auf der einen Seite der amtierende Clubchef Claus Vogt: selbstbewusst und teils mit offen zur Schau gestellter Abneigung gegen seinen Kontrahenten. Auf der anderen Seite der 49 Jahre alte Chef der Björn-Steiger-Stiftung aus Winnenden, der gerade zu Beginn der Veranstaltung noch mit der Nervosität zu kämpfen hatte, sich dann aber freischwamm.

Vogt: „Ich bin gekommen, um zu bleiben“

Auch inhaltlich offenbarten sich klare Unterschiede zwischen Vogt und Steiger. „Ich bin gekommen, um zu bleiben“, sagt der amtierende Präsident. Er will nach den Turbulenzen rund um den gewaltigen Führungskrach - Vogt: „Ich habe in dieser Zeit bewiesen, dass Sie einen Präsidenten gewählt haben, dem Sie vertrauen können“ - seine geplanten Projekte realisieren.

Für die Zeit vor der Wahl vertraut Vogt aber vor allem auf seinen Bonus als Amtsinhaber – und auf seine Wirkung als Gegenentwurf zu seinem Konkurrenten. Gerade mit Blick auf seine Außendarstellung setzt der kumpelhafte Vogt einen Kontrapunkt zum auf der Bühne mitunter etwas oberlehrerhaft wirkenden Steiger.

Steiger ging früher in die Offensive

Steiger hingegen hat sein Positionspapier für den VfB bereits vor zwei Wochen veröffentlicht. Als Herausforderer musste der Winnender naturgemäß früher in die Offensive gehen.

Für seine Ideen zur Neubesetzung des Aufsichtsrates und der Einführung einer Vertreterversammlung bekam er jedoch teils heftigen Gegenwind aus der Mitgliederschaft. Für sein Fachwissen rund um die einzelnen Abteilungen und das Konzept zur Stärkung dieser gab es hingegen auch Lob. Claus Vogt attackierte das Papier dagegen scharf: „Ich habe das Konzept der Vertreterversammlung nicht verstanden.“ Man sei in diesem Bereich gut aufgestellt. „Im e.V. haben wir definitiv andere Probleme.“

Entlohnung für Präsidium und Präsident?

Unterschiedliche Standpunkte offenbarten die Kandidaten auch beim Thema Entlohnung für Präsident und Präsidium. 50.000 Euro im Jahr sind für den Präsidenten vorgesehen und jeweils 25.000 Euro für die beiden Präsidiumsmitglieder. „In der aktuellen Situation halte ich das für schwierig“, sagt Pierre-Enric Steiger. Das Jahreseinkommen des Präsidenten sei dann höher als das Budget der meisten Abteilungen. „Das ist für mich ein Problem.“

Claus Vogt hält dagegen: „Ich kenne den arbeitszeitlichen Aufwand.“ Er dürfe gar nicht genau rechnen – „das liegt unter dem Mindestlohn“. Mit Verweis auf die zwei nicht abgehaltenen Mitgliederversammlungen sei zudem eine Million Euro eingespart worden. „Es ist gerechtfertigt, das Geld anzunehmen.“

Ein Duell der Gegensätze

Der Kampf um das höchste Amt im e.V. ist dieses Mal also auch ein Duell der Gegensätze. Insofern kommt der Mitgliederversammlung am 18. Juli eine noch wegweisendere Bedeutung zu, als sie es aufgrund ihrer turbulenten Vorgeschichte ohnehin schon hat. Auf der Präsenzveranstaltung in der Mercedes-Benz-Arena wird nicht nur der Vereinspräsident für die nächsten vier Jahre gewählt, sondern auch das Präsidium und der Vereinsbeirat.

Der Ausgang der Wahlen auf der MV wird also wie selten zuvor die Weichen für die künftige Ausrichtung des größten Sportvereins in Baden-Württemberg stellen. Gerade auch, weil die beiden Präsidentschaftskandidaten so unterschiedliche Profile haben.

Veranstaltung im Video

Wer sich selbst ein Bild von den beiden Präsidentschaftskandidaten sowie den Berwerbern für Präsidium (Christian Riethmüller, Hubert Deutsch, Rainer Adrion und Markus Scheurer) und Vereinsbeirat machen möchte, kann sich die Veranstaltung hier im Video anschauen.