VfB Stuttgart

Wie Fabian Wohlgemuth die Herausforderung beim VfB Stuttgart angehen will

Fabian Wohlgemuth
VfB-Sportdirektor Fabian Wohlgemuth. © Danny Galm

Schwaben kennt Fabian Wohlgemuth aus seiner Heimat. Die Berliner Wohnung seiner Familie liege in einer schwäbischen Enklave im Prenzlauer Berg, erzählte er verschmitzt. Es hat ihn nicht davon abgehalten, die Herausforderung als neuer Sportdirektor des Abstiegskandidaten VfB Stuttgart anzunehmen. Im Gegenteil. «Auch mein direkter Nachbar ist ein Stuttgarter, und der hat auch Grünes Licht gegeben», sagte er und lächelte. 

Wehrle: «Er wird viele Impulse in den VfB-Weg mit einbringen» 

Der 43 Jahre alte Berliner zählt zu den Protagonisten, mit dem sich der Fußball-Bundesligist in dieser Winterpause komplett neu aufstellt. Intensiv wird er mit dem neuen Antreiber auf dem Rasen, Trainer Bruno Labbadia, und künftig auch mit Ex-Kapitän Christian Gentner zusammenarbeiten.

Mit dem radikalen Schnitt will Vorstandschef Alexander Wehrle das drohende Debakel der erneuten Zweitklassigkeit vermeiden. «Fabian Wohlgemuth hat sich in den letzten Jahren einen sehr, sehr guten Namen in der Branche gemacht», begründete Wehrle seine Entscheidung. «Er wird viele Impulse in den VfB-Weg mit einbringen.» 

Aus dem beschaulichen Paderborn zum Traditionsverein nach Bad Cannstatt

Wohlgemuth hat sich den Ruf erarbeitet, aus geringen finanziellen Mitteln eine «werthaltige Mannschaft» (Wehrle) basteln zu können. Das wird auch beim VfB verlangt sein. Er hat Erfahrung als Geschäftsführer Sport beim SC Paderborn und bei Holstein Kiel in der 2. Fußball-Bundesliga gesammelt. Er hat den Trainerschein und Jahre als Leiter der Nachwuchsabteilung beim VfL Wolfsburg, als Jugend-Chefscout der Wölfe und beim Hamburger SV hinter sich. 

Sportdirektor in der 1. Bundesliga aber war er noch nicht. Wohlgemuth selbst fühlt sich vorbereitet. «Klar sieht Paderborn aus der Ferne sehr beschaulich und gemütlich aus. Aber auch da musste man sich straff anschnallen. Wir haben im Grunde in jedem Sommer neu angefangen, mussten die besten Spieler abgeben», schilderte er.

«Den Visionen sind nach oben keine Grenzen gesetzt»

Am Trainingsplatz zeigte sich der Sportdirektor zu Beginn der neuen VfB-Ära nahbar, erledigte aber auch gleich die nächsten Telefonate. Die Realität der Schwaben heißt Abstiegskampf. «Den Visionen sind nach oben keine Grenzen gesetzt», sagte Wohlgemuth über den Standort aber auch.

Zum nächsten Karriereschritt hätten ihn Wehrle und Sami Khedira nicht lange überreden müssen. Khedira berät wie 2014-Weltmeister-Kollege Philipp Lahm Vorstandschef Wehrle. Khedira hat Aufstiegschancen beim VfB, eine allzu rasche Beförderung des ARD-WM-Experten schloss Wehrle nun aber deutlich aus.

«Wir haben einen gemeinsamen Fahrplan für seine Entwicklung festgelegt. Aber er ist jetzt erst mal die nächsten mindestens eineinhalb Jahre Berater des Vorstands», stellte der 47-Jährige auf die Frage klar, ob Khedira künftig ein Kandidat für den momentan nicht besetzten Posten des Sportvorstands beim VfB sei. 

Welche Aufgaben Ex-Kapitän Gentner übernehmen soll

Als Gentner wie Lahm und Khedira im September beim VfB unterschrieb, konnte er nicht ahnen, dass Wohlgemuth von Vorgänger Sven Mislintat übernimmt. Offiziell startet der Meister von 2007 (VfB) und 2009 (Wolfsburg), der bis Mitte November für den FC Luzern spielte, zum neuen Jahr als Leiter der Lizenzspielerabteilung. In der vergangenen Woche plante er trotzdem bereits das Trainingslager und Training mit. 

«Wir erhoffen uns von ihm eine Perspektive, die vielleicht einen anderen Einblick gibt. Er hat eine andere Ansprache zu den Spielern, er soll eine große Nähe zur Mannschaft haben und Bindeglied zwischen mir, Bruno und der Mannschaft sein», erklärte Wohlgemuth. Labbadia hofft, dass Gentner «eine Stütze» für die zahlreichen jungen Spieler wird.

Mit Abstiegskampf kennt sich der 37-Jährige jedenfalls aus. Unter Labbadia hielt der Mittelfeldspieler 2011 die Klasse. 2016 und 2019 stürzte er mit dem VfB in die 2. Liga ab.