VfB Stuttgart

Von der Nationalelf in die Regionalliga: Die Gründe für die Verbannung von Holger Badstuber in die zweite Mannschaft

Kopie von Bilder Nachmittagseinheit Tag 2 VfB in St. Gallen_0
Holger Badstuber spielt in den Planungen des VfB Stuttgart keine Rolle mehr. © ZVW/Danny Galm

Statt gegen Bayern München, Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt geht es für Holger Badstuber wohl künftig gegen den FC Astoria Walldorf, den FC Bayern Alzenau und den FK Pirmasens. Am Dienstag (18.08.) gab der VfB Stuttgart bekannt, dass der ehemalige Nationalspieler künftig bei der zweiten Mannschaft der Schwaben trainieren und spielen soll. Von der Nationalelf in die Regionalliga Südwest: Was sind die Gründe für die Degradierung des 31 Jahre alten Abwehrspielers?

Guardiola adelte Badstuber: „Der beste Spiele, den ich jemals trainiert habe“

Der gebürtige Memminger galt vor gar nicht allzu langer Zeit als einer der besten Abwehrspieler Deutschlands. Mit dem FC Bayern München gewann der technisch versierte Linksfuß sechs Deutsche Meisterschaften, vier Mal holte er den DFB-Pokal und auch beim bislang letzten Champions League-Triumph der Münchner 2013 stand er im Aufgebot des Rekordmeisters. Trainer-Guru Pep Guardiola adelte den Verteidiger einst als „besten Spieler, den ich jemals trainiert habe.“ 2017 soll der Spanier sogar versucht haben, den damaligen Bayern-Profi zu Manchester City zu lotsen.

Der Blick in die Krankenakte

Statt in England landete Badstuber nach einer glücklosen Leihe zum FC Schalke 04 bei seinem alten Jugendverein VfB Stuttgart. In der Aufstiegsmannschaft unter dem jungen Trainer Hannes Wolf sollte der erfahrene Badstuber als Leitwolf vorangehen – und sich nach einer von zahlreichen Verletzungen geprägten Zeit wieder ins Blickfeld von Bundestrainer Jogi Löw spielen. Ein kurzer Blick in die prall gefüllte Krankenakte des Kickers:

  • Im Dezember 2012 zieht sich der damals 23 Jahre alte Bayern-Profi einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu. Auf dem Weg zum Comeback reißt das Kreuzband im Mai 2013 ein zweites Mal. Es folgt eine OP in den USA.
  • Nach 20 Monaten steht er im Saisonendspurt wieder für den FCB auf dem Platz. Ein Muskelsehnenriss im linken Oberschenkel stoppt ihn aber kurz darauf im September 2014 wieder; Operation und erneut mehrere Monate Pause.
  • Beim 6:1 der Bayern im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Porto im April 2015 reißt erneut der Oberschenkelmuskel im linken Bein. Es folgen die nächste Operation und weitere 200 Tage Pause.
  • Im Abschlusstraining vor einem Spiel beim FC Augsburg bricht sich Badstuber im Februar 2016 das Sprunggelenk im linken Fuß. Operation und Saisonaus. 

Alles in allem weißt die Datenbank des Portals transfermarkt.de für den heute 31 Jahre alten Profi insgesamt 248 verpasste Spiele und 1296 Ausfalltage aus.

 Immer wieder Verletzungen und Rückschläge in Stuttgart

Auch seine Zeit im Schwabenland war immer wieder von Verletzungen und Rückschlägen geprägt. Die tragende Rolle, die dem Routinier eigentlich zugedacht war, konnte er zu keiner Zeit länger als ein paar Wochen einnehmen. In der 2. Liga war Badstuber vergangene Saison zunächst gesetzt, ehe er sich kurz vor dem Rückrunden-Start im Winter-Trainingslager wieder verletzte. Danach hatte er nur noch fünf Einsätze. Den letzten bei der 1:2-Niederlage beim Karlsruher SC Mitte Juni.

Unter dem Strich lief es für den meinungsstarken Abwehrspieler unter keinem seiner Trainer beim VfB wirklich reibungslos. Zuletzt wurde er von Pellegrino Matarazzo im Aufstiegsendspurt aussortiert. Die Gründe lagen wohl in einer Mischung aus den schwachen Leistungen auf dem Platz und seiner grantelnden Art.

Badstuber gilt als absoluter Gewinner-Typ. Ein ehrgeiziger Profi, der in jedem Trainingskick als Sieger vom Platz gehen will. Was in Zeiten des sportlichen Erfolgs als zusätzlicher Motivationsschub wirkt, kann sich in Krisen-Zeiten – und von denen gab es in Badstubers Zeit beim VfB einige – auch negativ auf das Mannschaftsgebilde auswirken.

Im schwäbischen Abwehrverbund ist kein Platz mehr für Badstuber

Zur neuen Saison wurde dem 31-Jährigen ein Vereinswechsel nahegelegt. Die hohen Anforderungen der Bundesliga traut man dem Routinier augenscheinlich nicht mehr zu. Da sich aber offenbar kein Abnehmer für den Abwehrspieler finden lässt, folgt nun die Degradierung in die Regionalliga-Mannschaft der Stuttgarter.

„Mit Blick auf die kommende Saison und darüber hinaus haben wir uns dazu entschieden, in unserem Kader personelle Veränderungen vorzunehmen und im Defensivbereich verstärkt auf andere Spieler zu setzen“, sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. Die Neuzugänge Konstantinos Mavropanos (FC Arsenal) und Waldemar Anton (Hannover 96) sowie Marcin Kaminski und Marc Oliver Kempf sollen den Laden in der Bundesliga dicht halten.

Badstuber will „das Beste“ aus der Situation machen

Hinzu kommen die Jungprofis Luca Mack (20), Maxime Awoudja (22) und Antonis Aidonis (19). Auch Mittelfeldspieler Atakan Karazor kann die zentrale Position in der Stuttgarter Dreierreihe spielen. Die Entscheidung, trotz eines laufenden Vertrags bis 2021 künftig nicht mehr auf Badtsuber zu setzen, ist in Anbetracht der Personalsituation beim Aufsteiger und der zuletzt dürftigen Leistungen des Spielers ein nachvollziehbarer Entschluss der sportlichen Leitung.  

Die bittere Pille schluckte Badstuber am Dienstag ohne Murren. Er sei zwar „überzeugt davon, dass ich dem Team in der Bundesliga helfen kann“, werde sich jetzt aber vollends der neuen Herausforderung stellen: „Ich nehme jetzt die neue Aufgabe an, damit wir gemeinsam für den Verein das Beste daraus machen.“

Vor einem Monat betonte er, dass er seinen sehr gut dotierten Vertrag erfüllen wolle. Darüber dürfte er nun aber nochmal nachdenken. Mit Blick auf die angespannte Finanzlage beim schwäbischen Traditionsverein wären wohl auch die VfB-Entscheider froh, wenn das Kapitel Badstuber beim VfB noch in diesem Sommer ein endgüligtes Ende findet. 

Zur Person

  • Holger Badstuber wurde am 13. März 1989 in Memmingen geboren.
  • Seine fußballerische Ausbildung absolvierte der Linksfuß beim TSV Rot (1994 bis 2000) und in der Jugend des VfB Stuttgart (2000 bis 2002) sowie des FC Bayern München (2002 bis 2009).
  • Am 08. August 2009 debütierte der Abwehrspieler im Alter von 20 Jahren unter dem damaligen Bayern Trainer Louis van Gaal in der Bundesliga (1:1 gegen die TSG Hoffenheim).
  • Für den Rekordmeister stand Badstuber von 2009 bis 2017 in 177 Pflichtspielen auf dem Rasen. Mit dem FCB gewann der Innenverteidiger einmal Champions League, viermal den DFB-Pokal und sechsmal die Deutsche Meisterschaft.
  • Nach einer Leihe zum FC Schalke folgte 2017 der Wechsel zum VfB Stuttgart. Für die Schwaben kam Badstuber 37 Mal in der Bundesliga und 19 Mal in der 2. Liga zum Einsatz.
  • In der Nationalmannschaft debütierte er 2010. Insgesamt lief er 31 Mal im Trikot mit dem Adler auf der Brust auf.