VfB Stuttgart

Warum das Trainingslager in Kitzbühel zur Talentshow wird

VfB-Team 2020/21
Eine ganze Reihe junger Talente will und muss sich im Trainingscamp in Kitzbühel beweisen. © Simeon Kramer

Es hat einen Hauch von Klassenfahrt. Am Samstagmorgen (22.08.) reist der VfB Stuttgart ins einwöchige Trainingslager nach Kitzbühel (Österreich). Und mit an Bord ist gleich eine ganze Reihe von jungen Talenten, die sich für einen Stammplatz bei den Profis empfehlen wollen. Vor allem in der Offensive tummeln sich die jungen Wilden. Doch schaffen sie es auch, die letzten verbliebenen Platzhirsche unter Druck zu setzen?

Nur noch zwei Spieler aus der 30er-Fraktion im Kader

„Wir wollten den Altersschnitt im Kader senken, das ist uns gelungen“, sagte VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger kürzlich. Nach dem Karriereende von Ex-Stürmerstar Mario Gomez und der Degradierung des früheren Nationalspielers Holger Badstuber in die 2. Mannschaft sind aus der 30er-Fraktion der Schwaben nur noch Daniel Didavi (30) und Gonzalo Castro (33) übrig. Und nicht nur die werden sich der neuen Angriffe ihrer jungen Herausforderer erwehren müssen.

„Ein Mateo Klimowicz, Robbie Massimo, Li Egloff, Tanguy Coulibaly und Darko Churlinov sind jetzt ein Jahr weiter, haben den erwarteten Schritt gemacht“, sagte Sportdirektor Sven Mislintat zuletzt: „Sie dürften demnach näher dran sein als letzte Saison.“ Und werden - gerade im Angriff - womöglich auch mehr gebraucht.

Torjäger Nicolas Gonzalez (22) hat jedenfalls die Absicht, Stuttgart trotz Vertrags bis 2023 noch in diesem Sommer zu verlassen, Hamadi Al Ghaddioui (29) keine Erstliga-Erfahrung und Sasa Kalajdzic (23) eine komplizierte Knieverletzung hinter sich. Da sind gute Back-Ups gerne gesehen.

Kommen die Talente in der Bundesliga besser zurecht?

Von den von Mislintat Genannten ist keiner älter als 20 Jahre. Auch Silas Wamangituka (20) nicht, der von den Youngsters am vielseitigsten veranlagt und in der Entwicklung am weitesten ist. Auf sieben Tore und acht Vorlagen in 29 Partien brachte es der Kongolese in der vergangenen Zweitliga-Saison - und stach damit aus der Riege der Rookies deutlich heraus.

Die anderen müssen sich erst noch beweisen. Nun sogar eine Etage höher. Womöglich können sie von der weniger ruppigen Gangart und der weniger auf Dominanz ausgerichteten Taktik des Aufsteigers in der Bundesliga aber profitieren.

Testspiele gegen Liverpool, Hamburg und Bielefeld

„Sie bringen alle viel Tempo mit. Es dürfte ihnen entgegenkommen, wenn wir nicht mehr so viel Ballbesitz haben und sich stattdessen mehr Räume öffnen sollten“, sagte Mislintat. Klimowicz (20) und Egloff (18), der am Donnerstag einen Profi-Vertrag bis 2024 unterschrieb, sollen das offensive Zentrum beleben. Massimo (19) und Churlinov (20) sind Kandidaten für die Außenpositionen, sollte der VfB mit Fünferkette verteidigen. Coulibaly (19) und der zu Wochenbeginn vom französischen Zweitligisten AC Le Havre verpflichtete Momo Cissé (17) sind klassische Flügelstürmer.

Sie alle wollen die Tage in Tirol nutzen, um bei VfB-Coach Pellegrino Matarazzo zu punkten. Im Training, aber vor allem in den Testspielen gegen den FC Liverpool (Samstag), Hamburger SV (26. August) und Arminia Bielefeld (29. August). Das Trainingslager als Talentshow.

Mit einem Durchschnittsalter von 23,9 Jahren stellt der VfB neben Hertha BSC (23,8 Jahre) aktuell den jüngsten Kader der Liga. Für Thomas Hitzlsperger ist das allerdings kein Problem. „Ich kann nicht genau sagen, wie bundesligaerfahren Union Berlin und ihr Trainer im Vorjahr waren“, sagte er dem kicker. „Aber sie haben es geschafft, in der Bundesliga zu bleiben. Das zeigt, dass es möglich ist und dass Erfahrung nicht per se mit Qualität gleichzusetzen ist.“ 

Bundesliga-Erfahrung im VfB-Kader

  • Gonzalo Castro (383 Spiele)
  • Daniel Didavi (151 Spiele)
  • Erik Thommy (77 Spiele)
  • Waldemar Anton (69 Spiele)
  • Marc Oliver Kempf (66 Spiele)
  • Pascal Stenzel (65 Spiele)
  • Marcin Kaminski (50 Spiele)
  • Nicolas Gonzalez (30 Spiele)
  • Orel Mangala (20 Spiele)
  • Gregor Kobel (17 Spiele)
  • Fabian Bredlow (13 Spiele)
  • Jens Grahl (12 Spiele)
  • Borna Sosa (12 Spiele)
  • Philipp Klement (2 Spiele)
  • Antonis Aidonis (2 Spiele)
  • Darko Churlinov (1 Spiel)
  • 16 Spieler aus dem aktuellen Kader haben noch kein Erstligaspiel bestritten